Labor für hämatologische Spezialdiagnostik

Barmherzige Schwestern

Im Rahmen vieler Autoimmun (AI)-Erkrankungen produzieren unsere Abwehrzellen Antikörper, die sich gegen den eigenen Körper richten, sog. Autoantikörper. Manche Autoantikörper richten sich gegen bestimmte Organe (z.B. die Schilddrüse), andere wiederum richten sich gegen bestimmte Zellorganellen, also prinzipiell gegen alle Zellen bzw. Organe. Zu den letzteren gehören auch die Antinukleären Antikörper (ANA). Sie richten sich gegen bestimmte Strukturen im Zellkern. Der Begriff ANA wird heutzutage im erweiterten Sinn verwendet, da man mittlerweile auch Antikörper nachweisen kann, die sich gegen Strukturen im Zytoplamsa der Zelle richten.

Wann treten Autoantikörper auf?

Es gibt Autoantikörper, welche sehr spezifisch für eine best. AI-Erkrankung sind und damit einen sehr hohen Stellenwert für die Diagnose dieser Erkrankung aufweisen. Andere wiederum treten bei verschiedenen AI-Erkrankungen gehäuft auf und können den Hinweis auf das Vorliegen eines AI-Geschehens liefern, v.a. wenn die klinische Symptomatik eher unspezifisch verläuft. Manche Autoantikörper können auch bei gesunden Personen ohne nachweisbare Erkrankung erhöht sein  (z.B. bei älteren Menschen, nach Infektionskrankheiten, nach Einnahme bestimmter Medikamente,…).

Interpretation der Ergebnisse

Autoantikörper sollten nur dann bestimmt werden, wenn Verdacht auf eine AI-Erkrankung besteht und andere Ursachen für die Beschwerden bereits abgeklärt wurden. Der Einsatz als als “Screening“-Test ohne konkreten Verdacht ist nicht indiziert. Der Befund hilft einerseits zu erkennen, dass eine AI-Erkrankung vorliegt, andererseits kann er auch Hinweise darauf geben, welche AI-Erkrankung vorliegt. Die Bedeutung eines positiven Autoantikörper-Befundes muss immer im Zusammenhang mit den Beschwerden und den übrigen Befunden des Patienten beurteilt werden.

Nachweis von Autoantikörper

1. Indirekte Immunfluoreszenz (IF): Diese Methode ist der Goldstandard in der Autoimmundiagnostik. Das Serum des Patienten wird auf Objektträger mit in vitro gezüchteten Zellen aufgetragen. Hat der Patient einen Autoantikörper, dann wird dieser an die Strukturen der Testzellen binden. Danach wird der Antikörper des Patienten mit einem grünfluoreszierenden Antikörper markiert, wodurch dieser bei Betrachtung im Fluoreszenzmikroskop grün aufleuchtet. Heutzutage sind über 50 AK bekannt, die man mittels IF unterscheiden kann. Für die Beurteilung der IF ist viel Erfahrung notwendig.

2. Immuntests (v.a. Elisa-Verfahren): Die einzelnen Testkavitäten sind mit den gereinigten Antigenen beschichtet. Die spezifischen Antikörper im Patientenserum binden an diese Antigene, und die Konzentration der Antigen-Antikörper-Komplexe kann nach mehreren Reaktionsschritten mit einem Photometer gemessen werden. Diese Tests sind gut automatisierbar und einfacher beurteilbar, können aber im Gegensatz zur IIF die Vielfalt der möglichen Antikörper nicht erfassen.

3. Immunoblots (=Western-Blots): Die Antigene werden auf einem Gel elektrophoretisch aufgetrennt und danach auf eine stabile Folie übertragen ("geblottet"). Nach Zugabe des Patientenserum und einem anschliessenden Markierungsschritt erkennt man die Abschnitte (Banden), an denen sich der Antikörper des Patienten an die aufgetrennten Kernbestandteile gebunden hat.