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Ordensklinikum Linz

Moderates Ausdauertraining hilft in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bewegungsmangel ist ein erheblicher Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen. Dieser Risikofaktor kann allerdings durch regelmäßige körperliche Betätigung deutlich reduziert werden. Warum das so ist, erklärt Frau Dr. Sigmund Elisabeth, Fachärztin im Ordensklinikum Linz Elisabethinen.

 

Warum ist regelmäßige sportliche Betätigung so wichtig für das Herz-Kreislauf-System?

Dr. Sigmund Elisabeth: Die vorbeugende Wirkung regelmäßiger Bewegung zur Vermeidung von Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck ist wissenschaftlich eindeutig belegt. Regelmäßiges sportliches Training, im speziellen moderate Ausdauerbelastung, kann das kardiovaskuläre Gesamtrisiko um die Hälfte reduzieren. Regelmäßiger Sport senkt bei verkalkten Herzkranzgefäßen, bei Bluthochdruck und bei einer chronischen Herzschwäche das Risiko für einen plötzlichen Herztod. Darüber hinaus wird auch das Risiko maligner oder psychischer Erkrankungen vermindert.

Auf das Herz-Kreislaufsystem bezogen, bewirkt ein regelmäßiges Ausdauertraining vor allem eine Ökonomisierung der Herzfunktion. Dies bedeutet, dass die Herzfrequenz, die Herzarbeit und der Sauerstoffverbrauch in Ruhe und bei Belastung abnehmen und das Herz im Schongang arbeitet. Durch diese funktionellen Anpassungen des Herzens durch Ausdauertraining werden Schutzmechanismen gegenüber Stresseinflüssen des Alltags und bezüglich Herz-Kreislauferkrankungen aktiviert. Der Blutdruck kann dadurch nachweislich für bis zu 20 Stunden gesenkt werden, sodass bei geeigneten Patienten sogar das eine oder andere Blutdruckmedikament eingespart werden könnte. Des weiteren verhindert Ausdauertraining die Entstehung oder die Weiterentwicklung von Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes mellitus. Die Art des Ausdauertrainings soll individuell an den Menschen und seine Vorlieben angepasst werden.


Wie viel Training ist nötig, um all diese Wirkungen zu erzielen?

Dr. Sigmund Elisabeth: Für gesunde Erwachsene werden moderate Aktivitäten von mindestens 30 Minuten pro Tag, fünfmal die Woche, empfohlen. Dies entspricht in etwa einer wöchentlichen Gesamttrainingszeit von 150 Minuten (aktuelle Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ESC).

Unter „moderater“ Bewegung nennt die ESC-Empfehlung etwa rasches Gehen (4,8 bis 6,5 km/h), langsames Radfahren, Rasenmähen, Golf, Tennis, Tanzen oder Wasser-Aerobic. Unter „intensive“ Bewegung fallen etwa Joggen, schnelles Radfahren (über 15 km/h), Tennis, Schwimmen oder intensive Gartenarbeit.


Welche Blutdruckwerte sollte man haben, um gesund zu bleiben?

Dr. Sigmund Elisabeth: Der optimale Blutdruck liegt bei <120/80mmHg, als normal gilt 120-129/80-84mmHg. Im Alter können diese Werte jedoch etwas ansteigen, dies ist der Abnahme der Elastizität unserer Gefäße geschuldet. Von einem Blutdruck Normalwert im Senioren-Alter spricht man bis etwa 140/80-85mmHg. Diese erhöhten Werte sind mit dem sog. Windkesseleffekt zu erklären, gemeint ist hierbei der Verlust elastischer Fasern und vermehrte arteriosklerotische Ablagerungen im Alter.

Aber auch bei Senioren sollte der Blutdruck keinesfalls zu hoch sein! Wichtig ist, darauf zu achten, dass der systolische Blutdruck nicht über 140-149mmHg liegt, sofern keine weiteren Risikofaktoren vorliegen.

 

Was tun, wenn der Blutdruck z. B. 130/100 ist – also der zweite Blutdruck-Wert höher ist und der erste normal?

Dr. Sigmund Elisabeth: Der diastolische Blutdruck steigt ebenso wie der systolische bis zum 60. Lebensjahr kontinuierlich an. Der systolische Wert steigt weiter mit zunehmendem Alter, der diastolische sinkt wieder ab. Daraus folgt, dass die Blutdruckamplitude größer wird. Das bedeutet, die Differenz aus systolischem und diastolischem Wert wird größer. Aus diesem Grund ist eine diastolische Hypertonie in höherem Alter sehr selten, kommt aber vor allem in der 4. und 5. Lebensdekade vor.

