Robotische Pankreaskopfresektion: Hochkomplexe OP schonender durch da Vinci-Roboter
Die Bauchspeicheldrüse zählt zu den wichtigsten, aber zugleich sensibelsten Organen des menschlichen Körpers. Moderne chirurgische Verfahren eröffnen heute neue Möglichkeiten, selbst hochkomplexe Eingriffe schonender und präziser durchzuführen. Besonders in der Behandlung von Tumoren am Pankreaskopf setzt sich zunehmend die robotergestützte Chirurgie durch – ein innovativer Ansatz, der Patient*innen am Ordensklinikum Linz schnellere Genesung und geringere Belastung verspricht.
Das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) ist ein etwa 15 Zentimeter langes Organ und liegt im oberen Bauchbereich. Es produziert täglich etwa 1,5 Liter Verdauungssaft, in dem wichtige Enzyme enthalten sind. Diese spalten Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate im Darm auf. Die zweite Hauptfunktion der Bauchspeicheldrüse ist die Produktion von Hormonen wie Insulin und Glukagon, die für die Regulation des Blutzuckers verantwortlich sind. Bei Krebserkrankungen entstehen rund 60 Prozent der Tumore im Pankreaskopf, dem dicksten Teil, der vom Zwölffingerdarm umschlossen wird. Bildet sich dort ein Tumor, muss dieser Teil der Bauchspeicheldrüse oft chirurgisch entfernt werden.
Die Pankreaskopfresektion mit dem da Vinci-Roboter wird noch nicht flächendeckend angewandt, ist aber eine fortschrittliche Möglichkeit, die hochkomplexe Operation minimalinvasiv durchzuführen. Der große Vorteil dabei ist, dass kein großer Bauchschnitt mehr notwendig ist. „Es braucht nur kleine Schnitte für die Instrumentenarme und einen sogenannten Bergeschnitt, über den die abgetrennten Teile des Pankreas aus dem Körper genommen werden können. Der ist aber nur etwa zehn Zentimeter groß und nicht zu vergleichen mit einem Operationsschnitt, der quer über den oberen Bauchraum führt“, so OA Priv.-Doz. Dr. Wundsam, Standortleiter der Chirurgie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Die Wundheilung und generelle Genesung der Patient*innen verlaufen damit wesentlich schneller und komplikationsärmer als bei einer offenen Bauch-OP.
RoboLab Operation
Bei der OP mit dem da Vinci stehen den Operateur*innen vier „Arme“ zur Verfügung, die die Instrumente und eine 3D-Kamera halten. Diese werden mit den Händen und Füßen vom Konsolentisch aus gesteuert. Zusätzlich sitzt eine zweite Person, die gewisse Operationsschritte auch mitoperiert, direkt bei den Patient*innen am Tisch. „Das nennt sich RoboLab und ist die Kombination aus robotischer und laparoskopischer Operationsmethode. Das haben wir in Amsterdam in einer führenden Klinik gesehen und dann im Ordensklinikum Linz eingeführt. Da die Pankreaskopfresektion eine sehr anspruchsvolle OP ist, wird nach der Entfernung des Organteils zwischen Konsolenchirurg*in und Tableassist getauscht. Die zweite Person ist dann für die Rekonstruktion verantwortlich und näht den Dünndarm, den Rest der Bauchspeicheldrüse, den Gallengang und gegebenenfalls die Blutgefäße wieder zusammen“, erklärt der erfahrene Chirurg. Die feinen Nähte dürfen nicht undicht werden, weil ansonsten die Verdauungssäfte aus dem Pankreas in den Bauchraum gelangen könnten und dort die Wände der Blutgefäße angreifen würden. Die OP dauerte anfangs rund acht Stunden, mittlerweile können die Expert*innen des Ordensklinikum Linz den Eingriff in fünfeinhalb Stunden durchführen, sofern keine Komplikationen auftreten.
