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Ordensklinikum Linz

Der Weg zum internationalen Aushängeschild - 30 Jahre Kinderurologie am Ordensklinikum Linz

Datum: 18.10.2022

Die Kinderurologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern ist die einzige Abteilung dieser Art in Österreich. Sie ist auf die Behandlung komplexer Fehlbildungen des Urogenitaltraktes spezialisiert und betreut Patient*innen aus ganz Österreich und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus. Heuer feiert die Abteilung ihr 30-jähriges Bestehen.

Im Jahr 1992 wurde die Kinderurologie am damaligen Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern von Prim. Univ.-Doz. Dr. Marcus Riccabona gegründet. Es war die erste selbständige und unabhängige Einheit für Kinderurologie im deutschsprachigen Raum. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Kinderurologie durch zahlreiche Pionierleistungen zu einem internationalen Aushängeschild. Sie ist seit 30 Jahren auf seltene Erkrankungen des Urogenitaltraktes spezialisiert und sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie österreichweit federführend. Jährlich werden an der Kinderurologie des Ordensklinikum Linz mehr als 3.000 Kinder stationär aufgenommen. Von 2.000 durchgeführten Operationen entfällt rund die Hälfte auf hochkomplexe Eingriffe.

 

Nationale und internationale Auszeichnungen

Dies spiegelt sich auch in den zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen wider: Die Kinderurologie unseres Hauses ist bereits seit 2019 zertifiziertes Nationales Expertisezentrum für seltene Erkrankungen. 2022 wurde sie als erste urologische Abteilung Österreichs als Vollmitglied des European Reference Network – eUROGEN (=ERN) für seltene urologische Erkrankungen ausgezeichnet. „Als Nationales Expertisezentrum sowie als Vollmitglied des Referenznetzwerks eUROGEN sind wir Anlaufstelle für seltene kinderurologische Erkrankungen für Patient*innen in ganz Europa. Zuerkennungen wie diese bedeuten eine Wertschätzung unserer Leistungen der vergangenen 30 Jahre und ermöglichen uns eine stetige Weiterentwicklung und Forschung, sowie Vernetzung mit internationalen Expert*innen im Sinne unserer Patient*innen“, so Prim. Univ.-Doz. Prof. Dr. Josef Oswald, der die Abteilung seit 2013 leitet. 
„Kinderurologie ist einer unserer spitzenmedizinischen Schwerpunkte. In ihrem 30-jährigen Bestehen hat sich die Abteilung zu einem einzigartigem Expertisezentrum nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa entwickelt. Die zahlreichen Auszeichnungen sprechen für die hohe fachliche Kompetenz als auch für das herausragende persönliche Engagement des gesamten kinderurologischen Teams. Ein Leuchtturm, auf den wir im Ordensklinikum Linz besonders stolz sind“, betonen die beiden Geschäftsführer Dr. Stefan Meusburger und MMag. Walter Kneidinger.

„Es ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Abteilung sowie auch anderen Fachbereichen des Hauses zu verdanken, dass unsere Kinderurologie sich zu einem professionellen Zentrum mit internationalem Anspruch entwickeln konnte. Eingebettet in eine einzigartige interne Krankenhausinfrastruktur kann durch eine enge Zusammenarbeit mit der Pädiatrie, der Anästhesie sowie der Nuklearmedizin die bestmögliche Betreuung für unsere kleinsten Patient*innen sichergestellt werden“, ergänzt die Ärztliche Direktorin des Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern Mag.a Dr.in Elisabeth Bräutigam, MBA.

 

Federführend bei der Behandlung seltener Erkrankungen

Ein großer Teil der des Behandlungsspektrums sind angeborene Fehlbildungen, die hochinnovativer Operationsmethoden und komplexer Behandlungspläne bedürfen. Herausragende Leistungen sind etwa künstliche Harnblasen, die aus Dünndarm geformt werden sowie komplexe uroplastische Rekonstruktionen. Gemeinsam mit der Kinderanästhesie, der Nuklearmedizin und der Pädiatrie bieten hochspezialisierte Teams aus Medizin und Pflege den jungen Patient*innen von der kindgerechten Isotopendiagnostik bis hin zur Operation und Nachbehandlung in der Blasenschule die bestmögliche Behandlung.Viele Fehlbildungen werden bereits vor der Geburt diagnostiziert und die Operationen im ersten Lebensjahr durchgeführt, um späteren Schäden an den Nieren vorzubeugen. „Angeborene Fehlbildungen des Urogenitaltraktes stellen für die Betroffen einen enormen Leidensdruck dar und sind im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich. Unser Fokus liegt auf der Frühdiagnostik, um – je nach Erkrankungsbild – so früh wie möglich operieren zu können. Unser erklärtes Ziel ist es, unsere kleinen Patienten vor dauerhaften Schäden an den Nieren, die etwa zur Dialyse oder Insuffizienz des Organs führen können, zu bewahren und ihnen ein normales Leben zu ermöglichen,“ erklärt Prim. Univ.-Doz. Prof. Dr. Josef Oswald.