Oft beginnt in diesem Alter die primäre Hypertonie, deren Entstehung bis heute noch nicht vollständig geklärt werden konnte. Diese beginnt zumeist mit einem diastolischen Hochdruck, im weiteren Verlauf entwickelt sich jedoch zusätzlich ein systolischer Bluthochdruck, sodass beide Werte erhöht und behandlungswürdig sind. Dabei liegt die Ursache meist in einer Erhöhung des peripheren Widerstands. Leidet nun jemand an einem zu hohen diastolischen Blutdruck, kann man dies auf eine Gefäßverengung rückschließen. Bei schwerem diastolischem Bluthochdruck muss eine sekundäre Hypertonieform bedacht werden. Die Ursache liegt in diesem Fall primär in einem anderen Organ, aus dessen Schädigung der Bluthochdruck hervorgeht. Die Grunderkrankung kann eine endokrine Störung sein, also den Hormonhaushalt betreffen, z.B. Schilddrüsenüberfunktion oder hormonproduzierende Tumore (z. B. Phäochromozytom). Weiterhin können können bestimmte Gefäßerkrankungen, z.B. Nierenarterienstenosen eine Rolle spielen.

Dr. Elisabeth Sigmund mit Patienten am Ergometer

Und wie sollte man reagieren, wenn beide Werte stark auseinanderklaffen?

Dr. Sigmund Elisabeth: Ursachen für eine vergrößerte Blutdruckamplitude können z.B. auch eine Aortenklappeninsuffizienz oder eine periphere Gefäßerweiterung sein. Bei einem Blutdruck von z.B. 150/60mmHg ist eine kardiologische Durchuntersuchung, insbesondere eine transthorakale Echokardiographie (Herzultraschall) durchzuführen, um ggf. eine Herzklappenerkrankung auszuschliessen.

 

Viele 60-, 70-jährige haben in ihrem Leben kaum Sport gemacht. Ist es dann schon zu spät?

Dr. Sigmund Elisabeth: Egal in welchem Alter man mit Sport beginnt, für körperliche Betätigung ist es nie zu spät. Bei familiärer Vorbelastung, bestehenden Risikofaktoren und einem Alter ab 35 ist jedoch vor Trainingsbeginn eine sportmedizinische Durchuntersuchung empfohlen. Hierbei werden die persönlichen Belastungsgrenzen ausgetestet und der Bewegungsapparat beurteilt, dann kann eine geeignete Sportart für nahezu jeden Patienten gefunden werden. Gerade für Beginner ist es wichtig den eigenen Körper nicht zu überfordern, sportliche Spitzenleistungen sind bis ins hohe Alter möglich!


Kann man auch mit dem Laufen oder Joggen beginnen?

Dr. Sigmund Elisabeth: Sollten die körperlichen Voraussetzungen erfüllt sein: Ja. Leider neigen gerade Einsteiger dazu den eigenen Körper zu überfordern, Überlastungssyndrome können die Folge sein. Gerade zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems sollte man sich auf moderates Ausdauertraining beschränken, in Abwechslung mit Kräftigung zur Stärkung des Stütz- und Bewegungsapparates. Gerade Laufen ist in diesen Punkten sehr anspruchsvoll und eher einem
besser trainierten Patienten anzuraten.

 

Was würden Sie sonst noch empfehlen?

Dr. Sigmund Elisabeth: Auch Menschen mit ausgefülltem Berufsleben sollten Bewegung als Stressbremse nutzen und diese regelmäßig in den Alltag integrieren. Jeder Schritt zählt und kann zu einer Besserung der Fitness und auch des Wohlbefindens beitragen, ohne das ohnehin schon meist knappe Zeitbudget zusätzlich zu belasten (z.B. die Treppe statt des Fahrstuhls nehmen, mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren, kurze Wege zu Fuß erledigen).

Zwar ist ein individuell vom Arzt erstellter Trainingsplan gemäß den Empfehlungen der Fachgesellschaften ideal, doch kann man auch ohne diesen zu einer gesunden Dosis Bewegung kommen. Ich empfehle dabei gerade Anfängern die Intensität mittels Herzfrequenzmessung zu steuern. Gerade in der Prävention ist der Stellenwert von Bewegung wissenschaftlich mehrfach bewiesen: Sport kann helfen gesund zu bleiben, Training ist die Medizin des 21. Jahrhunderts!

 

Nähere Informationen:
Kardiologie Elisabethinen
health – Medizinisches Training