Aktuelles

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Ordensklinikum Linz

Rascher mobil mit neuem Trainingsgerät

Datum: 05.01.2026

Die Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern bietet eine neue Therapie an. Mit dem Anti-Schwerkraft-Laufband ist ein frühzeitiger Trainingseinstieg und damit eine raschere Rehabilitation möglich. 

Seit Oktober 2025 ist an der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation ein Laufband im Einsatz, das ein Training unter reduzierten Schwerkraft-Bedingungen ermöglicht. „Das Gerät ist eine sehr gute Ergänzung unseres Therapieportfolios,“ betont Abteilungsleiterin Prim.a Dr.in Daniela Gattringer, MSc, „weil wir die Patient*innen damit noch gezielter therapieren können.“
 

Funktionsweise des Laufbands

„Mit dem Laufband kann die Schwerkraft reduziert werden.“ erklärt Prim.a Gattringer. „Wenn Patient*innen Bewegungen ausführen, sind sie deutlich leichter, sie ‚schweben‘ quasi im Gerät, denn es ermöglicht eine Gewichtsentlastung von bis zu 80 Prozent in 1 %-Schritten.“ Die Patient*innen stehen bis zur Hüfte in einer Druckkammer, die luftdicht verschlossen ist und mit der sie über eine spezielle Neoprenhose verbunden sind. Das Gerät ermittelt das Gewicht der*des Patient*in  und befüllt die Kammer mit Luft, sodass ein umgekehrtes Vakuum entsteht. Prim.a Gattringer erläutert: „Die Patient*innen spüren einen leichten Druck auf den Bauch, der aber nicht als unangenehm empfunden wird. Wir schöpfen zumeist nicht die volle 80 %-ige Druckentlastung aus, sondern verringern meist auf das halbe Körpergewicht.“ Die Reaktionen der Patient*innen auf das Training sind sehr positiv. Prim.a Gattringer gibt ein Beispiel: „Wenn ein begeisterter Sportler eine Knieoperation hat und aufgrund eines langen Nachbehandlungsschemas sein Knie mehrere Wochen nicht belasten darf und plötzlich auf dem Laufband schmerzfrei laufen kann, dann ist das für ihn ein großer Gewinn.“ 
 

Einsatzmöglichkeiten

Das Gerät kann zum Gleichgewichtstraining mit statischen Übungen genauso genützt werden wie als „normales“ Laufband mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Außerdem lässt sich die Steigung um 15 Grad variieren, um etwa die Wadenmuskulatur verstärkt zu trainieren. Die Patient*innen können zur Selbstkontrolle die Schrittlänge und -frequenz sowie die Gewichtsverteilung auf dem Monitor mitverfolgen, ebenso die betreuenden Therapeut*innen, die damit sofort korrigierend eingreifen können.

Das Gerät wird insbesondere bei geriatrischen und neurologischen Patient*innen mit Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose sowie nach Insult, Schädel-Hirn-Trauma oder einerQuerschnittlähmung zur Verbesserung von Mobilität, Ausdauer und Belastbarkeit eingesetzt. Ängstliche oder sturzgefährdete Patient*innen können damit –unter kontrollierten Bedingungen ihre Gangsicherheit trainieren. Weiters kann damit ein physiologisches Gangbild, z. B. nach einer Operation oder einem Trauma der unteren Extremitäten erarbeitet werden. Es dient zum gelenk- und sehnenschonenden, schmerzfreien/-armen Gehen z. B. bei Patient*innen mit Arthrosen der unteren Extremitäten oder bei Spinalkanalstenose. Weitere Anwendungsgebiete sind Belastungsgewöhnung bei schwachen Patient*innen durch reduzierten Stoffwechselbedarf, sicheres Gleichgewichtstraining sowie frühzeitiges Gehtraining bei Patient*innen mit verordneter Teilbelastung, z. B. bei Knochenödemen der unteren Extremitäten.

 

Das neue Laufband ermöglich Training unter reduzierten
Schwerkraft-Bedingungen. 

 

 

 Prim.a Dr.in Daniela Gattringer

Prim.a Dr.in Daniela Gattringer, MSc, Leiterin der  Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern


Ablauf

Das Training erfolgt im ambulanten Setting. Es wird ärztlicherseits nach Ausschluss von Kontraindikationen (wie instabiler Fraktur, TVT, Schwangerschaft, etc.) vorordnet und von einer*m Physiotherapeut*in instruiert und begleitet. Indikationsabhängig erfolgt es ein- bis maximal dreimal pro Woche, wobei aus trainingswissenschaftlicher Sicht ein Tag Pause zwischen den Einheiten eingehalten werden soll. Prim.a Gattinger erklärt: „Eine Behandlungsserie umfasst sechs Sitzungen, die reine Trainingszeit variiert nach Belastbarkeit der Patient*innen und dauert meistens ca. 20 Minuten, eine ergänzende Kombination mit einer Medizinischen Trainingstherapie zur weiteren Verbesserung von Kraft, Ausdauer und Koordination ist möglich.“

Eine Zuweisung externer Patient*innen ist nicht möglich. Aus Kapazitätsgründen ist die Therapie mit dem Anti-Schwerkraft-Laufband den im Ordensklinikum Linz behandelten Patient*innen im Rahmen der ambulanten Nachbetreuung am Institut für Physikalischen Medizin und Rehabilitation oder während der stationären Aufenthalte an der Abteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation vorbehalten.


Fallbericht: Patient M., 74 Jahre, milde Adipositas, deutliche Sarkopenie
 

Vorgeschichte und Problemstellung:
Aufgrund von Adipositas und deutlicher Sarkopenie, hat die max. Gehstrecke in den letzten vier Jahren von ca. 200 m auf nun 1 bis 2 m abgenommen. Treppensteigen ist nicht mehr möglich. Auch für Kurzstrecken verwendet der Patient einen Rollator. Aufgrund einer Omarthrose meidet der Patient Strecken >10 m. Die Angehörigen befürchten, dass er seine Gehfähigkeit in Kürze komplett verlieren wird. 

Untersuchung:
Er kommt zur Fachärztin für Physikalische Medizin, diese überweist ihn für einen stationären Aufenthalt an die Abteilung für Akutgeriatrie und Remobilisation. Dort bekommt er ein komplexes Maßnahmenpaket, bestehend aus Physio-, Ergotherapie und physikalische Maßnahmen sowie das Anti-Schwerkraft-Training, verordnet.

Therapie am Ordensklinikum:
M. verbringt drei Wochen an der Abteilung. Er trainiert dreimal wöchentlich am Gerät, damit kann seine Gehstrecke deutlich erweitert und die Gangsicherheit verbessert werden.

Outcome:
Durch die verbesserte Mobilität und Gangsicherheit gewinnt der Patient an Lebensqualität und Selbständigkeit. Er ist motiviert den neu gewonnenen, erweiterten Bewegungsradius zu nutzen.

 

Mehr zum Thema

www.ordensklinikum.at/physikalischemedizin-bhs