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Ordensklinikum Linz

Umfassende Betreuung von Transplantationspatienten

Datum: 29.11.2021

Zwei Abteilungen der Elisabethinen und eine der Barmherzigen Schwestern haben sich auf die Voruntersuchung und Nachsorge von Leber-, Lungen- und Herz-Transplantationspatienten spezialisiert.

 

Die Voruntersuchung und Nachsorge am Standort Ordensklinikum Linz gewährleistet eine wohnortnahe Versorgung von Transplantationspatienten. Ziele der Voruntersuchung sind eine optimale medikamentöse Therapie, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und den Zeitpunkt der Transplantation möglichst weit hinauszuschieben, sowie die Auswahl der Transplantationspatienten und deren Vorbereitung auf die Operation. Die Nachsorge wiederum zielt darauf ab, Abstoßungsreaktionen des Organs durch eine optimale Einstellung der Immunsuppression zu verhindern, Infektionen zu behandeln, Komplikationen an den Anastomosen zu korrigieren und die Patienten wieder in ihr normales Leben einzugliedern.

 

Leber: dynamische Auswahl der Patienten

Die Anzahl der Lebertransplantationen in Österreich ist leicht rückläufig. Im Jahr 2020 waren es 158, ein Fünftel davon betraf oberösterreichische Patienten. Insbesondere die wirksamen Hepatitis-C- und -B-Therapien tragen einen Teil zu diesem Trend bei. „Waren vor 20 Jahren noch Virushepatitiden und alkoholische Zirrhosen die häufigsten Transplantationsgründe, so ist es heute die nichtalkoholische Fettleberhepatitis“, analysiert Prim. Univ.-Prof. Dr. Rainer Schöfl, Leiter der Interne IV – Gastroenterologie & Hepatologie, Endokrinologie und Stoffwechsel, Ernährungsmedizin, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.

Ebendort erfolgt die Auswahl der Patienten für eine Transplantation, welche sich in den letzten Jahren gewandelt hat. Früher wurde der Child-Pugh-Score zur Erhebung des Ist-Zustands der Lebererkrankung herangezogen. „Die Einteilung in Schweregrade gab lediglich eine Momentaufnahme wieder, ohne Veränderungen im Verlauf der Lebererkrankung zu berücksichtigen. Patienten mit raschen Verschlechterungen kamen deshalb zu kurz. Heute werden Patienten nach dem MELD-Score dynamisch ausgewählt. Die Leber wird üblicherweise blutgruppengleich transplantiert, somit kommt jener Patient mit dem schlechtesten MELD-Score innerhalb einer Blutgruppengruppe zuerst zum Zug“, erläutert Prim. Schöfl. Damit kann die Ausnutzung der Organe verbessert, es können zu frühe Transplantationen verhindert und kann die Mortalität gesenkt werden. Bei Patienten mit hepatozellulären Karzinomen werden das Barcelona-Schema und die Mailand-Kriterien für eine stadiengerechte Therapieentscheidung und zur Prognoseabschätzung herangezogen.

Aktuell ist eine Leber in ein bis zwei Monaten verfügbar. Für Akuttransplantationen, bspw. aufgrund einer Vergiftung oder einer perakuten Infektion, kann und muss das Organ innerhalb von 48 Stunden organisiert werden. Vor der Transplantation wird am Ordensklinikum Linz eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt, um die OP-Eignung festzustellen. Transplantiert wird an drei Zentren: in Graz, Innsbruck und Wien. „Acht bis zehn Tage danach werden die Patienten zurück ans Ordensklinikum Linz verlegt, wo sich ein mehrköpfiges Team um die Nachsorge kümmert. Vorrangig wird die Immunsuppression optimal eingestellt. Als Marker dafür dienen die Blutspiegel der Immunsuppressiva und die Ergebnisse von großzügig eingesetzten Leberpunktionen. Nach dem stationären Aufenthalt und einer speziellen Reha betreuen wir die Patienten ambulant – aktuell sind es circa 100. Innerhalb des ersten Jahres nach der Transplantation gilt es unterschiedliche Komplikationen zu meistern, die in etwa 10 % der Fälle eintreten: die akute Abstoßungsreaktion, Infektionen aufgrund der Immunsuppression und Probleme an den Anastomosen des Gallengangs und der Gefäße“, so Prim. Schöfl. Die weitere Prognose: 70–80 % der Patienten leben fünf Jahre und über 50 % mehr als zehn Jahre gut mit ihrem neuen Organ.

 

Lunge: neue Spezialambulanz

Eine Lungentransplantation wird bei Lungenerkrankungen im Endstadium wie z. B. COPD, Lungenfibrose, zystische Fibrose (Mukoviszidose), Alpha-1-Antitrypsinmangel oder pulmonale Hypertonie angewandt. Sie erfolgt zumeist beidseitig und blutgruppengleich. Die Wartezeit auf das neue Organ variiert je nach Blutgruppe und der Größe des Patienten, im Schnitt sind es sechs Monate. Die Ein- bzw. Fünfjahresüberlebensrate liegt derzeit bei etwa 85 % bzw. 70 %.

