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27.02.2019

Transparenz und Effizienz bei der Zuteilung von Organspenden

Pressegespräch anlässlich des Besuchs des Präsidenten von Eurotransplant, Bruno Meiser im Ordensklinikum Linz.

Eurotransplant ist jene Organisation mit Sitz in Leiden in Holland, die seit über 50 Jahren die Vermittlung von Organspenden in ihren Mitgliedländern organisiert und durch ihre Arbeit eine transparente, effiziente und gerechte Zuteilung der Mangelware Spenderorgane garantiert. Der Präsident, Prof. Dr. med. Bruno Meiser wird beim Pressegespräch vor allem die Logik hinter dem Algorithmus erklären, aufgrund dessen ein Organ einem ganz bestimmten Patienten auf der Warteliste zugeteilt wird.

7000 Organe für 15.000 wartende Patienten

Für Patienten bedeutet die Verfügbarkeit eines Spenderorganes im Idealfall eine bessere Lebensqualität, in manchen Fällen aber das reine Überleben. Angesichts der großen Nachfrage und der langen Wartelisten ist die Zuteilung eines verfügbaren Organes eine hochsensible Sache.

Die Organisation Eurotransplant verschreibt sich seit mehr als 50 Jahren der gerechten und effizienten Verteilung von jährlich zirka 7000 Spenderorganen innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten.

Ein Algorithmus bestimmt, welcher Patient ein verfügbares Organ zugewiesen bekommt. Die Patienten des Ordensklinikums Linz Elisabethinen, mit seinem Nieren-Transplantationszentrum, profitieren von diesem Modell.

Eurotransplant

Eurotransplant wurde 1967 als Stiftung gegründet, um als Serviceeinrichtung die Vergabe von Spenderorganen innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten zu organisieren. Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien und Slowenien bilden jene Region, aus der jedes Spenderorgan und jeder Patient, der ein solches benötigt, gemeldet wird um eine optimale Übereinstimmung zwischen Implantat und Empfänger zu gewährleisten. Die große Anzahl von wartenden Patienten macht es möglich, dass für fast jedes Organ ein passender Empfänger gefunden werden kann.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Eurotransplant-Region, in der zirka 136 Millionen Menschen leben, ermöglicht ein zentrales Organregister und eine gemeinsame Warteliste. Beides sind Voraussetzungen für einen möglichst effizienten Einsatz verfügbarer Spendenorgane.

Die Aufgabe von Eurotransplant

1. Durch Austausch innerhalb der Eurotransplant-Mitgliedsländer eine bestmögliche Verträglichkeit zwischen Spenderorganen und Empfängern herzustellen. Die bestmögliche Verträglichkeit wird vor allem durch eine große immunologische Übereinstimmung zwischen Spenderorgan und Empfänger gewährleistet (HLA Faktoren).

2. Eurotransplant arbeitet transparent nach dem EU-Gesetz und den nationalen Gesetzgebungen der Mitgliedsländer.

3. Eurotransplant beteiligt sich aktiv an der Entwicklung der Transplantationsmedizin mit Empfehlungen für bestmögliche medizinische Behandlung sowie an der Verbesserung der Organzuteilung und Transplantationsergebnisse durch wissenschaftliche Auswertung und Aufarbeitung von Daten.

„Eurotransplant feierte 2017 sein 50 Jahre-Jubiläum. In diesem Zeitraum wurden ca. 117.000 Nieren, 37.000 Lebern, 20.000 Herzen und 11.000 Lungen im Eurotransplantbereich transplantiert“, zieht Prof. Dr. med. Bruno Meiser, Leiter des Transplantationszentrums München der LMU und Präsident von Eurotransplant, positive Bilanz.

Die Zuteilung von Spenderorganen

81 Transplantationszentren sind im Netzwerk Eurotransplant zusammengefasst und übermitteln alle wichtigen Daten der Patienten, die auf eine Transplantation warten an das zentrale Register in Leiden. Wird ein Spender gefunden, werden auch dessen Werte in die Datenbank eingegeben.

Um den jetzt folgenden Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen, und das Spenderorgan an die richtige Adresse zu transportieren, ist die Zentrale von Eurotransplant 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag besetzt.

Die Zuteilung eines Organes an einen Patienten erfolgt mit Hilfe eines Computerprogrammes, wobei vier Prinzipien von Bedeutung sind:
1) Der zu erwartende Erfolg der Transplantation, der unter anderem an der Übereinstimmung von Merkmalen von Spender und Empfänger festgestellt wird.
2) Die von Experten festgelegte Dringlichkeit. Diese ist bei Nierentransplantationen meist niedrig, weil es Alternativbehandlungen bei Nierenversagen gibt.
3) Die Wartezeit
4) Das nationale Spende-Empfängerverhältnis.

Dem Transplantationszentrum, des nach diesem Algorithmus höchstgereihtem Patienten, wird das Spenderorgan zuerst angeboten, zur Sicherheit auch dem zweitgereihten Patienten, logischerweise nur unverbindlich.

Transplantationszahlen in Eurotransplant 2017

Nierentransplantationen 3.126
Nierentransplantationen Lebendspende 1.293

Herztransplantationen 548
Lungentransplantationen 641
Lebertransplantationen 1.674

Transplantation in Österreich:

lt. österr. Transplantationsbericht 2017 wurden in Österreich in diesem Jahr 428 Nieren transplantiert, 68 davon fanden im Ordensklinikum Linz statt.

In Österreich werden an 4 Zentren Organtransplantationen durchgeführt, an den medizinischen Universitäten in Graz, Innsbruck und Wien sowie am Ordensklinikum Linz Standort Elisabethinen.



