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12.08.2016

Aus Patienten werden Partner: Selbsthilfemodell der Barmherzigen Schwestern Linz boomt

Mitglieder von Selbsthilfegruppen (SHG) sind Fachleute in eigener Sache. Als Betroffene oder Angehörige kennen sie beide Seiten – Krankenhaus und Privatumfeld, professionelle Spitalsbetreuung und familiäre Pflege, High-Tech-Medizin und psychosoziale Nachsorge. Seit Sommer 2014 sind Selbsthilfegruppen, Patienten und Angehörige über eine eigene Selbsthilfekontaktstelle ganz gezielt im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz als Partner integriert. Der wechselseitige Nutzen ist groß, die Patientennachfrage enorm. Nicht weniger als 100(!) Gruppentreffen gingen in den vergangenen 24 Monate über die Bühne – im Schnitt war jede Woche aktives Netzwerken zwischen Spital und Selbsthilfegruppen angesagt.

„Mit der Einrichtung unserer Selbsthilfekontaktstelle vor zwei Jahren und dem Gütesiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ haben wir eine tragfähige Brücke zwischen Selbsthilfeinitiativen und dem professionellen Umfeld bei uns im Haus geschaffen Das stärkt die Spital-Patientenbeziehung ganz erheblich, weil zusätzliches Hintergrundwissen und Unterstützung, etwa durch Angehörige, gezielt integriert werden können. Viele ansonsten oft mühsam gewonnene Einzelinformationen werden nun gebündelt ausgetauscht. Das entlastet die Teams der Abteilungen erheblich. Es gibt aber auch unseren Patienten das Gefühl, stets in ein vertrautes Umfeld eingebunden zu sein und dass ihr Feedback ein gefragter Qualitätsinput für uns als Spital ist. Behandlungs- und Therapieverständnis steigen, Ängste werden abgebaut, ein „Wir“-Gefühl entsteht“, resümiert Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl, Ärztlicher Direktor der Barmherzigen Schwestern Linz.

 

Partnerschaft vernetzt Patienten und Helfer auf Augenhöhe.

Selbsthilfebeauftragte Mag. Esther Sandrieser koordiniert alle Aktivitäten rund um die aktive Einbindung von Patienten und deren Angehörigen. Sie kann sich über mangelnde Arbeit nicht beschweren. Aktuell nutzen bereits 14 Selbsthilfegruppen das Spital als Kommunikationsknoten, wo ihnen Räumlichkeiten, organisatorische Unterstützung und viele Netzwerkkontaktpunkte zur Verfügung stehen. Auch in der Kommunikation unterstützt die Selbsthilfe-Kontaktstelle mit Newslettern, Einladungen und Programmen sowie einem Infobereich auf der Krankenhaushomepage. Rund 50 Gruppentreffen mit über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gab es 2015, Tendenz weiter stark steigend. In der ersten Jahreshälfte 2016 haben sogar schon 34 diesbezügliche Veranstaltungen stattgefunden. Dort gibt es sowohl einen gruppeninternen Austausch in vertraulichem Rahmen als auch ein breites Angebot an interessanten Themen, wobei Experten aus dem Haus oder aus dessen Netzwerk als Vortragende und „greifbare“ Ansprechpartner organisiert werden. Medizinische Fragen stehen dabei genauso am Programm wie das Erlernen verschiedener Entspannungstechniken oder interessante Exkursionen und Freizeitaktivitäten. „Unser Konzept, eine stabile und nachhaltige Kooperation innerhalb und außerhalb der Spitalsmauern zu etablieren, ist voll aufgegangen und hat eine echte Eigendynamik bekommen. In den Gruppen und durch Kooperation mit unserem Spital entstehen tolle Projekte. So ist beispielsweise mit "LEBE! Mit Diagnose Brustkrebs" vor kurzem eine neue SHG-Homepage für Brustkrebspatientinnen ans Netz gegangen. Ein anderes Highlight war sicher auch der in Zusammenarbeit mit der SHG Darmkrebs abgehaltene „Kommunikationstag Onkologie“ Ende Juni 2016 in unserem Festsaal. Dabei stand erfolgreiches Kommunizieren beim so schwierigen Thema Krebs für alle Berufsgruppen, die mit den betroffenen Patienten zu tun haben, im Mittelpunkt. Die Veranstaltung wurde von interessierten Kolleginnen und Kollegen geradezu gestürmt“ freut sich Sandrieser über die Innovationen im Netzwerk.

Patientenbeirat

Qualitätssteigerung durch Patientenbeirat

2015 wurde im Rahmen eines initiierten Patientenbeirates ein Fragebogen ausgearbeitet, um Wünsche und Anliegen der Patienten des Zentrums für Tumorerkrankungen während der Zeit ihrer Behandlung zu erfassen und diese bei der Optimierung onkologischer Behandlungsabläufe zu integrieren. Wichtige Knotenpunkte sind neben den krankheitsspezifischen Selbsthilfegruppen auch das Angehörigencafe und der Onkotreff, welche in die hauseigene Krebsakademie eingebunden sind.  Diese beiden Angebote wenden sich an alle Krebspatienten – auch an jene, die nicht im Haus behandelt werden - und deren Angehörige.

 

Nehmen und Geben

„Wir sind begeistert, wie rasch und vor allem professionell sich dieses Netzwerk mit den Barmherzigen Schwestern entwickelt hat. Quantität und Qualität der Veranstaltungen und die Arbeit der Selbsthilfekontaktstelle werden von unseren vielen Mitgliedern, aber auch von uns im Vorstand sehr geschätzt“, sind sich Geschäftsführerin Manuela Rentenberger und Obmann Mag. DDr. Oskar Meggeneder von Selbsthilfe OÖ einig. Gleiches gilt umgekehrt. Die Selbsthilfegruppen sind als Inputgeber gefragt - auch im nichtmedizinischen Bereich. So wurden etwa im aktuell laufenden Markenprozess für das kommende Ordensklinikum SHG-Mitglieder in Fokusgruppen eingebunden. Ihre Außensicht aus Patientenperspektive bietet wichtiges Feedback für die künftige Positionierung und Angebotsgestaltung des entstehenden Großspitals.

 

Nähere Informationen online:         www.bhslinz.at/patienten-besucher/selbsthilfe/

                                                           www.selbsthilfe-ooe.at