In Österreich werden jährlich mehr als 100 Lungentransplantationen an den Universitätskliniken in Wien und Innsbruck durchgeführt, der Anteil aus Oberösterreich liegt hier bei circa 10-15 %. An der Abteilung für Pneumologie des Ordensklinikum Linz Elisabethinen wird eine steigende Anzahl von Patienten umfassend versorgt. „Um eine spitzenmedizinische und wohnortnahe Betreuung zu ermöglichen, wurde im Mai 2021 die Lungentransplantationsambulanz am Standort Elisabethinen etabliert“, berichtet Abteilungsleiter Prim. Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christopher Lambers. „Hier werden jene Patienten mittels der ISHLT-Richtlinien selektiert, die potentiell für eine Lungentransplantation infrage kommen. Sie werden optimal auf den Eingriff vorbereitet, etwa durch eine präoperative Rehabilitation, und engmaschig bis zur Transplantation kontrolliert.“ Die Entscheidung, ob der Patient tatsächlich transplantiert wird, trifft das Transplantationszentrum.

Transplantationspatienten

 

Ebendort wird der Patient nach der Transplantation ein Jahr lang kontrolliert, um akute Ereignisse rasch versorgen zu können. Danach übernimmt die Ambulanz am Ordensklinikum Linz. „Wir messen die Lungenfunktion und kontrollieren deren Verlauf, erstellen Blutbilder und prüfen auf radiologische Veränderungen. Wir bieten auch alle komplexen Therapien an, die in der Nachbetreuung notwendig sind, etwa Immunadsorption und extrakorporale Photopherese. Für die Biopsie und Bronchoskopie stehen uns Geräte zur Verfügung, die auf dem letzten Stand der Technik sind und uns eine umfassende Diagnostik und Therapie erlauben“, so Prim. Lambers abschließend.

 

Herz: Routinemäßige Kontrolle der Patienten

Seit mehr als 25 Jahren werden an der Interne 2 mit Kardiologie, Angiologie und Interne Intensivmedizin des Ordensklinikum Linz Elisabethinen Patienten vor und nach einer Herztransplantation spitzenmedizinisch versorgt. In Österreich werden HTx in Wien, Innsbruck und Graz durchgeführt. „Derzeit sind Patienten bis zum biologisch 70. Lebensjahr potentielle HTx-Kandidaten. Häufigste Ursachen für eine Listung sind eine medikamentös nicht beherrschbare Herzschwäche oder nicht beherrschbare maligne Rhythmusstörungen. Ob sich jemand letztendlich für eine HTx eignet, wird im Vorfeld durch eine umfassende stationäre Untersuchung abgeklärt, bei der unter anderem eventuell bestehende Zusatzerkrankungen wie Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Gefäßerkrankungen und auch der psychische Zustand der Patienten evaluiert werden“, schildert OA Dr. Christian Ebner, Leiter der Kardiomyopathie- und Herzinsuffizienzambulanz am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.

Die Entscheidung, ob der Patient tatsächlich transplantiert wird, trifft das Transplantationszentrum. Dann erfolgt eine Listung, wobei die Reihung nach klinischer Dringlichkeit erfolgt. Wie lange jemand auf der Warteliste zubringt, hängt aber auch von der Blutgruppe bzw. von der Größe und dem Gewicht ab. Ist der Patient intensivpflichtig, so kann um eine „High urgent“-Transplantation angesucht werden.

Im ersten Jahr nach der HTx erfolgen die Kontrollen meist noch im Transplantationszentrum. „Danach kann der Patient in unsere Transplantationskontrolle übernommen werden. Routinemäßige ambulante Kontrollen mit Labor, EKG und klinische Beurteilung erfolgen alle zwei bis drei Monate. Einmal im Jahr erfolgt eine stationäre Aufnahme und komplettierende Befunderhebung. Dazu gehören auch regelmäßige Herzkatheter-Untersuchungen und, falls der Verdacht auf eine Abstoßung des Transplantats besteht, eine Herzmuskelbiopsie“, so OA Ebner, der abschließend berichtet: „Über 20 Jahre mit einem transplantierten Herzen zu leben ist heute keine Ausnahme mehr, der Durchschnitt liegt aber bei 16 Jahren. Unser am längsten transplantierter Patient, den wir kontrollieren, hat sein neues Herz bereits vor 30 Jahren bekommen.“

 

Kontakte:

Abteilung für Pneumologie:
www.ordensklinikum.at/pneumologie
Abteilung für Gastroenterologie:
www.ordensklinikum.at/gastroenterologie
Abteilung für Kardiologie:
www.ordensklinikum.at/kardiologie-elisabethinen