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Ordensklinikum Linz

Eine Nierentransplantation verbessert Lebensqualität und Lebenserwartung - AM PULS Ausgabe 04

Etwa 70 Nierentransplantationen wickelt das Transplantationszentrum am Ordensklinikum Linz Elisabethinen Jahr für Jahr ab. Für den bis zu drei Stunden dauernden Eingriff kommt nur rund ein Viertel der Dialysepatienten überhaupt in Frage, da ein entsprechend robuster körperlicher Zustand nötig ist. Doch all jene, bei denen eine Nierentransplantation erfolgreich durchgeführt werden kann, profitieren enorm: mit einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung der restlichen Lebenszeit.

Die Niere ist ein hochkomplexes und ausgefeiltes Organ. Eines, dem auch die moderne Dialyse nicht gerecht werden kann. „Die Hämodialyse-Maschine kann lediglich Teile der Nierenfunktion ersetzen und selbst das nur mehrmals die Woche, aber nicht kontinuierlich“, erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka, Leiter der Abteilung Innere Medizin III am Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Zusätzlich zählt eine Nierenkrankheit zu den stärksten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren überhaupt, vergleichbar mit Diabetes. „Dialysepatienten haben ein 10- bis 15-fach höheres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden, als Menschen mit intakter Nierenfunktion.“ Deshalb ist die Nierentransplantation eine nach wie vor wichtige Maßnahme, um die Lebenserwartung von Patienten deutlich zu erhöhen. In Österreich beträgt die Wartezeit auf eine Spenderniere durchschnittlich drei Jahre. Zum Vergleich: Aufgrund anderer gesetzlicher Regelungen und schlechterer Organspende-Infrastruktur warten Patienten in Deutschland etwa acht bis neun Jahre. Um eine passende Niere für jeden Patienten zu finden, greift das Ordensklinikum Linz Elisabethinen auf den Eurotransplant-Verbund zu. Dieses Netzwerk mit Sitz in Leiden (Niederlande) verfügt über eine zentrale Datenbank, in der alle Spenden gemeldet und je nach Dringlichkeit und Kompatibilität an die jeweiligen Empfänger zugewiesen werden.

Lebendspender müssen weder verwandt noch blutgruppenkompatibel sein

Etwa ein Fünftel der Nieren, die am Ordensklinikum Linz Elisabethinen transplantiert werden, stammt von Lebendspendern. Diese Personen müssen über einen sehr guten Gesundheitszustand verfügen und frei von Krankheiten sein – auch, um in weiterer Folge nicht selber zum Nierenpatienten zu werden. Außerdem besteht ansonsten die Gefahr, Infekte wie Hepatitis, HIV oder Tuberkulose sowie Krebserkrankungen bei einer Transplantation zu übertragen. „Aufgrund der strengen Auswahlkriterien scheiden vier von fünf Menschen, die sich für eine Lebendspende melden, aus“, betont Cejka.

Die häufigsten Lebendspender sind die Partner, gefolgt von Familienmitgliedern und sehr guten Freunden. „Der Lebensspender muss allerdings weder blutsverwandt noch blutgruppengleich sein“, räumt Cejka mit einem gängigen Missverständnis auf. Mit zweiwöchiger Vorbereitung können Lebendspenden auch „gegen die Blutgruppe“ transplantiert werden. Bei Spenden von verstorbenen Menschen ist dies allerdings nicht möglich. Der Grund dafür liegt am Zeitmangel. Während die Transplantation einer Lebendspende vorbereitet und geplant wird, existiert bei einer Leichenspende ein Zeitfenster von maximal ca. 20–30 Stunden, in dem der Eingriff durchgeführt werden muss.

Unabhängig davon, woher die Spende stammt, profitiert der Empfänger von einer Verdopplung bis Verdreifachung der restlichen Lebenszeit. Da Leichenspende-Nieren eine Haltbarkeit von ca. 10–15 Jahren und Lebendspende-Nieren von 15–20 Jahren erreichen, sind Zweit- oder Dritttransplantationen üblich.

Wichtiger Harnbefund

Nierenerkrankungen sind „bösartige“ Erkrankungen, die möglichst früh erkannt werden sollten. Im Falle einer eingeschränkten Nierenfunktion ist der Harnbefund besonders wichtig. „Ein hoher Wert bei der Eiweißausscheidung ist ein Alarmzeichen und sollte abgeklärt werden“, betont Primar Cejka.

 

Zuweisermagazin AM PULS - Ausgabe 04 - Jg. 2019

 


PRIM. PRIV.-DOZ. DR. DANIEL CEJKA

Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka
Abteilungsleiter Innere Medizin III,
Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Transplantationsmedizin,
Rheumatologie
Ordensklinikum Linz Elisabethinen

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Studie

Naylor KL, Kim SJ, McArthur E, Garg AX, McCallum MK, Knoll GA. Mortality in Incident Maintenance Dialysis Patients Versus Incident Solid Organ Cancer Patients: A Population-Based Cohort. Am J Kidney Dis. 2019 Jun;73(6):765-776. doi: 10.1053/j.ajkd.2018.12.011. Epub 2019 Feb 6. PubMed PMID: 30738630.

Kontakt

Auf der Webseite des Transplantationszentrums am Ordensklinikum Linz Elisabethinen finden Sie nähere Informationen zum Thema Nierentransplantation.


Videos

Von der Spenderniere zum Empfänger