 

Innovative OP-Techniken schenken Lebensqualität

Tausende Kinder und heute Erwachsene aus Österreich und der ganzen Welt verdanken der Linzer Kinderurologie ein trotz oft schwerer Fehlbildungen oder Erkrankungen weitgehend normales Leben.

OA Dr. Mark Koen im Gespräch mit seiner langjährigen Patientin Seyda Türk.

Foto (© Ordensklinikum Linz): OA Dr. Mark Koen im Gespräch mit seiner langjährigen Patientin Seyda Türk. 

Eine davon ist Seyda Türk aus Sattledt. Die heute 30-Jährige wurde mit einer neurogenen Blasenfunktionsstörung und „offenem Rücken“ – eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks -  geboren. Aufgrund des offenen Rückens musste sie sich bereits im Säuglingsalter zwei Operationen unterziehen. Als sie im Volksschulalter von der Türkei nach Österreich kam folgte ein weiterer Eingriff am Rücken. Zusätzlich litt sie an einer neurogenen Blasenentleerungsstörung. Ursächlich dafür ist eine unzureichende Nervenversorgung der Harnblase und des Blasenschließmuskels infolge der angeborenen Rückenmarksfehlbildung. Kinder mit neurogener Blasenfunktionsstörung haben Probleme bei der Blasenentleerung, neigen zu unkontrolliertem Urinverlust und leiden nicht selten unter Blasenhochdruck. Die sogenannte „neurogene Blase“ bedeutet einen enormen Leidensdruck für die kleinen Patienten und kann zu lebensgefährlichen Schäden an den Nieren führen. Durch den Blasenhochdruck entsteht ein Rückfluss des Harns in die Nieren, oftmals bilden sich Keime oder der Harn wird sogar eitrig. Dies führt zu Narben an den Nieren und kann das Organ massiv schädigen. Bei Nichtbehandlung oder zu später Behandlung müssen Kinder oft in jungen Jahren bereits zur Dialyse.

Seyda Türk ist bereits seit 2001 Patientin der Kinderurologie des Ordensklinikum Linz. Da ihre Harnblase aufgrund ihrer Erkrankung bereits Schaden genommen hatte und das Mädchen immer wieder unter Harnwegsinfektionen litt, wurde der damals 11-Jährigen im Jahr 2003 eine künstliche Blase geformt aus einem Stück Dünndarm eingesetzt – ein Eingriff, dank dem die junge Frau heute ein normales Leben führen kann. „Mir ist es nach der Operation gleich sehr gut gegangen und ich habe mich wohlgefühlt“, berichtet Seyda Türk. An der „Blasenschule“ der Kinderurologie wurde ihr beigebracht, ihre Blase mittels Selbstkatheterismus zu entleeren. „Das hat von Anfang an sehr gut funktioniert und ist für mich rasch Normalität geworden. Ich bin dankbar, dass ich durch die Behandlung an der Kinderurologie eine schöne Jugend verbringen konnte auch heute beschwerdefrei lebe.“ Einmal pro Jahr kommt sie nach wie vor zur Kontrolle ins Krankenhaus.

Die 30-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Sattledt. Dass sie trotz künstlicher Blase Schwangerschaft und Geburt problemlos durchgestanden hatte, ist keine Selbstverständlichkeit. „Frau Türk war für uns die erste Patientin, die mit künstlicher Blase schwanger war“, so Prim. Univ.-Doz. Prof. Dr. Oswald. Durch enge Zusammenarbeit mit der Gynäkologischen Abteilung am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern und Konventhospital der Barmherzigen Brüder verliefen Schwangerschaft und Geburt beide Male einwandfrei. „Ich bin froh um die kompetente und liebevolle Behandlung, die ich seit Kindesalter bis zur Geburt meiner eigenen Kinder und auch heute noch erleben darf. Meine beiden Kinder sind mein größtes Geschenk“, sagt Seyda Türk.

 

Weitere Informationen zur Kinderurologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.