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Ordensklinikum Linz

Nach der Corona-Isolation: Tipps zur Rückkehr an den Arbeitsplatz

Datum: 21.04.2020

Mag. Brigitte Schanda ist Betriebs- und Organisationspsychologin im Ordensklinikum Linz und beantwortet Fragen, die viele Kolleginnen und Kollegen belasten, aus der Sicht einer Betriebspsychologin. Sie hat einige praktische Tipps für diejenigen unter uns, die - nach einer längeren Covid-19 bedingten Phase zu Hause – an ihren Arbeitsplatz im Kranken- oder Pflegehaus zurückkehren.

Die Rückkehr von Homeoffice hat zwei innere emotionale Bewegungen in sich. Erstens VON ETWAS WEG und zweitens ZU ETWAS HIN, also WEG VOM HOMEOFFICE  hin zum Arbeitsplatz im Krankenhaus. Das eine kann weh tun, das andere auch - oder beides kann sich angenehm anfühlen.

Warum könnte die Weg-von-Bewegung weh tun? Weil man nicht mehr so leger und vielleicht auch frei die eigene Zeit einteilen kann. Weil man zu Hause das angenehme Gefühl hatte, Job und Kinder vereinbaren zu können. Weil man als Familie in irgendeiner Form zusammengewachsen ist.

Die Weg-von-Bewegung Richtung Krankenhaus könnte sich auch richtig gut anfühlen, weil: Das Aufbauen einer Struktur zu Hause, z.B. neben Kindern, als mühsam erlebt wurde und es zu kränkenden Konflikten gekommen ist oder weil man erst in einer Arbeitsumgebung außerhalb des eigenen Haushaltes zu guter Leistung kommt. Oder man im Krankenhaus endlich wieder eine geregelte Struktur erwarten kann.
 

Verursacht diese Unsicherheit Stress, und was kann man dagegen tun?

Was Stress machen könnte ist: die Organisation der Kinder oder ein konfliktbeladenes Arbeitsumfeld im Krankenhaus oder ein Arbeitsumfeld, das dem eigenen Selbstwert nicht gut getan hat und von dem man erwartet, dass das auch in Zukunft so sein wird. Es braucht daher eine Vorbereitungs- und eine Art Planungsmaßnahme zur Selbstfürsorge: In der Vorbereitung könnte man per Telefon abklopfen, wie tragfähig aktuell die Arbeitsbeziehungen sind. Es wäre eine Falle, in einer Fantasie zu verharren, dass die Arbeitskollegen froh sein könnten, wenn man noch länger nicht in die Arbeit komme.

Wenn der „Faktencheck“ ergibt, dass die Luft halbwegs sauber und konfliktfrei ist, dann braucht es die Entscheidung: sich bewusst vom Homeoffice emotional abstoßen, das Negative am ewigen Homeoffice vor Augen behalten und den inneren Widerstand gegen den Schritt in Richtung Krankenhaus-Arbeitsplatz bewusst runterschrauben. Falls das bisherige Umfeld den eigenen Selbstwert geschwächt hat, wäre es gut, in ein oder zwei Stunden mit einer Fachkraft, z.B. Psychologin. diesen wieder herzustellen.

 

Können bei Mitarbeitende, die wochenlang wegen der Corona-Isolation zu Hause waren, ungewöhnliche Ängste auftreten? Und was kann man dagegen tun?

Ja, die Bandbreite an ungewöhnlichen Ängsten kann groß sein. Bleiben wir mal bei der Angst, infiziert zu werden. Bei manchen Personen ist es nötig, die Ängste bewusst anzuschauen, zu schauen, was denn genau im schlimmsten Fall passieren kann und sie nicht zu viel zu verdrängen – durchaus mit Hilfe anderer. Bei gar nicht so wenigen anderen Menschen scheint es mir aber wichtig, eine gewisse Strenge mit sich selbst aufzubauen. Ziel dieser Strenge soll sein, dass nicht diffuse Ängste die nächsten Wochen oder Monate das eigene Leben madig machen, sondern dass man immer noch entscheidet, die Ängste auf kleiner Flamme zu halten.

Der Skipper eines Segelschiffes (= eigene Selbststeuerung) lässt sich auch nicht von seiner Mannschaft (=Gefühle/Ängste/negative Gedanken) die Steuerung seines Schiffes madig machen. Ängste bewusst auf einer sachlich sinnvollen Flamme halten ist eine Entscheidung, die immer wieder getroffen werden soll und die im Inneren geschieht.

 

Bildquelle: Pixabay

Wo ist die Grenze zwischen einer berechtigten Sorge - zum Beispiel, weil man keine Kinderbetreuung hat, aber wieder arbeiten gehen muss - und übersteigerten Ängsten, derentwegen man psychologische Hilfe einholen sollte?

Psychologische Hilfe sollte man dann annehmen, wenn die Gedanken nicht mehr aufhören, sich um Worst-Case-Szenarien zu drehen, wenn man nicht schlafen kann, wenn man sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren kann, weil die emotionale Belastung alles in der Hand hat. Bei anderen Ängsten sollte man genauer schauen, wo die Belastung genau liegt: Ist es eine organisationale, also etwa „Wohin mit den Kindern, wenn ich arbeite?“, „Wie versorge ich die alten Eltern im ersten Stock, wenn ich wieder Vollzeit arbeite?“ Oder emotionale Ängste, zum Beispiel „Wie komme ich wieder ins Team rein?“ bzw. intellektuelle Ängste, also „Werde ich den Bedingungen wieder gerecht?“ Diese Fragen brauchen ganz unterschiedliche Antworten.

Bleiben Sie nicht zu viel in Fragen hängen, sondern entscheiden Sie sich für Antworten, die sich für Sie stimmig anfühlen. Sich Antworten zu geben, ob diese Covid-Krise für sich, die Familie, den Arbeitsplatz belebende Gedanken und Gefühle hervorbringt. Nehmen Sie ruhig auch Hilfe an.


Quelle: Vinzenz Gruppe