Woher kommen die Organe?

Organe, die transplantiert werden, stammen von Verstorbenen oder - z. B. bei der Nierentransplantation - auch von Lebendspendern. Österreichweit beträgt die Rate an Lebendspenden 16% der Nierentransplantationen, in Linz 22%.

„Wir haben im Ordensklinikum Linz bei den Elisabethinen eine sehr hohe Rate an Lebendspenden, die unseren Patienten direkt zu Gute kommt, weil damit die üblichen langen Wartezeiten nicht gegeben sind“, erklärt Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Függer, Leiter des Nierentransplantationszentrums am Ordensklinikum Linz.

„Sowohl der Spender als auch der Empfänger einer Niere werden bei der Lebendspende von uns sehr intensiv medizinisch und psychologisch betreut - sowohl vor der Transplantation als auch danach. Dadurch können wir mögliche Risiken für den Spender weitestgehend ausschließen." Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Transplantationsmedizin

Die Organentnahme ist durch das Transplantationsgesetz geregelt. In Österreich gilt die Widerspruchslösung. Das heißt, dass bei allen Verstorbenen, die dafür geeignet sind, die Organe entnommen werden können, wenn der Verstorbene nicht zu Lebzeiten einen Widerspruch im Widerspruchsregister geäußert hat. Eine Widerspruchslösung für die Organspende besteht in Eurotransplant auch in Belgien, Ungarn, Slowenien und Kroatien.

Davon zu unterscheiden ist die Zustimmungslösung. Dabei müssen die Angehörigen nach dem Tod eines Patienten um Erlaubnis für die Organentnahme gefragt werden. Diese Regelung besteht in Holland und Deutschland.

Der internationale Vergleich zeigt, dass die Organspendezahlen in Ländern mit Widerspruchslösung deutlich größer sind.

Strategien für mehr Transplantationen

Nachdem die Organtransplantation immer durch die Zahl der zur Verfügung stehenden Spenderorgane limitiert und der Bedarf groß ist, gibt ist verschiedene Bemühungen die Spenderzahlen zu erhöhen:
1. Möglichst optimale Ausnutzung der Organspenden von Toten durch entsprechende medizinische Beauftragte in den Spitälern
2. Steigerung der Lebendspende soweit möglich (z.B. Nierentransplantation)
3. Transplantation über die Blutgruppengrenzen hinweg. Im Normalfall muss eine Verträglichkeit der Blutgruppen zwischen Spenderorgan und Empfänger bestehen. Bei Nierentransplantationen kann bei entsprechender immunologischer Vorbereitung eine Blutgruppenunverträglichkeit überwunden werden und die Transplantation mit gleich gutem Erfolg durchgeführt werden.
4. Voraussetzung für eine Organentnahme bei Verstorbenen ist die Feststellung des irreversiblen Hirntodes. Dies benötigt mehrere Stunden an Diagnostik. Bei geeigneten Voraussetzungen kann auch nach einem irreversiblen Herzstillstand eine Organentnahme erfolgen (Organspende nach Herztod – Donation after cardiac death).

Versorgungswirksamkeit der Nierentransplantation in Österreich 2016:

Als Nierenersatztherapie gibt es medizinisch die Nierentransplantation, die Hämodialyse und die Peritonealdialyse.

Die Zahlenangaben sind in Patienten pro 1 Mio. Einwohner.

In Österreich benötigten 2016 1.086 Patienten pro 1 Mio. Einwohner eine Nierenersatztherapie:
Davon hatten 574 ein funktionierendes Transplantat, 468 wurden mit einer Hämodialyse und 44 mit einer Peritonealdialyse behandelt.

Das bedeutet, dass 53% der Patienten, die eine Nierenersatztherapie brauchen, mit einem funktionierenden Transplantat versorgt sind. Etwa 600 Patienten stehen in Österreich auf der Warteliste für eine Nierentransplantation, die durchschnittliche Wartezeit beträgt ca. 3 Jahre.

Überblick über die Spenderzahlen (pro 1 Mio. Einwohner) in den Eurotransplant-Ländern:
Darstellung siehe Pressetext zum Download

Anzahl der Nierentransplantationen pro 1 Mio. Einwohner im Eurotransplantbereich:
Darstellung siehe Pressetext zum Download


Es ist deutlich zu erkennen, dass eine Widerspruchslösung höhere Spenderraten bringt. Höhere Spenderraten bedeuten auch mehr Nierentransplantationen (Vergleich z.B. Österreich gegen Deutschland).

Ihr Ansprechspartner sind:

Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Függer, Leiter Chirurgische Abteilungen Ordensklinikum Linz, Präsident Austrotransplant
Prof. Dr. med. Bruno Meiser, Leiter des Transplantationszentrums München der LMU, Präsident Eurotransplant
Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Transplantationsmedizin

Fotos:
Prof. Dr. med. Bruno Meiser, Leiter des Transplantationszentrums München der LMU (Foto: Eurotransplant), Präsident Eurotransplant, Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Transplantationsmedizin, Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Függer, Leiter Chirurgische Abteilungen Ordensklinikum Linz, Präsident Austrotransplant.
(Fotos: Ordensklinikum Linz GmbH, Stefan Zauner)

Titelbild: Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Függer, Prof. Dr. Robert Langer, Prof. Dr. med. Bruno Meiser, Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka
(Foto: Ordensklinikum Linz GmbH, Stefan Zauner)

Kontakt und Information:
Ordensklinikum Linz Elisabethinen
Ing. Mag. Günther Kolb
+43-(0)732-7676-2235
guenther.kolb@ordensklinikum.at