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Ordensklinikum Linz

Krebsmythen im Faktencheck

Datum: 13.07.2026

Schon um 1.600 v. Chr. wurde erstmals die Behandlung von Krebs dokumentiert – ein Hinweis, dass sich Mediziner*innen früh mit der Krankheit beschäftigten. Über Jahrtausende entstanden viele Theorien und Mythen, von denen einige bis heute bestehen. Prim. Priv.-Doz. Dr. Holger Rumpold, Leiter der Hämatologie und Onkologie am Ordensklinikum Linz, klärt über verbreitete Irrtümer auf.

Krebsmythen haben ihren Ursprung in der langen Geschichte der Erkrankung, die früher oft tödlich verlief. Heute gibt es große Fortschritte in Therapie und Früherkennung, auch wenn das Thema komplex bleibt. Viele setzen sich erst damit auseinander, wenn sie persönlich betroffen sind. „Ob es heute tatsächlich häufiger auftritt, ist schwer zu beurteilen – womöglich wird es einfach sichtbarer, weil mehr darüber gesprochen wird. Vorstellungen und Überzeugungen darüber, wie bestimmte Dinge entstehen und warum sie einen selbst betreffen, gab es schon immer. Vielleicht ist es heute eher so, dass Menschen offener damit umgehen und ihre Ansichten und Überzeugungen häufiger äußern“, analysiert Prim. Rumpold.
 

„Krebs ist immer tödlich“
Zwar gibt es Krebsarten mit einer ungünstigen Prognose, etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs, an denen viele Betroffene versterben. Es gibt jedoch auch zahlreiche Krebserkrankungen, die heute gut behandelbar oder sogar heilbar sind – zum Beispiel bestimmte Formen von Lymphomen, andere Lymphdrüsenkrebserkrankungen oder auch Brustkrebs. Entscheidend sind dabei unter anderem das Stadium bei Diagnosestellung und wie gut die Therapie anschlägt. Daneben existieren Krebsarten, die oft sehr langsam verlaufen und über lange Zeit keine Behandlung erfordern, etwa die chronisch lymphatische Leukämie oder manche Formen des Prostatakarzinoms. In solchen Fällen sterben Betroffene häufig mit der Erkrankung und nicht unmittelbar an ihr. Grundsätzlich haben sich die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten in den letzten Jahren stark verbessert, sodass die Sterblichkeit bei vielen Krebsarten kontinuierlich sinkt.
 

„Zucker füttert Krebs“
Zucker liefert Energie für Körper und Gehirn, und auch Krebszellen benötigen ihn. Dennoch lässt sich Krebs nicht wirksam durch zuckerarme oder stark kohlenhydratreduzierte Diäten behandeln. Solche Diäten können sogar schaden, da zusätzlicher Gewichtsverlust während einer Therapie den Krankheitsverlauf verschlechtern kann.

Interessant ist jedoch, dass in bestimmten Situationen moderat kalorienreduzierte Ernährungskonzepte die Verträglichkeit von Behandlungen verbessern können. „Das bedeutet jedoch nicht, dass eine längerfristige oder starke Kalorienreduktion sinnvoll ist. Denn bei kranken Menschen geht Gewichtsverlust häufig mit einem überproportionalen Abbau von Muskelmasse einher. Muskelmasse ist jedoch entscheidend für die Regulation von Entzündungsprozessen und den Stoffwechsel und sollte deshalb möglichst erhalten bleiben“, so Prim. Rumpold. Aus diesem Grund sollten Diäten oder größere Ernährungsumstellungen während einer Krebstherapie immer mit dem behandelnden Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsexpertin bzw. einem Ernährungsexperten abgestimmt werden.
 

