100 Jahre Orthopädie am Ordensklinikum Linz: Von der Pionierarbeit zur Hightech-Medizin
Die Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Seit einem Jahrhundert begleitet die Abteilung Menschen dabei, ihre Mobilität zurückzugewinnen, Schmerzen zu lindern und ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Das Jubiläum steht aber nicht nur für eine 100-jährige Erfolgsgeschichte, sondern auch für die Zukunft der Orthopädie: Digitalisierung, internationale Vernetzung, Spezialisierung und interprofessionelle Zusammenarbeit haben die Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern zu einem der führenden orthopädischen Kompetenzzentren Österreichs gemacht, das sich stetig weiterentwickelt. Dabei immer im Mittelpunkt: Die bestmögliche Versorgung der Patient*innen.
Rund 600 Knieprothesen, 600 Hüftprothesen und 100 Schulterprothesen werden jedes Jahr implantiert. Die Schwerpunkte reichen von Endoprothetik (künstlicher Ersatz von Gelenken), Schulter- und Fußchirurgie über Sportorthopädie bis hin zur Kinder- und Neuroorthopädie. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen jeden Alters, die wieder schmerzfrei gehen, Sport treiben oder ihren Alltag bewältigen können. Stand vor 100 Jahren die Behandlung von Fehlstellungen, Knochenbrüchen und schweren Erkrankungen des Bewegungsapparates im Mittelpunkt, bietet die Orthopädie heute hochmoderne, individuelle Therapien, digitalisierte Chirurgie und personalisierte Implantate. Sie ist ein medizinisches Fachgebiet für Menschen jeden Alters und begleitet Patientinnen und Patienten durch alle Lebensphasen. „Wir arbeiten täglich dafür, dass die Oö. Gesundheitsversorgung gut und stark bleibt und die Orthopädie am Ordensklinikum ist dafür ein wichtiger Mosaikstein. 100 Jahre Orthopädie am Ordensklinikum Linz stehen für medizinische Kompetenz, kontinuierliche Weiterentwicklung und ein starkes Bekenntnis zu den Patientinnen und Patienten. Die Menschen in Oberösterreich profitieren heute von modernsten Behandlungsmethoden, hoher Spezialisierung und einer Versorgung, die stets den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Gerade deshalb ist die Orthopädie am Ordensklinikum Linz seit Jahrzehnten ein wichtiger Pfeiler der Gesundheitsversorgung unseres Landes“, sagt Gesundheitsreferentin LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander.
„Orthopädie bedeutet für uns nicht nur die Behandlung von Knochen und Gelenken. Es geht darum, Menschen wieder auf die Beine zu bringen, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Genau dafür arbeitet unser Team Tag für Tag mit großer Leidenschaft“, so Dr. Stefan Beyerlein, Ärztlicher Direktor Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
„100 Jahre Orthopädie am Ordensklinikum Linz stehen für einen konsequenten Anspruch: Wir wollen unseren Patient*innen die bestmögliche Behandlung ermöglichen. Viele Menschen kommen zu uns, weil Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen ihren Alltag bestimmen. Unser Ziel ist, ihnen Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensfreude zurückzugeben. Das ist uns über Generationen gelungen, weil wir Tradition mit Innovation verbinden“, sagt Prim. Prof. DDr. Reinhold Ortmaier, Leiter der Abteilung Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
1963: Erstes künstliches Hüftgelenk am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern eingesetzt
Als im Jahr 1926 im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern eine eigene orthopädische Abteilung eingerichtet wurde, lag der Schwerpunkt auf der Behandlung angeborener Fehlbildungen. Bereits 1963 wurde am damaligen Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern erstmals in Oberösterreich ein künstliches Hüftgelenk implantiert. Damit legte die Abteilung früh den Grundstein für ihre heute führende Rolle in der Endoprothetik. Das Endoprothetikzentrum des Ordensklinikum Linz ist nach den strengen Kriterien von EndoCert zertifiziert. Neben Hüft- und Knieendoprothetik wurde mittlerweile auch die Schulterendoprothetik zertifiziert. Die Zertifizierung bestätigt die hohen Qualitätsstandards - von der Diagnose bis zur Nachsorge.
Patient*innen profitieren von Digitalisierung
Die Digitalisierung hat auch die Orthopädie grundlegend verändert. Einen wichtigen Meilenstein markierte Ende 2023 die Einführung des digitalen OP-Assistenzsystems „Velys“. Das Ordensklinikum Linz war dabei das erste Krankenhaus Österreichs und eines der ersten drei Zentren in der Europäischen Union, das diese Technologie eingesetzt hat.
Das System ermöglicht die präzise Planung und Implantation von Knieprothesen direkt während der Operation. Sensoren erfassen die individuelle Anatomie der Patient*innen, während Weichteilspannung und Gelenksituation in Echtzeit berücksichtigt werden. Die Positionierung erfolgt mit einer Genauigkeit von bis zu 0,5 Millimetern.
