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Ordensklinikum Linz

Der Pathologe: Medizin hinter den Kulissen

Pathologen analysieren winzige Gewebeproben  und Körperflüssigkeiten. Diese Diagnosen aus dem Labor sind Wegweiser für die Therapie.

„Die Pathologie steht eher am Anfang einer Behandlung als am Ende.“ Universitätsprofessor Dr. Farid Moinfar leitet das Institut für klinische Pathologie und Prosektur am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Der international renommierte Facharzt widerlegt ein Bild, das über Krimis und Fernsehserien wie CSI vermittelt wird, wo Gerichtsmediziner Mordopfer obduzieren. Auch Professor Boerne aus dem „Tatort“ bleibt eine Fantasiefigur. „Die Pathologie wird nicht nur bei verstorbenen Patienten zu Rate gezogen sondern beschäftigt sich zu 95 Prozent mit dem lebenden Menschen. Wir untersuchen Gewebeproben und klären die Ursachen und den Verlauf  von Krankheiten.“

Moinfar leitet eine der größten Abteilungen des Landes, jedenfalls die größte von Oberösterreich. In seinem Team sind 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 10 von ihnen sind Pathologinnen und Pathologen. Die Laborfachkräfte stellen im histologischen und im zytologischen Labor in aufwändigen Verfahren Schnitt- oder Strichpräparate her, die von den Pathologen in der Folge mikroskopisch begutachtet werden. Moinfar ist ein Fan dieses Instruments. „Ich halte das Mikroskop für eine der wichtigsten Erfindungen der Naturwissenschaft.“  Der gebürtige Perser hat sein Interesse für die Mikroskopie während des Studiums in Wien und Graz entdeckt. „Ich wollte immer wissen, wie die Zellen aussehen und was gewisse Zellen bösartig macht.“

Die Arbeit in der Pathologie hat sich stark gewandelt. Während früher ein  Tumor im gesamten entfernt wurde und anschließend analysiert, genügt jetzt meistens eine kleine Probe. Moinfar erklärt diesen Ablauf. „Krebs ist nicht gleich Krebs. Bei einem Knoten in der Brust kommt es abhängig von unseren Untersuchungsergebnissen zu einer Behandlung mit Anti- Hormonen, Strahlentherapie oder Chemotherapie. Es kommt dabei auf die genauen Eigenschaften der Zellen an“.   Solche präzisen Diagnosen gehören zu seinen Hauptaufgaben. „Wir haben direkt mit dem Schicksal, dem Leben der Patientinnen und Patienten zu tun, auch wenn diese uns nie sehen.“

Im Labor landen Proben aus dem ganzen Körper. Wenn Internisten bei einer Magenuntersuchung veränderte Schleimhaut entnehmen, folgt im Labor eine Spezialfärbung, und anschließend begutachtet ein Pathologe die Zell- und Gewebeveränderungen. Oder wenn der Verdacht auf Leukämie besteht, gibt die exakte Untersuchung einer Knochenmarkpunktion Informationen preis. Egal, ob Hautkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Schilddrüsenkrebs oder andere Tumoren: Je nachdem, welche Tumortypen vorliegen, entscheidet sich der weitere Behandlungsverlauf. Das Team der Pathologie ist fixer Teil jener Tumorboards, die komplizierte Fälle besprechen und die Therapie festlegen. In diesen Boards arbeiten Fachleute aus verschiedenen Fachgebieten, etwa Onkologie, Gynäkologie, Innere Medizin, Chirurgie oder Endokrinologie (Hormonlehre) eng zusammen.

Farid Moinfar

 

Anfang 2016 schuf das Institut mit der Nierenbiopsie und Elektronenmikroskopie einen neuen Kompetenzschwerpunkt. Nur  wenige Institute im deutschsprachigen Raum bieten diese Ausstattung und Expertise, bis dahin müssen die Nierenbiopsien von oberösterreichischen Patientinnen und  Patienten nach Wien oder München weitergeschickt werden. Von diesem Angebot profitieren natürlich auch Patientinnen und Patienten des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Ried, mit dessen Pathologie eng zusammen gearbeitet wird.

International bekannt ist die Vinzenz-Akademie für Pathologie, die Fortbildungen für Pathologen weltweit in Linz anbietet. Moinfar organisiert mit seinem Team diese Kurse, und konnte bereits Vortragende aus Kanada, den USA oder Japan dafür gewinnen.  Und wenn dort internationale Expertinnen hochkomplexe Fälle diskutieren, dann erinnert die Szene doch ein wenig an eine Fernsehserie: Dr. House fordert seine jungen Ärzte im Lehrsaal immer wieder heraus. Aber Dr. Moinfar unterscheidet sich gründlich von diesem US-Arztklischee. Denn er ist aus tiefstem Herzen freundlich. Eigentlich schade, dass er meist im Labor beschäftigt ist.

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