ASCO 2016

Viszerale Onkologie

Die HOT-Topics auf dem Gebiet der
"Viszerale Onkologie"

Kurz-Zusammenfassung von PD Dr. Holger Rumpold im nachfolgenden Video:

Schriftliche Zusammenfassung
von PD Dr. Holger Rumpold

Erwähnenswertes gibt es für das Magen-, das Pankreas- und das kolorektale Karzinom zu berichten. Beim Magenkarzinom konnte eine deutsche Studiengruppe in der FAST-Studie zeigen, dass die Kombination eines Antikörpers, der Claudin 18.1 (CLDN18.2) erkennt, mit Chemotherapie das Überleben der Patienten deutlich verlängern konnte (Al Batran, Abstract LBA4001). Die weitere Entwicklung für die klinische Anwendung darf erwartet werden.

Die Praxis verändern wird auch die ESPAC-4 Studie, in der gezeigt wurde, dass die Intensivierung der adjuvanten Chemotherapie beim Pankreaskarzinom den Anteil geheilter Patienten erhöhen konnte (Neoptolemus et al., Abstract LBA4006). Umgekehrt dazu zeigte sich, dass beim metastasierte Plattenepithelkarzinom des Ösophagus eine Dauer der Chemotherapie von 6 Wochen im Vergleich zur Fortführung der Therapie zu einem vergleichbaren Überleben führt (Adenis et al., Abstract 4002). Eine Berücksichtigung dieser Daten in der Praxis ist spannend, da aufgrund der kurzen Therapiedauer eine deutlich verbesserte Lebensqualität der Patienten zu erwarten ist.

Beim kolorektalen Karzinom bestätigte sich, dass die Lokalisation des Primärtumors von grundlegender prognostischer Bedeutung ist: die rechtsseitige Lokalisation ist demzufolge deutlich schlechter als die linksseitige, die zudem auch besser therapierbar ist. Die Überlebensunterschiede liegen dabei um die 20 Monate (Venook et al., Abstract 3504). Somit stellt die Primärtumorlokalisation wahrscheinlich einen der potentesten Biomarker dar, der in zukünftigen Studien zu berücksichtigen sein wird.

Sehr interessant sind auch die Entwicklungen in der Immuntherapie: Die Checkmate-142-Studie zeigte vielversprechendes für die Aktivierung des Immunsystems beim metastasierten kolorektalen Karzinom (Overman et al., Abstract 3501 und Bendell et al., Abstract 3502), für das Analkarzinom gilt dasselbe (Morris et al., Abstract 3503).

Aber auch für chirurgisches ergibt sich Interessantes: Stenting eines stenosierenden kolorektalen Karzinoms als bridging zur Operation reduziert die Stomahäufigkeit und hat keinen Einfluss auf das Outcome – die erste und bisher einzige randomisierte Phase-3-Studie zu diesem Thema (Hill et al., Abstract 3507)! Des weiteren zeigte sich, dass wahrscheinlich die erweiterte, laterale Lymphknotendissektion beim Rektumkarzinom die Lokalrezidivrate eindeutig senkt (Fujita et al., Abstract 3508).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Feld sich nach wie vor dynamisch auf allen Ebenen der onkologischen Therapiemodalitäten entwickelt, wobei für mich die Therapiestratifizierung im Sinne von „so viel wie nötigt, so wenig wie möglich“ immer mehr und klarer in den Vordergrund tritt.

Links zu den Abstracts:

Abstract LBA4001: FAST-Studie (Magenkarzinom, Al Batran et al.)
http://meetinglibrary.asco.org/content/164788-176

LBA4006: ESPAC-4 (Pankreaskarzinom, Neoptolemus et al.)
http://meetinglibrary.asco.org/content/162546-176

Abstract 4002: Plattenepithelkarzinom Ösophagus (Adenis et al):
http://meetinglibrary.asco.org/content/164062-176

Abstract 3504: Primärtumorlokalisation kolorektales Karzinom (Venook et al.)
http://meetinglibrary.asco.org/content/161936-176

Abstract 3501 und 3502: Immuntherapie beim kolorektalen Karzinom
http://meetinglibrary.asco.org/content/166455-176
http://meetinglibrary.asco.org/content/171295-176

Abstract 3503: Immuntherapie beim Analkarzinom
http://meetinglibrary.asco.org/content/169985-176

Abstract 3507: Stenting als bridging zur Operation beim kolorektalen Karzinom (Hill et al.)
http://meetinglibrary.asco.org/content/169602-176

Abstract 3508: Laterale LK-Dissektion beim Rektumkarzinom
http://meetinglibrary.asco.org/content/167577-176