„Krebs entsteht durch unterdrückte Gefühle“
Es gibt große Untersuchungen, etwa im Anschluss an den Vietnamkrieg, bei denen viele Betroffene mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus dem Krieg zurückkehrten. Dabei zeigte sich, dass die Inzidenz, also die Häufigkeit von Krebserkrankungen, in dieser Gruppe nicht höher war als in der Allgemeinbevölkerung. Das spricht zumindest deutlich gegen einen direkten Zusammenhang. Jedoch können Krebserkrankungen durchaus Persönlichkeitsveränderungen mit sich bringen. „Häufig tritt dabei der Gedanke auf, selbst an der Erkrankung schuld zu sein. Aber auch das sollte differenziert betrachtet werden. In bestimmten Fällen kann jemand Verantwortung für sein Verhalten übernehmen – etwa, wenn langjähriges Rauchen zu Lungenkrebs führt. Hier geht es um das Bewusstsein für mögliche gesundheitliche Konsequenzen des eigenen Handelns. Das ist jedoch etwas völlig anderes als die Behauptung, die eigene Persönlichkeit oder unterdrückte Gefühle würden Krebs verursachen“, erklärt Prim. Rumpold. Eine solche Verallgemeinerung ist wissenschaftlich nicht haltbar.
 

„Operationen lassen Krebs streuen“
Für etwa 99 Prozent der Fälle kann dies ausgeschlossen werden. In Einzelfällen kann jedoch die Wundheilung und die damit verbundene Stimulation des Immunsystems theoretisch die Progression von Krebs begünstigen, ähnlich wie Entzündungsreaktionen grundsätzlich Zellaktivität fördern können.

Solche Situationen treten jedoch sehr selten auf und betreffen meist Patient*innen, bei denen Operationen ohnehin nicht mehr als Standardtherapie infrage kommen. Beispielsweise zeigen Studien zum Darmkrebs, in denen noch vor dem eigentlichen Eingriff am Tumor selbst die umliegenden Gefäße abgebunden wurden, um eine Verschleppung von Tumorzellen zu verhindern, keinen Unterschied in den Behandlungsergebnissen im Vergleich zu Eingriffen ohne diese Maßnahme.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Holger Rumpold

Foto © Ordensklinikum Linz:
Prim. Priv.-Doz. Dr. Holger Rumpold, Leiter der Hämatologie und Onkologie am Ordensklinikum Linz
 

Sicherere Recherche im Netz

„Da Krebserkrankungen sehr individuell sind und nicht jede Erkrankung den gleichen Verlauf nimmt, ist es besonders wichtig, auf seriöse und fachlich geprüfte Quellen zurückzugreifen“, appelliert Prim. Rumpold. Verlässliche Informationen und weiterführende Kontakte, wie etwa zu Selbsthilfegruppen, finden sich auf den Webseiten der Krebshilfe (Dachseite Krebshilfe - Österreichische Krebshilfe), von Onkopedia (Onkopedia) oder der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (Home | OeGHO).
 

Onkologisches Leitspital für Oberösterreich

Das Ordensklinikum Linz ist Onkologisches Leitspital für Oberösterreich. Mit zertifizierten Organzentren ist das Klinikum nicht nur führender Versorger, sondern auch starker Kooperationspartner im Gesundheitswesen. Im „Zentrum für Tumorerkrankungen“ werden mehr als 3.500 von insgesamt 7.000 jährlich in Oberösterreich neu auftretenden Tumorerkrankungen diagnostiziert und behandelt. Bei einigen onkologischen Erkrankungen nimmt das Ordensklinikum Linz österreichweit eine Spitzenposition ein, etwa in der Behandlung des Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebses und im medizinisch hochkomplexen Bereich der zellulären Therapien bei Leukämie, Lymphknotenkrebs oder anderer Krebserkrankungen des Knochenmarks. Das Ordensklinikum Linz bietet spitzenmedizinische Versorgung in zertifizierten onkologischen Zentren (Bauchspeicheldrüse, Brust, Darm, Gynäkologie, Haut, HNO, Prostata) und führt in der größten Abteilung für Radioonkologie des Landes jährlich mehr als 65.000 Bestrahlungen durch.