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Ordensklinikum Linz

Zungengrundkrebs: Rekonstruktion aus Oberschenkelgewebe

Bei der 47-jährigen Krankenschwester Karin Rücklinger wurde fortgeschrittener Zungengrundkrebs festgestellt, der einen Teil der Zunge und der angrenzenden Rachenwand befallen hatte.  Nach Überweisung an das Kopf-Hals Tumorzentrum am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern entschied sich das interdisziplinäre Team aus Spezialisten der HNO und der Plastischen Chirurgie für einen komplexen Eingriff  zur Tumorentnahme mit sofortiger anschließender Rekonstruktion des betroffenen Zungenareals. Die Operation dauerte fast acht Stunden, zwei Teams arbeiteten parallel. HNO-Arzt OA Dr. Wolfgang Schneidinger und sein Team entfernten das von Krebs befallene Areal aus der Mundhöhle. „Etwa die halbe Zunge musste der Länge nach amputiert werden. Um ihre zentralen Funktionen zu erhalten, ist ein Ersatz des fehlenden Gewebes nötig. Sehr wichtig ist dabei, diese `Prothese` an die umgebenden Gefäße anschließen zu können, um Durchblutung und damit ein sicheres Einwachsen des transplantierten Gewebes zu gewährleisten“, schildert Schneidinger die Rahmenbedingungen.

Bei der 47-jährigen Krankenschwester Karin Rücklinger wurde fortgeschrittener Zungengrundkrebs festgestellt.

Währenddessen entnahm ein zweites Team um den Plastischen Chirurgen Dr. Martin Kaltseis aus dem Oberschenkel Muskelgewebe und modellierte daraus ein exaktes Abbild des amputierten Teils für die Verpflanzung.  Die besondere Herausforderung ist neben der extremen Enge in der Mundhöhle auch die mikrochirurgische Arbeit, damit Durchblutung und Nerven des zusammengenähten Gewebes wieder funktionieren. „Die Rekonstruktion funktioniert, wenn noch ein Teil der Zunge am Zungengrund erhalten ist. Bis zu zwei Drittel können ersetzt werden, wenn genügend Restmuskulatur vorhanden ist. Der neu eingesetzte Teil hat keine Eigenbeweglichkeit, die Restzunge sorgt für Bewegung beim Sprechen, Trinken und Essen“, erklärt Kaltseis. Nach der Operation wurde die Patientin mit einer Magensonde und einem Rachenstoma zur sicheren Nahrungs- und Luftversorgung während des Heilungsprozesses versorgt. 14 Tage nach der Operation durfte sie erstmals Wasser trinken, dann weiche Speisen und Brei essen, ebenso begann sie mit logopädischer Unterstützung wieder das Sprechen zu üben. Mit dem weiteren Abschwellen der Zunge normalisieren sich sukzessive deren gewohnten Funktionalitäten, sodass Karin Rücklinger derzeit bereits ein weitgehend normales Alltagsleben führen und mittelfristig wieder ihrem Beruf als Krankenschwester nachgehen kann.
 

 

Nähere Informationen:

Plastische Chirurgie

Kopf-Hals Tumorzentum

HNO