Im Juli 2025 erfolgte am Ordensklinikum Linz die erste Implantation einer Knie-Teilprothese mit dem neuesten Software-Update des Velys-Systems in Oberösterreich. Damit wurde ein weiterer Meilenstein erreicht, da gerade bei dieser Indikation sich in Studien gezeigt hat, dass der Einsatz einer digitalen OP-Hilfe deutliche Vorteile haben kann.
Insbesondere bei Teilprothesen bietet die digitale Assistenz erhebliche Vorteile, da die Implantation besonders hohe Präzision erfordert. Rund 500 Eingriffe wurden bislang bereits mit dem Velys-System durchgeführt. Der Anteil digital unterstützter Operationen wird laufend steigen.
Augmented Reality im Operationssaal
Bereits seit 2021 setzt die Orthopädie des Ordensklinikums Linz bei Schulterprothesen auf Augmented-Reality (AR)-Technologie.Mithilfe spezieller AR-Brillen erhalten Chirurg*innen während der Operation präzise Navigationsinformationen direkt ins Sichtfeld eingeblendet. Die Technik ermöglicht eine Genauigkeit von bis zu 0,5 Millimetern beziehungsweise 0,5 Grad und unterstützt die optimale Positionierung von Implantaten.
Das Ordensklinikum Linz ist österreichweit das einzige Hospitations- und Ausbildungszentrum für diese Technologie im Bereich der Schulterendoprothetik. Regelmäßig besuchen Ärzt*innen aus Europa und Asien die Abteilung, um die Methode kennenzulernen.
„Die Zukunft der Orthopädie ist präzise, individuell und digital. Mit Technologien wie dem Assistenzsystem Velys oder der Augmented-Reality-Navigation können wir Implantate heute mit einer Genauigkeit einsetzen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Davon profitieren vor allem unsere Patient*innen“, so Prim. Prof. DDr. Ortmaier.
Als Ausbildungs- und Hospitationszentrum empfängt die Abteilung auch in anderen orthopädischen Fachbereichen regelmäßig Ärzt*innen aus der ganzen Welt. Im Rahmen internationaler Fellowship-Programme werden neueste Methoden der Schulter- und Kniechirurgie vermittelt. Der internationale Wissensaustausch stärkt nicht nur die wissenschaftliche Entwicklung, sondern bestätigt auch die Position des Ordensklinikum als europäisches Referenzzentrum für moderne orthopädische Chirurgie.
Kinderorthopädie: Gemeinsam für die Kleinsten
Zusammen mit dem Kepler Universitätsklinikum und dem Klinikum Wels-Grieskirchen bildet das Ordensklinikum Linz das oberösterreichische Kompetenznetzwerk Kinderorthopädie. Ziel ist die Bündelung hochspezialisierter Expertise für komplexe kinderorthopädische Erkrankungen.
Das Netzwerk ermöglicht:
- gemeinsame Fallbesprechungen
- koordinierte Einführung neuer Therapien
- strukturierte Aus- und Weiterbildung
- wohnortnahe Versorgung bei höchster Expertise
Besonders im Bereich der Neuroorthopädie ist das Ordensklinikum Linz ein wichtiger Partner für zahlreiche Einrichtungen und Institutionen in Oberösterreich. „Gerade bei Kindern entscheiden die richtigen Therapien oft über die Mobilität im späteren Leben. Deshalb setzen wir auf Vernetzung, Spezialisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit“, so Prim. Prof. DDr. Ortmaier.
Pflege als Schlüssel zum Behandlungserfolg
Die Entwicklung der Orthopädie ist eng mit der Professionalisierung der Pflege verbunden. „Die orthopädische Pflege hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm weiterentwickelt. Heute arbeiten wir hochspezialisiert und in enger Abstimmung mit allen Berufsgruppen. Das kommt unmittelbar unseren Patient*innen zugute“, sagt DGKP Carmen Gnjezda, BScN, Pflege-Bereichsleiterin der Abteilung Orthopädie.
Ein hoch spezialisiertes, multiprofessionelles Team begleitet die Patient*innen von der Erstinformation bis zur Nachsorge. Moderne Konzepte wie das Fast Track-System ermöglichen eine gezielte Vorbereitung auf Operationen, eine rasche Mobilisierung sowie kürzere Krankenhausaufenthalte. Pflegekräfte übernehmen dabei weit mehr als die „klassische“ Betreuung: Sie koordinieren Behandlungsabläufe, begleiten Patient*innen durch den gesamten Therapieprozess und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Behandlungserfolg. „Unser Ziel ist, dass Patient*innen möglichst rasch wieder selbstständig werden. Frühe Mobilisation, individuelle Beratung und eine professionelle Begleitung fördern die Genesung“, so DGKP Gnjezda.