Laut OA Priv.-Doz. Dr. Wundsam sind es besonders zwei Faktoren, die die Operation am Pankreaskopf so anspruchsvoll machen: „Einerseits ist die Bauchspeicheldrüse ein sehr weiches Organ. Man kann sich das vorstellen wie ein Stück Butter, das man versucht, mit Nadel und dünnsten Fäden zu nähen. Das ist besonders in der Rekonstruktion – bei der die Bauchspeicheldrüse an den Dünndarm ‚angeschlossen‘ wird – eine besondere Herausforderung. Hinzu kommt die Lage. Der Pankreaskopf liegt in einer Schlinge des Zwölffingerdarms und ist von lebenswichtigen Blutgefäßen umgeben, die bei der Operation nicht verletzt werden dürfen.“
100 Pankreas-OPs jährlich
Grundsätzlich kann jeder Teil der Bauchspeicheldrüse per Roboter entfernt werden. Technisch gesehen ist die Pankreas-Links-Resektion die einfachste Operation. Bei dieser wird der – von den Patient*innen aus gesehen – linke Teil der Bauchspeicheldrüse, auch Pankreasschwanz genannt, entfernt. Dabei ist keine Rekonstruktion, sondern nach der Entfernung nur eine Klammernahtreihe am Organ notwendig. „Diese Operation wird auch mit dem da Vinci-Roboter gemacht und umfasst ungefähr ein Drittel unserer Eingriffe. Ein weiteres Drittel sind die Pankreaskopfresektionen und bei den übrigen Fällen wird die komplette Bauchspeicheldrüse entfernt. Diese OP ist für die Patient*innen insofern ungefährlicher, weil keine Drüse mehr da ist, um das Verdauungssekret zu produzieren, das die Blutgefäße angreifen könnte. Allerdings müssen der Gallengang und der Zwölffingerdarmrest sowie der Dünndarm vernäht werden“, so OA Wundsam. Letztere Patient*innengruppe muss das fehlende Insulin mittels Spritzen zuführen und hat manchmal schwierig einzustellende Blutzuckerschwankungen.
Mehr als hundert chirurgische Eingriffe werden jährlich am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern an der Bauchspeicheldrüse durchgeführt, mittlerweile knapp die Hälfte davon mit Roboterunterstützung.
Zur Person
OA Priv.-Doz. Dr. Helwig Wundsam war bereits 1994 das erste Mal zur Famulatur im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern und absolvierte auch seinen Turnus hier im Krankenhaus. Seit mehr als 20 Jahren ist er bereits in der chirurgischen Abteilung tätig und leitet das nach OnkoZert zertifizierte Bauchspeicheldrüsen Zentrum. Spezialisiert ist OA Wundsam auf die hepatobiliäre Chirurgie (Leber und Gallenblase) sowie Pankreas- und Ösophagus- (Speiseröhre) Chirurgie. Er lebt mit seiner Familie in Ottensheim.
Onkologisches Leitspital für Oberösterreich
Das Ordensklinikum Linz ist Onkologisches Leitspital für Oberösterreich. Mit zertifizierten Organzentren ist das Klinikum nicht nur führender Versorger, sondern auch starker Kooperationspartner im Gesundheitswesen. Im „Zentrum für Tumorerkrankungen“ werden mehr als 3.500 von insgesamt 7.000 jährlich in Oberösterreich neu auftretenden Tumorerkrankungen diagnostiziert und behandelt. Bei einigen onkologischen Erkrankungen nimmt das Ordensklinikum Linz österreichweit eine Spitzenposition ein, etwa in der Behandlung des Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebses und im medizinisch hochkomplexen Bereich der zellulären Therapien bei Leukämie, Lymphknotenkrebs oder anderer Krebserkrankungen des Knochenmarks. Das Ordensklinikum Linz bietet spitzenmedizinische Versorgung in zertifizierten onkologischen Zentren (Bauchspeicheldrüse, Brust, Darm, Gynäkologie, Haut, HNO, Prostata) und führt in der größten Abteilung für Radioonkologie des Landes jährlich mehr als 65.000 Bestrahlungen durch.
Foto © Ordensklinikum Linz:
OA Priv.-Doz. Dr. Helwig Wundsam, Standortleiter der chirurgischen Abteilung am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern und Leiter des Pankreaszentrums
Rückfragehinweis für Journalist*innen:
Lena Gattringer, BA BA
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