Chirurgie

Barmherzige Schwestern

Der Darm

Der Darm beginnt nach dem Magen und endet am After. In seiner gesamten Ausdehnung misst er, beim Erwachsenen zwischen 4 und 6m. Als Hauptorgan der Nahrungs- und Wasseraufnahme ist er für den Menschen überlebensnotwendig und in seiner weiteren Funktion als Abwehrorgan des Immunsystems unentbehrlich. Man unterteilt den Darm in den Dünndarm, der hauptsächlich Nährstoffe aufnimmt und den Dickdarm, dem in erster Linie die Flüssigkeitsaufnahme obliegt. 

Da mit der Nahrung auch ungewünschte Stoffe und Gifte (z.B. Pestizide) in unseren Körper kommen, ist der Darm die erste Abwehrreihe unseres Immunsystems und somit auch besonderen Belastungen ausgesetzt. Das Verdauungsorgan ist daneben ein sensibles System, dass durch Stress und Belastung leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.
Die Erkrankungen des Darm sind vielfältig und reichen von den „gutartigen“ wie dem sogenannten Reizdarmsyndrom bis hin zu den „bösartigen“ dem Dickdarmkrebs (Dickdarmkarzinom).

Gutartige Darmerkrankungen:

Reizdarm

Der Reizdarm ist eine unangenehme Funktionsstörung des Darmes, dem auf den ersten Blick keine erkennbare Ursache zugrunde liegt. Zum einen spiegeln sich meistens psychische Belastungen und Probleme in dieser Erkrankung wieder. Zum anderen ist der komplexe Bewegungsablauf der Darmmuskulatur gestört.
Symptome
Der Reizdarm kann zu Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl führen.

Divertikulitis

Unter einer Divertikulitis versteht man Ausstülpungen der Darmwand, die in Zusammenhang mit dem Alter der Person sowie einer ballaststoffarmen Ernährung stehen. Die Divertikel entstehen gegen Ende des Darmes im Dick und Mastdarm und finden sich symptom- und komplikationslos bei vielen Menschen über 60 Jahren.
Probleme treten meistens erst dann auf, wenn sich die Divertikel entzünden (Divertikulitis) und es in weiterer Folge zu einem „platzen“ dieser entzündeten Darmausstülpung kommt. Dann kann Stuhl und Blut in den Bauchraum austreten und eine potentiell lebensbedrohliche Situation für den Patienten darstellen.
Symptome
Symptome der Divertikulitis können Blut im Stuhl sein verbunden mit Bauchschmerzen sowie linksseitige Unterbauchschmerzen.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden in zwei Krankheitsbilder, Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa unterteilt.

Morbus Crohn:

Der Morbus Crohn kann vom Mund bis zum Anus jeden Teil des Verdauungsapparates befallen. Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt, aber eine Autoimmunerkrankung wird als wahrscheinlich angenommen. Hierbei greifen die körpereigenen Abwehrzellen die Darmschleimhaut an unterschiedlichen Lokalisationen an.
Symptome
Symptome des Morbus Chron können Bauchschmerzen sein, es kann Blut im Stuhl auftreten, schleimige Durchfälle sowie Abszesse am After können den Patienten belasten. Nach Abklingen der Entzündungen können sich Engstellen am Darmbilden, die bis hin zum Darmverschluss führen können.

Colitis Ulcerosa

Bei der Colitis ulcerosa wird ausschließlich der Dick- und Mastdarm befallen und dies geschieht immer ohne Unterbrechung von Darmstrukturen.
Symptome
Neben diffusen Bauchschmerzen und Blutabgängen stehen auch nächtliche Durchfälle und zunehmende Blutarmut im Vordergrund.

Darmverschluss

Ein Darmverschluss entsteht durch eine Passagebehinderung des Darmes. Ursache hierfür kann entweder eine Behinderung von innen z.B. durch Fremdkörper, Gallensteine oder nichtverdaubare Nahrungsmittel sein. Es kann aber auch eine Einengung von außen z.B. durch einen Tumor der Darmwand bei Darmkrebs, durch eine stattgefundene Entzündung (z.B. Morbus Crohn, Divertikulitis) oder bei Verwachsungen und Narbenbildung nach Operationen oder Verletzungen bestehen. Beim Darmverschluss ist eine Operation meist unumgänglich.
Symptome
Patienten mit einem Darmverschluss haben meist einen Stuhlverhalt, starkes Erbrechen und heftige Bauchschmerzen Bauchschmerzen.
Diagnose
Grundpfeiler der Darmdiagnostik ist bei den Barmherzigen Schwestern die „sanfte Darmspiegelung“. Hierbei wird nach vorbereitender Darmspülung die Untersuchung im Dämmerschlaf für den Patienten schonend und schmerzlos durchgeführt. Während der Untersuchung können Gewebsproben entnommen, kleine Polypen (Schleimhautwucherungen) abgetragen und die Schleimhaut genauestens bezüglich Entzündungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa) begutachtet werden.
Eine innovative Untersuchung bietet die Kapselendoskopie zur Beurteilung des Dünndarmes, bei der der Patient eine kleine Kamera schluckt, die die gesamte Verdauungspassage durchläuft und währenddessen Fotos aufnimmt.
Ergänzt wird die Diagnostik durch neueste Laboruntersuchungen, eine hochauflösende Bilddiagnostik wie der Computertomographie, der Magnetresonanztomographie und dem endoluminalen Ultraschall sowie interdisziplinären Besprechungen mit anderen Fachrichtungen.
Therapie
Primär wird versucht diese Krankheitsbilder medikamentös zu behandeln. Sollte dieses Therapiekonzept nicht ausreichen, oder sollte es nach Abklingen des akuten Krankheitsbildes zu Engstellen der Darmpassage kommen (Darmverschluss) ist eine Operation unvermeidbar.
In so einem Fall wird so viel Darm wie nötig und so wenig wie möglich entfernt. Um dies so schonend wie möglich für den Patienten zu gestalten, steht uns hierbei in vielen Fällen die Möglichkeit der Schlüsselloch-Operationen (Laparoskopie) zur Verfügung. Die Laparoskopie ist für den Patienten deutlich schonender und hinterlässt kleinere Narben.
Vorsorge
Neben einer ausgewogenen Ernährung, der Vermeidung von Übergewicht sowie dem Vermeiden von Tabakkonsum ist eine vorsorgliche Darmspiegelung ab dem 45. Lebensjahr zu empfehlen.
Leiden sie an kürzlich aufgetretenen Stuhlunregelmäßigkeiten, Bauchschmerzen, Blut am Stuhl, oder treten Darmerkrankungen oder Darmkrebs in ihrer Familie gehäuft auf, sollten sie zur weiteren Abklärung frühzeitig eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen.

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