Mit April 2026 hat Prim. Dr. Andreas Strobl die Leitung der HNO, Kopf- und Halschirurgie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern übernommen. Der neue Leiter setzt auf enge Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team, modernste Medizintechnik sowie auf Forschung und Lehre.
Die HNO-Abteilung im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern wurde vor 111 Jahren gegründet. Sie zählt zu den traditionsreichsten und größten HNO-Einheiten in Österreich. „Der konfessionelle Geist prägt die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen sowie niedergelassenen Kolleginnen* und Kollegen*“, betont Prim. Strobl und fügt hinzu: „Diese Verbundenheit begünstigt eine ganzheitliche, individuelle und hochwertige Begleitung der Patient*innen. Deren Bedürfnisse stehen bei allen an der Therapie beteiligten Berufsgruppen – von Ärztinnen* und Ärzten* über Pflege, Logopädie, Klinische Psychologie bis hin zur Diätologie – im Zentrum ihres Tuns.“
Interprofessionelles Team
Aktuell verfügt die HNO-Abteilung über rund 100 Mitarbeitende. Das Ärzteteam umfasst zwölf Fachärztinnen* und -ärzte*, darunter eine Phoniaterin und einen Allgemeinmediziner, sieben Assistenzärztinnen* und -ärzte* sowie mehrere Turnusärztinnen* und -ärzte*. Acht Logopädinnen und zahlreiche Pflegekräfte, u. a. mit Schwerpunktausbildung Cancer Nurse, zwei Studienassistentinnen sowie etliche Verwaltungsmitarbeiter*innen ergänzen das Team. Prim. Strobl betont: „Den Mitarbeitenden möchte ich Karrieremodelle anbieten, sodass jede*r entsprechend den individuellen Talenten und Interessen eingesetzt wird.“ Die Assistenzärztinnen* und -ärzte* rotieren daher zwischen den fünf Schwerpunkten „Otologie, Neurootologie und pädiatrische HNO“, „Onkologie und Weichteilchirurgie“, „Nase und Allergie“, „Phoniatrie – Schlucken, Sprechen, Stimme“ sowie „Schlafmedizin“. Wer sich für die Tätigkeit im niedergelassenen Bereich interessiert, wird beim Erwerb von Zusatzausbildungen unterstützt. Prim. Strobl hält fest: „Eine zentrale Rolle spielt Interdisziplinarität. Die Abteilung arbeitet eng mit anderen Fachbereichen des Ordensklinikum Linz sowie mit Spezialist*innen anderer Kliniken zusammen.“
Fünf Therapieschwerpunkte
Die HNO-Abteilung bietet das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an. Pro Jahr erfolgen 25.000 ambulante Patientenkontakte, 4.500 stationäre Aufnahmen und 3.000 Operationen. Ein wesentliches Merkmal ist die enge Verflechtung von klinischer Praxis, angewandter Forschung und Lehre. Mit modernster Medizintechnik wird eine hohe klinische Expertise in den fünf Schwerpunktbereichen gewährleistet.
Ein Schwerpunkt ist das Kompetenzfeld Otologie, Neurootologie und pädiatrische HNO. Gemeinsam mit der Logopädie, Pädiatrie und dem Institut für Sinnes- und Sprachneurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz werden komplexe Hörstörungen diagnostiziert und therapiert. Sämtliche Formen der Mittelohrchirurgie und der implantierbaren Hörhilfen können angeboten werden. „Unsere Spezialist*innen für Otologie bilden sich laufend weiter, so haben wir stets einen Überblick über die neuesten Implantatsysteme“, betont Prim. Strobl.
In der Rhinologie und Allergologie liegt der konservative Schwerpunkt auf der vielfältigen Therapie der chronischen Sinusitis mit oder ohne Polypen. Biologika erweitern das therapeutische Spektrum seit einigen Jahren, die Abteilung nimmt dabei regelmäßig an Studien teil. Eine hohe Expertise findet sich im Bereich der navigationsgestützten endoskopischen Chirurgie der Nasennebenhöhlen, Orbita- und vorderen Schädelbasis. Weiters informiert Prim. Strobl: „Seit Jänner ergänzt OÄ Doz.in Dr.in Annette Runge unser Team, dadurch konnte die Expertise bei funktionell-ästhetischen Eingriffen weiter gesteigert werden.“ Septorhinoplastiken erfolgen seither mittels geschlossener oder offener Zugänge. Eine sehr gute Kooperation gibt es dabei mit der Abteilung für Plastische Chirurgie. Am allergologischen Sektor soll in Abstimmung mit Partnerabteilungen des Ordensklinikum Linz der inhalative Bereich dieser Volkskrankheit in den Fokus genommen werden.
In der Schlafmedizin verfügt die Abteilung über eine außerordentliche Kompetenz. Die HNO kooperiert dabei mit der Abteilung für Pneumologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen sowie mit der Kieferorthopädie des Kepler Universitätsklinikum Linz. Durchgeführt werden ambulante Polygraphien und Schlafendoskopie (DISE) sowie konservative und chirurgische Therapien speziell in Form von CPAP-Masken-Versorgungen, Gaumenplastiken – u. a. mittels transoraler roboterassistierter Chirurgie – sowie Hypoglossusschrittmacher-Implantationen. Prim. Strobl berichtet: „Wir haben österreichweit als eines der ersten Zentren für Schlafmedizin einen Hypoglossusschrittmacher implantiert, mit dem gezielt Muskeln der Atemwege stimuliert werden. Aktuell können wir den Einbau beider auf dem Markt befindlichen Schrittmachersysteme anbieten.“
Der vierte Schwerpunkt ist das Kompetenzfeld Phoniatrie, in dem Medizin und Logopädie eng zusammenarbeiten. Mit modernster Medizintechnik werden diagnostisch und therapeutisch konservative Stimm- und Schluckrehabilitationsmaßnahmen sowie phonochirurgische Eingriffe auf hohem medizinischem Niveau durchgeführt.

