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19.05.2026

Zu kurz, zu hoch, zu schmal: Falsche Schuhe und die Folgen für die Füße

Hammerzehen, verkürzte Sehnen und – besonders häufig – der Hallux valgus („Ballenzeh“), sind weitverbreitete Krankheiten, die durch das Tragen von falschen Schuhen begünstigt werden. Welche Schuhe die „falschen“ sind, wie viel Absatz verträglich ist und ob Barfußschuhe eine sinnvolle Alternative sind, darüber informieren die Fußspezialisten OA Dr. Dietmar Mattausch und OA Dr. Thomas Stumpner von der Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.

 

„Ein Schuh ist dann ‚falsch‘, wenn er den Fuß in eine Form bringt, die nicht der natürlichen Stellung entspricht“, so OA Dr. Stumpner. „Wenn ein Schuh bereits beim Probieren drückt oder Schmerzen verursacht, sollte man ihn nicht kaufen. Denn ein Schuh passt sich im Regelfall nicht an den Fuß an.“

 

Vor allem zu schmale oder zu kurze Schuhe oder Schuhe mit zu hohen Absätzen können zu Problemen führen. „Hat der Vorfuß nicht genügend Platz im schmalen Schuh wird die Großzehe in eine Fehlstellung gedrängt“, so OA Dr. Mattausch. Ein Grund für die Entstehung eines Hallux valgus, der häufigsten Fehlstellung am Fuß. 23 Prozent der 18- bis 65-Jährigen und 36 Prozent der über 65-Jährigen sind davon betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer. „Das liegt zum einen an der Genetik, ungeeignetes Schuhwerk kann die negative Entwicklung jedoch zusätzlich begünstigen“, so OA Dr. Mattausch.

 

 

Behandlungsmöglichkeiten von Zehenfehlstellungen

„Ein gut sitzender Schuh kann die Entstehung eines Hallux valgus aber nicht verhindern“, so OA Dr. Stumpner. Ist die Fehlstellung einmal entstanden, können konservative Maßnahmen wie Einlagen, Fußgymnastik oder Physiotherapie Beschwerden lindern. „Ein fortgeschrittener Hallux valgus lässt sich dadurch aber zumeist nicht korrigieren“, betont OA Dr. Stumpner. Zudem schreitet die Verformung mit der Zeit meist fort und erfordert bei starker Fehlstellung häufig eine Operation.

 

„Man sollte dabei nicht warten, bis die Schmerzen unerträglich werden oder die Fehlstellung zu deutlich fortgeschritten ist. Frühzeitige Eingriffe ermöglichen meist schonendere Operationsmethoden und sind weniger invasiv“, erklärt OA Dr. Mattausch.

Auch hohe Absätze können gesundheitliche Folgen haben. Sie begünstigen eine Verkürzung der Achillessehne und verändern die Belastung des gesamten Fußes. Will man trotzdem hohe Schuhe tragen, kommt es immer auf das richtige Maß an. „Entscheidend sind sowohl die Höhe des Absatzes als auch die Tragedauer hochhackiger Schuhe. Gegen das gelegentliche Tragen bei festlichen Anlässen spricht in der Regel nichts – für den täglichen Gebrauch sind hohe Absätze allerdings nicht geeignet“, sagt OA Dr. Mattausch. Ist die Achillessehne bereits verkürzt, können Physiotherapie, Dehnungsübungen oder Einlagen helfen.

Bewegung und Barfußgehen stärken die Füße

Regelmäßige Übungen tun auch gesunden Füßen gut. Die Experten empfehlen einfache Bewegungsübungen wie Wadendehnungen oder „Greifübungen“ mit den Zehen – idealerweise integriert in den Alltag. „Das lässt sich problemlos beim Zähneputzen oder während des Kaffeekochens machen“, so OA Dr. Stumpner.

 

Darüber hinaus raten die Fußspezialisten gesunden Menschen dazu, häufiger barfuß auf unterschiedlichem Terrain wie Gras, Schotter oder Rindenmulch zu gehen. Das trainiere die Fußmuskulatur und fördere die natürliche Bewegung des Fußes.  Barfußschuhe beurteilen die Experten hingegen differenziert. „Für Kinder, deren Füße sich noch entwickeln, können Barfußschuhe sinnvoll sein“, erklärt OA Dr. Stumpner. „Menschen mit bestehenden Fußproblemen oder jene, die spezielle Einlagen benötigen, sollten jedoch vorsichtig sein.“

 

Grundsätzlich gilt für alle Schuhe: Auch gutes Schuhwerk hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Abnützungen zeigen sich meist zuerst an der Sohle – oft noch bevor das Obermaterial Verschleißerscheinungen aufweist. Und noch einen wichtigen Tipp geben die Experten mit: Schuhe sollten unbedingt vor dem Kauf anprobiert werden. „Gerade beim Onlinekauf besteht das Risiko, dass Schuhe nicht optimal passen.“

 

 

Foto © Ordensklinikum Linz/Wakolbinger: 
OA Dr. Thomas Stumpner (l.) und OA Dr. Dietmar Mattausch zeigen die unnatürliche Stellung des Fußes in einem Schuh mit sehr hohem Absatz .
Trägt man diese Schuhe regelmäßig, können schwere Schäden entstehen.

 

 

Rückfragehinweis für Journalist*innen:
Karin Mühlberger
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