Tanzen im Alter: „Was man mit Freude macht, an dem bleibt man dran“
Tanzen ist manchmal die beste Medizin – vor allem in fortgeschrittenem Alter. Neben der regelmäßigen Bewegung fördert Tanzen die Koordination und ist wichtig für die Sturzprophylaxe. Welche besonderen Vorteile diese spezielle Art der Bewegung noch bietet, erklärt Christine Dressnandt, Physiotherapeutin am Ordensklinikum Linz Elisabethinen.
Vom Kleinkind bis zu Senior*innen – Bewegung ist für alle Altersgruppen wichtig. 150-300 Minuten moderate oder 75-150 Minuten intensive Bewegung plus zweimal wöchentlich Krafttraining dürfen es laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Erwachsene sein. Es fällt jedoch nicht allen leicht, sich für regelmäßigen Sport zu motivieren. Genau hier kommt das Tanzen ins Spiel. „Das Wichtigste ist, eine Bewegung zu finden, die einem Spaß macht. Wenn man einen Zugang zum Tanzen hat – entweder mit oder ohne Partner*in – dann macht man das freudvoll und dadurch eher regelmäßig. Außerdem kann man beim Tanzen spielerisch die verschiedenen Facetten der Bewegung trainieren“, sagt Christine Dressnandt, die in der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Ordensklinikum Linz Elisabethinen arbeitet.
Obwohl die Bewegungsempfehlungen für alle Altersgruppen gleichermaßen gelten, sollten insbesondere ältere Menschen auf ein ausreichend hohes Aktivitätsniveau ach-ten. „Der Muskelabbau beginnt bereits mit 30 Jahren, wenn man nicht bewusst gegen-steuert. Ab diesem Zeitpunkt ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Muskulatur möglichst lange erhalten bleibt, genauso wie die Beweglichkeit, die Reaktionsfähigkeit und das Gleichgewicht“, erklärt Physiotherapeutin Christine Dressnandt. In erster Linie wird beim Tanzen die Beinmuskulatur trainiert, was sich in Kombination mit der verbesserten Vorfußbeweglichkeit äußerst positiv auf die Sturzprophylaxe auswirkt. Gleichzeitig wird durch die aufrechte Haltung die Rumpfmuskulatur gestärkt. „Die Körperhaltung trägt viel zum Erscheinungsbild bei – beim Tanzen möchte man ja auch gut ausschauen. Ganz egal, ob beim Bauchtanz, klassischen Paartanz oder Line Dance“, so Christine Dressnandt.
Gegen Schmerzen und fürs Gehirn
Abhängig vom Lebensstil, dem (sitzenden) Beruf oder der Alltagsbewegung ist der Muskelschwund früher oder später spürbar. Die Physiotherapeutin erklärt: „Oft merkt man es beim Stufensteigen, dass man außer Atem gerät, oder bei Alltagsarbeiten im Haushalt und Garten, die plötzlich nicht mehr so leichtfallen.“ Der Prozess ist schleichend und wird oftmals erst sehr spät wahrgenommen. Schmerz entsteht erst dann, wenn Gelenke aufgrund des zunehmenden Alters stärker abgenutzt sind und von der schwächer werdenden Muskulatur weniger geschützt werden. In diesem Zusammenhang ist das regelmäßige Tanzen auch aufgrund der Gewichtskontrolle hilfreich. Ein erhöhtes Körpergewicht bedeutet neben dem höheren Risiko für zahlreiche Erkrankungen auch einen rascheren Gelenkverschleiß.
Jedoch ist Tanzen nicht nur für den Körper ein gutes Training, sondern auch für das Gehirn. „Tanzen ist ja nicht nur eine geradlinige Bewegung. Tänzer*innen müssen sich die Schrittfolgen der Figuren merken und das Vorgetanzte umsetzten können. Regel-mäßige Tanzkurse erhöhen so die Merk- und Koordinationsfähigkeit“, beschreibt Christine Dressnandt.
Tanzen wirkt positiv in allen Lebenslagen
Als Physiotherapeutin im onkologischen Leitspital betreut Christine Dressnandt auch Krebspatient*innen. Studien belegen, dass sich regelmäßige Bewegung sowohl auf die Verträglichkeit von Nebenwirkungen als auch auf die Rückfallquote von Tumorerkrankungen positiv auswirkt. „Selbst während einer Chemotherapie, wenn die Patient*innen aufgrund ihres schwachen Immunsystems wenig Kontakt zu anderen Menschen haben sollen, können sie tanzen. Mit Kopfhörern geht das sogar im Krankenhauszimmer. Das wirkt sich nicht nur positiv auf den Körper aus, sondern hebt gleichzeitig die Stimmung in dieser oft herausfordernden Zeit“, so Christine Dressnandt. Beim Tanzen werden Glückshormone ausgeschüttet, die diesen Effekt verstärken.
Darüber hinaus profitieren insbesondere Frauen in oder nach den Wechseljahren. In der Menopause erkranken viele an Osteoporose, einem stoffwechselbedingten Abbau der Knochensubstanz. Dagegen kann regelmäßiges Tanzen ebenfalls wirken, vor al-lem, wenn es mit Krafttraining kombiniert wird. Christine Dressnandt ergänzt: „Hinzu kommt die soziale Komponente des Tanzens. Einerseits kann es ein verbindendes Ritual in der Paarbeziehung sein, andererseits eine Möglichkeit, mit anderen Tän-zer*innen in Kontakt zu kommen. Gerade ältere Menschen sind oft einsam, wenn sie sehr viel zu Hause sind. Das regelmäßige Treffen mit Gleichgesinnten wirkt gegen die Einsamkeit und kann dadurch sogar gegen Demenz vorbeugen.“
Zur Person
Christine Dressnandt arbeitet seit 39 Jahren im Ordensklinikum Linz Elisabethinen als Physiotherapeutin. Seit ihrem Ausbildungsabschluss 1987 hat sie viele der Angebote im Krankenhaus mitaufgebaut und sich in ihrem Fach laufend fort- und weitergebildet. Privat tanzt sie regelmäßig und hat schon die verschiedensten Tänze ausprobiert – von Bauchtanz bis zu Standard- und Lateintänzen.
Foto © Ordensklinikum Linz:
Christine Dressnandt, Physiotherapeutin am Ordensklinikum Linz Elisabethinen
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Lena Gattringer, BA BA
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