ASCO 2016

Mammakarzinome

Die HOT-Topics auf dem Gebiet der
"Mammakarzinome"

Kurz-Zusammenfassung von OÄ Dr. Ruth Helfgott im nachfolgenden Video:

Schriftliche Zusammenfassung
von OÄ Dr. Ruth Helfgott

Was gibt es Neues bzgl. adjuvanter endokriner Therapie?

Die postmenopausale Mammacarcinompatientin erhält bei HR-positivem Tumor dzt. standardmäßig für 5 Jahre eine Aromatasehemmer(AI-)therapie. Auf Grund des weit über diese Zeit hinausreichenden Rezidivrisikos (schön dargestellt in der Präsentation der EBCTCG Daten über das Rückfallsrisiko von über 46000 HR-pos. Patientinnen nach 5 Jahren endokriner Therapie, besondere Berücksichtigung fanden hier die Einflussfaktoren hinsichtlich distant recurrences) stellt sich die Frage, ob diese Therapie nicht länger gegeben werden sollte.
Die Studie MA.17R hat nun erstmals zeigen können, dass eine auf 10 Jahre verlängerte Einnahmedauer das krankheitsfreie Überleben (DFS) reduzieren kann (95 % vrs. 9 1% nach 5 Jahren). Bzgl. Gesamtüberleben (OS) zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied.
Bemerkenswert ist allerdings, dass der überwiegende Effekt in einer Reduktion des Auftretens eines kontralateralen Mammacarcinoms bestand, dies herausgerechnet unterscheidet sich das DFS nur noch um 1,1 %.
Berücksichtigt werden müssen auch vermehrte Komplikationen v.a. in Hinblick auf Osteoporose/Frakturen.
Mit Patientinnen, die die AI Therapie 5 Jahre lang gut vertragen haben und die ein höheres Rezidivrisiko haben ( N+, großer Tumor >/=T2, hohes Grading, hoher Ki-67), sollte die Fortführung der Therapie jedenfalls als Option diskutiert werden.

http://meetinglibrary.asco.org/content/164642-176
http://meetinglibrary.asco.org/content/125312?media=vm

 

Was gibt es Neues im Hinblick auf das operative Axillastaging?

Die Präsentation der Ergebnisse der ACOSOG Z0011 hat 2011 für großes Aufsehen gesorgt. Die Studie hat gezeigt, dass Patientinnen, die unter bestimmten günstigen Ausgangsbedingungen (Tumor < 5cm, klin. neg. Axilla) trotz 1-2 pos. Sentinellymphknoten nicht Axilla disseziert wurden, keinen Unterschied im OS, DFS und in der lokoregionären Rezidivrate zeigten.
Heuer wurden die 10-Jahres Follow-up Daten präsentiert: Auch nach diesem Zeitraum unterscheiden sich die beiden Patientinnengruppen (SNB+AD vrs. SNB only) nicht bzgl. DFS, OS und lokoreginärem Rezidiv (weder in Brust noch Axilla).
Es wurde auch eine Auswertung der Subgruppe präsentiert, die keine Radiotherapie erhalten hatte (es wurde ursprünglich vermutet, dass die teilweise Mitbestrahlung der Axilla im Rahmen der Ganzbrustbestrahlung einen günstigen Effekt gehabt haben könnte). Aber auch diese Patientinnen zeigten zwar eine erhöhte Inzidenz an In-Brust-Rezidiven, nicht aber an axillären Lymphknotenrezidiven.

Dies bestätigt den aktuellen Trend, bei Patientinnen, die die Einschlusskriterien der ACOSOG Z0011 erfüllen würden, bei 1-2 pos. Sentinellymphknoten auf eine AD zu verzichten. In Österreich gibt es von der ABCSG eine Registerstudie (33R), wo diese Patientinnen eingebracht werden können.

Ergebnisse laufender Studien, die sich mit einem gänzlichen Verzicht auf ein operatives Axillastaging für bestimmte Patientinnengruppen befassen (INSEMA, SOUND), bleiben abzuwarten.

http://abstracts.asco.org/176/AbstView_176_170337.html

Was gibt es Neues im palliativen Setting?

1) Operative Entfernung des Primärtumors bei der primär metastasierten Patientin

Auf Grund retrospektiver Daten, die vermuten ließen, dass eine Operation des Primärtumors einen prognostischen Vorteil (verlängertes progressionsfreies Überleben, PFS) bringen könnte, wurden vor einigen Jahren mehrere prospektive, randomisierte Studien initiiert. Die 2013 publizierten Ergebnisse konnten diese Vermutung nicht bestätigen. Heuer wurden nun die 5-Jahres-Daten einer dieser Studien, der türkischen MF 07-01 präsentiert. Hier zeigt sich im längeren Follow-up nun doch ein deutlicher Unterschied im 5-Jahres-Überleben zugunsten der operierten Gruppe (41,6 % vrs. 24,4 %). Besonders profitiert von der Operation haben Patientinnen, die nur eine solitäre Knochenmetastase hatten.

In der Gruppe der Patientinnen mit multiplen viszeralen Metastasen zeigten die Operierten hingegen ein deutlich schlechteres Überleben.
Die Entscheidung, eine primär metastasierte Patientin auch ohne lokalen Palliationsbedarf zu operieren, kann also individuell diskutiert werden, weitere Studien wären hier aber noch wünschenswert.

http://meetinglibrary.asco.org/content/170268-176

 

2) Zielgerichtete Therapien bei der Hormonrezeptor-positiven metastasierten Patientin

Gerade beim HR-positiven Mammacarcinom tut sich momentan viel im Bereich neuer, zielgerichteter Medikamente. Die Wirksamkeit eines CDK4/6-Inhibitors (Palbociclib) konnte nun die PALOMA 2 Studie eindrucksvoll beweisen. Metastasierte Patientinnen, die firstline zusätzlich zu Letrozol Palbociclib erhielten, zeigten gegenüber der Placebogruppe ein signifikant verlängertes PFS (24,8 vrs. 14,5 Monate). Die Verträglichkeit ist dabei sehr gut, häufigste Nebenwirkung ist hier die Neutropenie, die zwar meistens asymptomatisch verläuft, aber am ehesten Grund war für Dosisreduktionen oder auch Therapieabruch.

Das Zulassungsverfahren für Palbociclib in der Palliativsituation läuft bereits.

Unsere Patientinnen haben die Möglichkeit, dieses Medikament im Rahmen von Studien (PALLAS, PENELOPE) auch bereits adjuvant - zusätzlich zur standardisierten endokrinen Therapie - zu erhalten.

http://meetinglibrary.asco.org/content/165131-176