Das Fast-Track-Konzept am Ordensklinikum Linz
- Behandlungs- und Betreuungskonzept für Patient*innen vor, während und nach der Operation
- Ziel: Schnellere Genesung und raschere Rückkehr in den Alltag
- Intensive Vorbereitung bereits vor dem Spitalsaufenthalt
- Persönliche Begleitung durch speziell ausgebildete Fast-Track-Nurses
- Stationäre Aufnahme erst am Tag der Operation
- Moderne Schmerztherapie ermöglicht frühere Mobilisation
- Patient*innen werden unmittelbar nach dem Eingriff wieder aktiv
- Fokus auf Eigenständigkeit und Selbstwirksamkeit
- Kürzere Aufenthaltsdauer: Reduktion von sieben bis zehn auf fünf bis sechs Tage
- Hohe Behandlungsqualität trotz kürzerem Krankenhausaufenthalt
- Entlastung des Pflegepersonals und mehr Zeit für individuelle Betreuung
Zahlen & Fakten
Die Orthopädie am heutigen Ordensklinikum Linz, Standort Barmherzige Schwestern, zählt zu den traditionsreichsten orthopädischen Einrichtungen Oberösterreichs. Ihre Entwicklung erstreckt sich über rund 100 Jahre und ist eng mit der medizinischen Geschichte des Krankenhauses verbunden.
1926: Gründung der orthopädischen Abteilung
Bereits 1926 wurde im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern eine eigene orthopädische Abteilung eingerichtet. Zu dieser Zeit lag der Schwerpunkt auf der Behandlung angeborener Fehlbildungen. Typische Operationsverfahren waren Arthrodesen (Gelenkversteifungen), Tenotomien (Sehnendurchtrennungen) und Korrekturosteotomien (Knochenkorrekturen).
1927: Ausbau des Krankenhauses
Mit der Eröffnung eines großen dreistöckigen Erweiterungsbaus im Jahr 1927 standen insgesamt 400 Betten zur Verfügung. Dadurch konnten auch die orthopädischen Leistungen weiter ausgebaut werden. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Versorgung um die Behandlung von Hüftdysplasien erweitert. Damit entwickelte sich die Abteilung zu einem wichtigen Zentrum für die Behandlung von Erkrankungen und Fehlstellungen des Bewegungsapparates.
1963: Erste Hüftendoprothese
Unter der Leitung von Prim. Dr. Josef Ensthaler wurde die erste Hüftendoprothese implantiert. Damit begann die moderne Endoprothetik am Haus. Der künstliche Gelenksersatz entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der zentralen Schwerpunkte der Abteilung.
Bis 1986: Alleiniger Versorgungsauftrag für Oberösterreich
Bis 1986 hatte die orthopädische Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern den alleinigen Versorgungsauftrag für Orthopädie im Bundesland Oberösterreich. Dadurch nahm sie eine herausragende Rolle in der orthopädischen Versorgung des Landes ein.
Seit den 1960er-Jahren: Ausbau der Endoprothetik
Die endoprothetische Versorgung von Hüft- und Kniegelenken wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Operationsmethoden, moderne Implantate und interdisziplinäre Behandlungskonzepte führten zu einer stetigen Qualitätssteigerung. Als Reaktion auf die steigenden Anforderungen einer alternden Bevölkerung etablierte die Abteilung moderne Qualitätsstandards. Das Endoprothetikzentrum (EPZ) wurde nach den international anerkannten EndoCert-Kriterien zertifiziert. Damit gehört die Orthopädie des Ordensklinikums zu den qualitätsgesicherten Zentren für Gelenkersatz in Österreich.
2017: Entstehung des Ordensklinikum Linz
Am 1. Jänner 2017 wurden das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern und das Krankenhaus der Elisabethinen zum Ordensklinikum Linz zusammengeschlossen. Die Orthopädie blieb dabei ein wesentlicher medizinischer Schwerpunkt am Standort Barmherzige Schwestern.
Heute
Modernes, zertifiziertes Endoprothetikzentrum mit hoher Spezialisierung.
Bildtexte:
Orthopädie1: Hoch spezialisierte, multiprofessionelle Teams begleiten die Patient*innen von der Erstinformation bis zur Nachsorge. Moderne Konzepte wie das Fast Track-System ermöglichen dabei eine gezielte Vorbereitung auf Operationen, eine rasche Mobilisierung sowie kürzere Krankenhausaufenthalte.
Orthopädie2: Digitalisierung ist auch in der Orthopädie ein Zukunftsthema. Einen wichtigen Meilenstein markierte Ende 2023 die Einführung des digitalen OP-Assistenzsystems „Velys“. Das Ordensklinikum Linz war dabei das erste Krankenhaus Österreichs und eines der ersten drei Zentren in der Europäischen Union, das diese Technologie eingesetzt hat.
7488: Patientin Josefa Petruzelka, Prim. Prof. DDr. Reinhold Ortmaier, Abteilungsleiter Orthopädie Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, Patientin Lisa Eisner, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gesundheitsreferentin Mag.a Christine Haberlander, Orthopädie-Bereichsleiterin DGKP Carmen Gnjezda, BScN und Stefan Beyerlein, Ärztlicher Direktor Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.
Fotocredits:
Ordensklinikum Linz/Wakolbinger
Rückfragehinweis für Journalist*innen:
Karin Mühlberger
karin.muehlberger@ordensklinikum.at
+43 732 7676 – 2246
+43 (664) 8828 1533
www.ordensklinikum.at