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Ordensklinikum Linz

Kinderurologie: Große Medizin für kleine Patienten

Datum: 21.07.2020

Die Kinderurologische Abteilung am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern ist auf seltene kinderurologische Erkrankungen spezialisiert.

In der EU gilt eine Erkrankung als selten, wenn sie bei maximal fünf Personen pro 10.000 Einwohner vorhanden ist. An der Abteilung für Kinderurologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern behandeln Primar Josef Oswald und sein Team neben allgemeinen kinderurologischen Krankheitsbildern auch Patienten mit komplexen, seltenen Erkrankungen. „Schwerpunkt unserer Abteilung sind die Diagnostik sowie die operative Therapie und Behandlung von angeborenen Fehlbildungen des Urogenitaltraktes. Insgesamt fallen etwa 35 bis 40 Prozent unserer behandelten Diagnosen in die Gruppe der sogenannten seltenen Erkrankungen“, erklärt Oberarzt Bernhard Haid. „Das sind etwa Fehlbildungen an Nieren, Harnleiter, Harnröhre oder Störungen der Blasenfunktion infolge von Rückenmarksfehlbildungen oder Verletzungen. Betroffene Kinder leiden mitunter unter Harnwegsinfekten und haben teils ein erhöhtes Risiko eines Nierenfunktionsverlustes oder Harnabfluss-Hindernisse.“

Ein weiteres Beispiel kinderurologischer Erkrankungsbilder sind außerhalb des Hodensacks gelegene Hoden. Hier gilt es zu differenzieren: „Während manche Fehlbildungen, beispielsweise Leistenhoden, relativ häufig vorkommen, sind andere selten und teils komplex. Ein Beispiel dafür sind Knaben mit Bauchhoden, die neben einer frühen exakten Diagnose eine entsprechende chirurgische Therapie im ersten Lebensjahr benötigen, um die Fertilität der betroffenen Hoden zu erhalten“, erläutert der Experte.

Anerkanntes Expertenzentrum

Die Kinderurologie am Ordensklinikum Linz wurde im Jahr 1992 gegründet. Seither hat sich die Abteilung zu einem Aushängeschild auch über Österreichs Grenzen hinaus entwickelt und wurde im Jahr 2019 vom Gesundheitsministerium zum Expertise-Zentrum für seltene kinderurologische Erkrankungen designiert. Aktuell arbeiten dort neben Primar Josef Oswald noch vier weitere Fachärzte für Kinderurologie („FEAPUs - Fellows of the European Academy of Pediatric Urology“) und zwei Kinderurotherapeutinnen. „Eine unserer Hauptaufgaben besteht darin, die Nierenfunktion unserer jungen Patienten zu erhalten, was für ihr späteres Leben sehr bedeutsam ist“, so Oberarzt Haid. „Manche der notwendigen Eingriffe müssen bereits bis zum ersten Geburtstag geschehen, um spätere Nierenschädigungen zu verhindern.“

Aufgrund der Komplexität vieler kinderurologischer Erkrankungen ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachbereiche essentiell. „Besonders mit den Kollegen der Kinder- und Jugendheilkunde – insbesondere den spezialisierten Kindernephrologen und -endokrinologen, der Anästhesie zur Gewährleistung einer optimalen Narkose und perioperativen Betreuung, sowie der Nuklearmedizin arbeiten wir eng zusammen“, betont der Mediziner.

 

Quelle: Bezirksrundschau OÖ

Prim. Josef Oswald, OA Bernhard Haid