Fast-Track-Pflege: Schneller wieder auf den Beinen
Die Bezeichnung „Fast-Track“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „schnelle Schiene“. Das ist der Name eines neuen Behandlungs- und Betreuungskonzeptes am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, welches jetzt auf der Viszeralchirurgie implementiert ist. Fast-Track ermöglicht es, dass Patient*innen gut vorbereitet zu einer Operation kommen und danach rasch wieder auf den Beinen sind. Das sorgt für kürzere Aufenthalte auf der Station und stärkt die Selbstwirksamkeit der Patient*innen.
Nach einer Operation müssen Patient*innen eine gewisse Zeit im Krankenhaus verbringen, um sich gut erholen zu können. Nach einer Dickdarmoperation zum Beispiel sind das rund sieben bis zehn Tage Aufenthalt. Dabei brauchen sie medizinische, pflegerische und therapeutische Behandlung und Betreuung. Um den Genesungsprozess nach der Operation effizienter zu gestalten, gibt es am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern jetzt ein neues Behandlungs- und Betreuungskonzept. „Obwohl Patient*innen kürzer im Krankenhaus bleiben, können wir durch Fast-Track eine sehr gute Behandlung und Betreuung gewährleisten. Gezielte Vorbereitung der Patient*innen und strukturierte Abläufe während des Aufenthalts ermöglichen eine Betreuung, die effizient ist, persönlich bleibt und einer hohen Qualität entspricht“, sagt Georgine Gattermayr MBA, Pflegedirektorin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. „Das neue Konzept ist für alle eine Win-win-Situation. Denn der verkürzte Aufenthalt auf der Station entlastet einerseits die Pflege, sorgt aber auch dafür, dass mehr Zeit für die Patient*innen selbst bleibt“, sagt Prim. Prof. Dr. Matthias Biebl, Leiter der Abteilung für Chirurgie am Ordensklinikum Linz.
Fast-Track erleichtert Pflege
„Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Patient*innen schneller wieder auf die Beine zu bringen. Die sieben bis zehn Tage Aufenthalt reduzieren sich auf nur fünf bis sechs“, sagt Lisa Goldschwendt MSc ANP. Sie ist die Fast-Track-Nurse für die Viszeralchirurgie und begleitet die Patient*innen durch den gesamten Prozess. „Als Fast-Track-Nurse bin ich die zentrale Ansprechperson für Patient*innen, Angehörige und das gesamte Behandlungsteam. Ich gebe Informationen zu allem, was rund um die Operation zu beachten ist“, sagt sie.
Begleitung rund um die Operation
Das neue Konzept zielt auf perioperative Begleitung ab. Das bedeutet eine Betreuung vor, während und nach der Operation. Die Patient*innen erhalten bereits im Vorfeld im ambulanten Setting eine ausführliche Aufklärung. „Vor der Operation gibt es den All-in-one-Termin. Bei dem zeigen wir genau auf, wie Fast-Track funktioniert, was bei der Operation passiert und wie die Vorbereitung aussieht. Wir geben den Patient*innen auch Informationsmaterial mit, in dem ganz genau beschrieben ist, wie sie sich optimal auf die Operation vorbereiten können“, sagt Carina Totzauer, sie ist die Fast-Track-Nurse für die Orthopädie, wo sich das neue Konzept aktuell in der Implementierungsphase befindet. Diese Informationsvermittlung im Voraus ist besonders wichtig. Denn wenn Patient*innen wissen, was auf sie zukommt, sind sie vor der Operation weniger angespannt. Das verhindert die Ausschüttung von Stresshormonen und mindert die Komplikationsbereitschaft, was wiederum zu einer schnelleren Genesung führt. „Die Vorbereitung erfolgt größtenteils zu Hause. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass sich Patient*innen wohler fühlen. Dadurch wird ihnen bereits im Vorfeld sehr viel Angst vor der Operation genommen“, so Lisa Goldschwendt. Durch Ernährungstipps wird beispielsweise einem Eiweißmangel entgegengewirkt. Tägliche Spaziergänge oder leichter Sport helfen zusätzlich den Körper zu rüsten. Die stationäre Aufnahme erfolgt am Tag der Operation.
Schneller Start der Mobilisation
Auch während der Operation wird Rücksicht auf eine rasche Erholung genommen. „Für die Schmerzkontrolle während der Operation verwenden wir jetzt den sogenannten TAP‑Block, der gezielt die Bauchwandnerven betäubt und so eine sehr effektive lokale Schmerztherapie ermöglicht. Dadurch benötigen die Patient*innen meist keine Schmerzmittel über die Vene und können sich nach dem Eingriff deutlich schneller mobilisieren“, sagt Viszeralchirurgin OÄ Dr.in Claudia Bartsch. Sobald die Patient*innen wieder bei vollem Bewusstsein sind, startet die Remobilisation. Dabei wird auf Eigenständigkeit gesetzt. Damit sie ihren Alltag möglichst selbst bewältigen können, werden zum Beispiel Blasenkatheter schon am Operationstag entfernt und kaum Drainagen gesetzt. „Wenn Patient*innen sehen, dass sich ihr Körperbild nicht komplett durch die Operation verändert und sie sich eigenständig bewegen können, erholen sich die Patient*innen rascher“, sagt Dr.in Bartsch.
Erholung durch Bewegung
Die schnelle Rückkehr in den Normalzustand, beschleunigt die Heilung. Darum werden den Patient*innen nach dem Eingriff Bewegungsziele gesetzt. „Wir animieren die Patient*innen so viel selbst zu machen wie möglich. Sie sollen zum Beispiel noch am Operationstag für mindestens eine Viertelstunde im Sessel sitzen und am nächsten Tag Mahlzeiten beim Tisch einnehmen sowie Körperpflege im Bad durchführen. Die Aktivität wird jeden Tag etwas gesteigert. Dabei unterstützen Physiotherapeut*innen unsere Patient*innen gezielt“, sagt Goldschwendt. Sind sie eigenständig genug, dürfen sie das Krankenhaus verlassen. Die Fast-Track-Nurses stehen dabei weiterhin nach der Entlassung als Ansprechpersonen zur Verfügung.
Foto © Ordensklinikum Linz:
Foto 1: V.l.n.r. OÄ Dr.in Claudia Bartsch (Viszeralchirurgin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern), Georgine Gattermayr MBA (Pflegedirektorin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern), Fast-Track Patient mit seiner Gattin, Lisa Goldschwendt MSc ANP (Fast-Track-Nurse für die Viszeralchirurgie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern) und Prim. Prof. Dr. Matthias Biebl (Leiter der Abteilung für Chirurgie am Ordensklinikum Linz)
Foto 2: Lisa Goldschwendt, MSc ANP beim All-in-one Gespräch
Foto 3: Carina Totzauer mit einer Patientin beim Erreichen der Bewegungsziele
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Karin Mühlberger
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