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Ordensklinikum Linz

"Mein Leben ist das Sterben. Das Sterben der anderen."

"Mein Leben ist das Sterben. Das Sterben der anderen. Es ist mein Beruf, Menschen auf dem letzten Stück ihres Weges zu begleiten und ihnen das Gehen zu erleichtern." Mit diesen Worten stellt sich Andrea Dorfwirth vor. Die 50-Jährige arbeitet seit acht Jahren auf der Palliativstation des Ordensklinikums Linz Elisabethinen. Jahre, in denen sie so viel gesehen hat, dass sie irgendwann damit begonnen hat, sich das Erlebte von der Seele zu schreiben: schonungslose Wahrheiten in knappen Sätzen verpackt. Aus diesen Notizen ist jetzt das berührende Buch "Der Anfang vom Ende" geworden.

In den vielen, kleinen Geschichten schreibt sie offen von Schmerzen, von Angst, Aggression, Liebe und Leid. Von todkranken Menschen, die nicht gehen wollten, und von anderen, die unbedingt sterben wollten – und viele, viele Wochen dafür gebraucht haben. Schnell wird klar, dass Sterbende und Verwandte ihre Endlichkeit nur selten fassen können. "Der Tod ist kein Freund der Lebenden. Obwohl er uns alle erwartet, will keiner etwas mit ihm zu tun haben. Nicht mit dem eigenen, nicht mit dem anderen. Der Tod ist ein Tabu in unserer Gesellschaft. Ich finde, das haben wir alle nicht verdient." Auch in ihrem eigenen Umfeld wurde die zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in Mauthausen lebt, schon oft mit dem Thema konfrontiert. "Mein erstes Kind hat einen anderen Seelenweg gewählt. Es wäre angeblich ein Mädchen gewesen. Ich habe ihm den Namen Verena gegeben."

Keine unnötigen Worte

Was ihr beim Begleiten von Sterbenden wichtig ist? "Es geht um das Dasein, das Mitaushalten, Trösten und darum, Spannungen abzubauen und Begegnungen zu schaffen, die das Sterben lebenswert machen", sagt Dorfwirth. Die Mühlviertlerin hat lange überlegt, ob sie ihre Texte veröffentlichen soll. Daher hat sie die kurzen Erzählungen vorab an den Schriftsteller Thomas Baum und den Autor August Höglinger geschickt und die beiden um ihre Meinung gebeten.

"Sterbende wollen keine unnötigen Worte, denn sie wissen, dass die verbleibende Lebenszeit viel zu kurz ist." Die Autorin weiß das und lässt uns hautnah teilhaben. "Ich empfehle, das Buch nicht auf einmal zu lesen", kommentiert Höglinger, selbst Autor des Trauer-Ratgebers "Loslassen ohne zu vergessen". Schriftsteller Thomas Baum meint: "Sie beschreibt, was ist und was erlebt wird, wenn das Sterben und der Tod in einer derart verdichteten Form allgegenwärtig sind." Was Andrea Dorfwirth in ihrem Leben am meisten schätzt? "Gesundheit ist das höchste Gut", sagt sie – und weiß besser als viele andere, wovon sie spricht.

Palliativschwester Andrea Dorfwirth
Palliativschwester Andrea Dorfwirth hat ein Buch über sterbende Menschen geschrieben.

Das Buch

Andrea Dorfwirth beschreibt in „Der Anfang vom Ende“ die vielen Facetten des Sterbens und wie der Tod in den verschiedenen Kulturen erlebt wird. Das Buch ist um 18,90 Euro erhältlich unter www.deranfangvomende.com.

Quelle: "Oberösterreichische Nachrichten" vom 06.03.2019, Barbara Rohrhofer