Onkologische Therapien
Der fünfte Schwerpunkt umfasst die Onkologie und Weichteilchirurgie. Die Abteilung wurde 2014 als österreichweit erste Einheit als Kopf-Hals-Tumorzentrum nach DKG-Richtlinien zertifiziert, was Therapien nach aktuellen Qualitätsstandards garantiert. Das Zentrum wird von OA Dr. Matthias Stadler und DDr. Werner Habicher geleitet. „Die onkologische Versorgung findet hauptsächlich – von der Abklärung über die Therapie bis hin zur Nachsorge – auf der HNO-Abteilung statt. „Dabei bedienen wir alle Säulen der Tumortherapie“, erläutert Prim. Strobl. „Lediglich bei der Strahlentherapie werden wir von der Abteilung für Radioonkologie unterstützt.“ Das Behandlungsspektrum schließt auch die Brachytherapie mit ein. Deren Vorteil liegt in der optimalen hohen Dosisverteilung direkt im Tumor, während das umliegende Gewebe geschont wird.
Im chirurgischen Bereich der Onkologie hat sich seit mehr als zehn Jahren die Roboterchirurgie (TORS) etabliert. Gemeinsam mit der transoralen Laserchirurgie ist sie Teil des minimalinvasiven Therapiekonzeptes.
Seit kurzem bietet die Abteilung die Elektrochemotherapie (ECT) an, bei der ein Zytostatikum mit einer Elektroporation kombiniert wird. Prim. Strobl erläutert: „Diese Therapieform wird primär im palliativen Setting angewandt. Sie ist für oberflächliche Haut- und Lymphknotenmetastasen geeignet und hat in seltenen Fällen sogar kuratives Potenzial.“ Mit einer Sonde werden elektrische Impulse an den Körper gebracht, wodurch die Wand der Tumorzellen für ein Chemotherapeutikum, das kurz zuvor verabreicht wurde, durchlässig wird. Dies führt in der Folge zum Zelltod.
Laufend neue Ansätze gibt es bei den Systemtherapien. „Hier versuchen wir stets, Patient*innen in Studien einzuschließen“, erklärt Prim. Strobl. „Als eines von drei zertifizierten HNO-Tumorzentren können wir Phase-III-Studien anbieten.“ Meist handelt es sich um onkologische Zulassungsstudien sowohl im kurativen als auch im palliativen Setting. Prim. Strobl hält fest: „In Phase-III-Zulassungsstudien werden oftmals practice change Präparate verabreicht. Die Patient*innen profitieren von den neuen Medikamenten immens, sie haben dadurch oft deutlich bessere Prognosen. Im palliativen Setting arbeiten wir eng mit der Abteilung für Palliativmedizin zusammen, dabei werden wir bei Fragen zur Schmerz- oder Ernährungstherapie unterstützt.“
Im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards legen die Behandler*innen der HNO gemeinsam mit Internist*innen und Radioonkolog*innen die Therapien für die Patient*innen fest. Prim. Strobl betont: „Es ist von Vorteil, dass wir einen guten Einblick in die Systemtherapien haben. Bei speziellen Fragestellungen und Nebenwirkungen stehen uns die Kolleginnen* und Kollegen* der Hämatoonkologie mit Rat und Tat zur Seite.“
Lehre & Fachlicher Austausch
Im Bereich der Lehre betreut das Team der HNO-Abteilung Masterarbeiten von Studierenden des Kepler Universitätsklinikum Linz und wirkt regelmäßig an Kongressen und Fortbildungskursen, wie z. B. an den Septorhinoplastikkursen in Innsbruck, mit. 2026 bietet die HNO-Abteilung drei Fortbildungen in Linz an.
Zusammenarbeit mit den Zuweiser*innen
Prim. Strobl möchte die gute Zusammenarbeit mit den Zuweiser*innen weiter verbessern: „Es ist unser Ansinnen, den Austausch durch Priorisierung der Telefonanfragen im Sinne eines Notfalltelefons und durch regelmäßige Aussendungen von medizinischen und organisatorischen Neuigkeiten zu verbessern. Außerdem sind Befundabfragen nun über DAME möglich. Weiters wurden die Wartezeiten auf Erstbegutachtungen in unseren Spezialambulanzen auf maximal sechs Monate verkürzt. Der Abteilungsleiter betont: „In dringlichen Fällen wie Verdacht auf Tumoren oder Akutereignisse gibt es kurzfristige bzw. Akuttermine.“ Grundsätzlich ist die Abteilung für komplexe Krankheitsfälle bzw. Tumorerkrankungen zuständig, Routineuntersuchungen sollten im niedergelassenen Bereich durchgeführt werden. Prim. Strobl erläutert: „Unser Bestreben ist es, niedergelassene Fachärztinnen* und Fachärzte* bei onkologischen und postoperativen Nachbetreuungen stärker einzubinden.“
Mehr zum Thema
www.ordensklinikum.at/hno