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Ordensklinikum Linz

Manometrie

Datum: 09.08.2020

Was ist eine Manometrie?

Manometrie ist die Aufzeichnung und graphische Darstellung von Druckmesswerten im Magen-Darmtrakt. Dafür werden dünne, biegsame Kunststoffkatheter verwendet, welche piezoelektrische Halbleiter als Druckwandler verwenden. Der zu messende Druck wirkt an den Sensorstellen direkt auf eine Membran ein, welche sich dadurch verformt und zu einer Widerstandsänderung führt, die gemessen wird. Bei der Ösophagusmanometrie können damit die Funktion des Schließmuskels, welcher zwischen Speiseröhre und Magen liegt, sowie die Funktion der gesamten Speiseröhre beim Schluckakt beurteilt werden. In der Analmanometrie kann die Funktion des Schließmuskelapparates untersucht werden. Die Auswertung der erhobenen Befunde erfolgt dann am Computerbildschirm, wobei die erhobenen Messwerte mit aus verschiedenen Studien bekannten Durchschnitts - und Normwerten verglichen werden.

 

Arten von Manometrie:

  • Ösophagusmanometrie
  • Analmanometrie

 

Ösophagusmanometrie

Indikation

  1. Unklare Schluckstörung nach erfolgter Endoskopie und Videokinematographie.

  2. Vor Antirefluxeingriffen zum Ausschluss einer primären Motilitätsstörung.

  3. Unklarer retrosternaler Schmerz (non cardiac chest pain) nach Endoskopie.

  4. Erkennen von Komplikationen und Manifestationen von Systemerkrankungen.

Vorbereitung

2 Stunden vor der Untersuchung nüchtern, keine endoskopische Untersuchung am selben Tag vor der Manometrie.

Durchführung

Aufklärung und Anamnesegespräch; lokale Applikation von anästhesierendem Gleitgel in eine der beiden Nasenhälften. Im Sitzen Einführen der dünnen Sonde durch die Nase. Unter Schlucken seitens des Patienten vorschieben der Sonde bis in den Magen. Patient nimmt dann liegende Position ein; unter stufenweisem Zurückziehen der Sonde Aufzeichnung von Druckwerten vom unteren Schließmuskel, von der Speiseröhre sowie vom oberen Schließmuskel, dabei immer wieder Trockenschlucken bzw. Schlucken kleinerer Flüssigkeitsmengen. Dauer der Untersuchung etwa 20 Minuten.

Komplikationen

Prinzipiell möglich (z.B. Perforation), praktisch sehr selten: Blutung beim Einführen der Sonde in die Nase, Reizerscheinungen an Rachen und Kehlkopf durch die Manipulation.

Analmanometrie

Indikation

  1. Anale Inkontinenz.
  2. Verdacht auf Hirschsprung-Erkrankung.
  3. Chronische Obstipation nach radiologischer Abklärung.

Vorbereitung

Keine notwendig; Vermeidung von endoskopischen Eingriffen vor der Manometrie, um die Druckwerte nicht zu verfälschen.

Durchführung

Anamnesegespräch über die Beschwerden. Untersuchung in Seitenlage. Lokale Applikation eines Gleitmittels. Einführen des Katheters in den Analkanal bis in das Rektum, das sind etwa 10 – 15 Zentimeter. Aufzeichnen der verschiedenen Druckwerte in Ruhe, beim Kneifen sowie beim Pressen. Abschließend Luftfüllung eines kleinen Ballons an der Katheterspitze zur Messung der sensiblen Schwelle des Rektums und der Relaxation des inneren Schließmuskels. Aufzeichnung der Werte am Computer und Bewertung sowie Vergleich mit Normwerttabellen. Dauer der Untersuchung etwa 20 Minuten.

Komplikationen

Extrem selten; möglich sind Blutung und Einriss durch die Dehnung.

Manometrie