Am Ordensklinikum Linz wurde am Gynäkologischen Tumorzentrum das erste Endometriumkarzinom-Zentrum in Österreich als „ESGO Accredited Endometrial Cancer Centre“ zertifiziert. Treten Blutungen in der Menopause auf, sollten diese abgeklärt werden, da es sich um eine Frühstufe des Endometriumkarzinoms handeln könnte.
Das Endometriumkarzinom ist das häufigste gynäkologische Karzinom. In Österreich kommt es jährlich zu ca. 950 Neuerkrankungen, wobei etwa 80 Prozent der betroffenen Frauen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose postmenopausal sind. Das Endometriumkarzinom macht sich in rund 90 Prozent aller Fälle bereits im Frühstadium durch postmenopausale Blutungen bemerkbar.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Lukas Hefler, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Ordensklinikum Linz und Konventhospital Barmherzige Brüder sowie Mitinitiator der „Petrol Ribbon Aktion – Initiative gegen Unterleibskrebs“, erläutert: „Nach dem erblich bedingten Brust- und Eierstockkrebs und der HPV-Impfung möchten wir die Früherkennung des Endometriumkarzinoms in den Fokus unserer Arbeit stellen. Frauen sollten wissen, dass sich rund 90 Prozent aller Fälle von Endometriumkarzinomen in einem frühen Stadium durch postmenopausale Blutungen bemerkbar machen. Daher ist es wichtig, diese abklären zu lassen.“
Risikofaktoren des Endometriumkarzinoms
Der wichtigste modifizierbare Risikofaktor ist Adipositas. Bei einem BMI über 30 besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, ebenso bei Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom und Hypertonie. Weitere Risikofaktoren sind frühe Menarche, Nulliparität, späte Menopause, Anovulation bzw. chronische Zyklusstörungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Weiters erhöht eine Hormonersatztherapie ohne Gestagen-Zusatz bei vorhandenem Uterus nach der Menopause das Risiko deutlich. Gleiches gilt für die längere Einnahme von Tamoxifen, ein Arzneistoff, der bei hormonrezeptorpositiven Mammakarzinomen eingesetzt wird. Darüber hinaus spielt die genetische Prädisposition eine Rolle, ein deutlich erhöhtes Risiko besteht beim Lynch-Syndrom bzw. bei familiärer Belastung mit Endometrium- oder Kolonkarzinom.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken. Bei 80 Prozent der Frauen erfolgt die Diagnose nach der Menopause, wobei das Durchschnittsalter der Frauen bei Diagnosestellung bei 60 Jahren liegt.
Normalgewicht, regelmäßige körperliche Aktivität, kombinierte hormonelle Kontrazeptiva, Schwangerschaften und Stillen senken durch die Reduktion der Östrogenexposition beziehungsweise durch die Förderung der Progesteronwirkung das Risiko.
Abklärung einer postmenopausalen Blutung
Postmenopausale Blutungen treten häufig auf. Statistisch gesehen ist jede zehnte Frau mindestens einmal davon betroffen. Meist handelt es sich dabei um Abbruchblutungen durch Hormonmangel, Polypen in der Gebärmutter oder andere gutartige Veränderungen. Mehr Aufmerksamkeit brauchen insbesondere wiederholt auftretende, länger andauernde sowie starke Blutungen. Unter einer Hormonersatztherapie können im ersten Jahr Schmierblutungen auftreten; danach sollten Blutungen abgeklärt werden. „Bis zum Beweis des Gegenteils sollte bei einer postmenopausalen Blutung immer an ein Endometriumkarzinom gedacht werden“, betont Prim. Hefler, „auch wenn es deutlich wahrscheinlicher ist, dass kein bösartiger Befund erstellt wird.“ Weitere mögliche Beschwerden, die auf ein Karzinom hinweisen können, sind eine Uterusvergrößerung, Schmerzen im Becken oder Bauchraum sowie eine Anämie.“
Die diagnostische Abklärung postmenopausaler Blutungen erfolgt stufenweise und wird individuell an Befund und Risikoprofil angepasst. Zuerst sollte eine transvaginale Ultraschalluntersuchung stattfinden, bei der insbesondere die Dicke des Endometriums beurteilt wird. Beträgt diese vier Millimeter oder weniger, ist ein Karzinom unwahrscheinlich.

Da bei manchen Patientinnen mit postmenopausalen Blutungen die alleinige Ultraschalluntersuchung mit einem erhöhten Risiko verbunden ist – aktuelle Studien deuten darauf hin, dass fünf bis zwölf Prozent der Karzinome nicht bei der Erstvorstellung diagnostiziert werden –, empfiehlt die Amerikanische Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ACOG) in ihren 2026 aktualisierten Leitlinien zusätzlich eine histologische Abklärung mittels Endometriumbiopsie.*
Als weitere Schritte können eine diagnostische Hysteroskopie mit Endometriumbiopsie in Lokalanästhesie oder eine Hysteroskopie und Kürettage in Kurznarkose durchgeführt werden. Selten wird die Erkrankung durch einen auffälligen PAP-Abstrich entdeckt oder zufällig festgestellt, wenn die Gebärmutter aus einem anderen Grund entfernt wird.
Prim. Hefler erläutert: „Frauen, die eine Blutung nach dem Wechsel bemerken, möchten wir eine rasche Fast-Track-Abklärung ermöglichen, um rasch Gewissheit zu schaffen, dass keine Erkrankung vorliegt oder dass rasch eine gezielte Therapie eingeleitet werden kann. „Die*der Frauenärztin/Ihr Frauenarzt ist die erste Anlaufstelle. Im Anschluss kann sich die Frau dann unter www.gyn-geb-linz.at online in der Ambulanz anmelden. Dann bekommt sie einen Fast-Track-Termin. Mit unserer zertifizierten Dysplasieambulanz und unseren Operationsmöglichkeiten in Lokalanästhesie haben wir perfekte Möglichkeiten in der Abklärung.“
Therapie des Endometriumkarzinoms
Die Basis der Therapie des Endometriumkarzinoms ist fast immer eine Operation, die häufig mit medikamentösen Therapien wie einer Chemotherapie oder Strahlentherapie ergänzt wird. Prim. Hefler betont: „An unserem nach internationalen Kriterien zertifizierten Gynäkologischen Tumorzentrum bieten wir eine interdisziplinäre Versorgung auf höchstem Niveau an. Wir erfüllen die strengen europäischen Qualitätskriterien der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO) hinsichtlich höchsten chirurgischen Standards, moderner Techniken, Mindestfallzahlen, interdisziplinäre Tumorboards, internationale Vernetzung u. v. m. und wurden daher als erstes Endometriumkarzinom-Zentrum in Österreich als ,ESGO Accredited Endometrial Cancer Centre‘ zertifiziert.“
Bei frühzeitiger Diagnose sind die Heilungschancen sehr gut. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt 90 Prozent, wenn das Karzinom auf den Uterus begrenzt ist, 72 Prozent, wenn auch die pelvinen Lymphknoten betroffen sind und 22 Prozent, wenn bereits Fernmetastasen vorliegen.