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Ordensklinikum Linz

Viele, viele Viren: Von sehr harmlos bis sehr gefährlich

Datum: 04.02.2021

Quelle: OÖN

Bei Viren denken die meisten Menschen derzeit fast ausschließlich an das Coronavirus. Dabei gibt es unzählige Viren, manche von ihnen können ebenfalls schwerwiegende Erkrankungen wie Aids oder eine Leberentzündung verursachen, andere sind für banale Erkältungen oder Fieberblasen verantwortlich. Die Ansteckung erfolgt je nach Erreger beispielsweise durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion, über verunreinigte Lebensmittel oder beim Sex. Für Heidrun Kerschner, Virologin und Mikrobiologin am Ordensklinikum Elisabethinen Linz, gehören Viren zu ihrem ganz normalen Arbeitsalltag.

  • Humane Papillomaviren HPV: Mehr als 150 verschiedene HPV-Typen sind bekannt. Je nach Virustyp kann eine Infektion ganz harmlos bis tödlich verlaufen. Manche Virustypen führen "nur" zu Warzen - Hochrisikotypen dagegen zu mehr oder weniger bösartigen Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Schamlippen und Scheidenvorhof (Vulva), Scheide, Penis, After oder im Mund-Rachen-Bereich. Die Übertragung von genitalen HPV erfolgt am häufigsten durch sexuelle Kontakte. Die gute Nachricht: Es gibt eine Impfung gegen jene Viren, die diesen Krebs auslösen. Für Kinder vom 9. bis zum 12. Geburtstag ist diese Impfung kostenlos.

 

  • Herpes: "Die Familie der Herpes-Viren ist groß. Sie können normale Fieberblasenerreger (Tröpfchen- und Schmierinfektion) verursachen, die auch als Herpes simplex Viren bekannt sind. Das Varicella-Zoster-Virus kann zwei verschiedene Krankheitsbilder verursachen: die Kinderkrankheit Windpocken, die bei uns auch Schafblattern heißt (auch hier gibt es eine Impfung) und die schmerzhafte Gürtelrose (Herpes Zoster). Als Medikamente können Virostatika helfen, also Mittel, die Viren hemmen. Das Epstein Barr Virus (EBV) ist Verursacher des Pfeifferschen Drüsenfiebers, das auch Küsserkrankheit genannt wird. Oft verläuft die Krankheit unbemerkt. Das Drüsenfieber trifft fast immer Jugendliche und junge Erwachsene - manchmal mit langwierigen Hals- und Rachenentzündungen und stark geschwollenen Lymphknoten. "Manche Betroffenen klagen über eine lange Phase der Genesung. Ähnlich wie beim Coronavirus kann die Belastbarkeit leiden", sagt Virologin Heidrun Kerschner.

 

  • Zytomegali-Virus-Infektion: Auch dieses Virus gehört zur Herpes-Familie. Bei den meisten Menschen läuft eine Infektion harmlos ab, viele merken gar nichts davon. "Anders ist das bei Schwangeren. Hier kann das Virus beim ungeborenen Kind zahlreiche Organsysteme schädigen, wobei eine bestimmte Form der Hörschädigung besonders häufig ist", sagt Heidrun Kerschner. Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen können eine Infektion verhindern. Will eine Frau wissen, ob sie das Virus gehabt hat, sollte sie mit ihrer Gynäkologin über einen Antikörper-Test sprechen.

 

  • Noroviren: Sie kommen weltweit vor und führen rasch zu einer Entzündung des Magen-Darm-Trakts mit Erbrechen und Durchfall. Erkrankte sind sehr ansteckend. "Besonders gut breiten sich diese Viren im Winter aus und dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, zum Beispiel auf Kreuzfahrtsschiffen", sagt die Virologin.

 

  • FSME: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Gehirnhautentzündung. Übertragen wird das Virus durch Zecken. Seit 1973 gibt es eine Impfung, die vom oberösterreichischen Virologen Christian Kunz entwickelt wurde.

 

Virus

  • Mumps-Masern-Röteln: Diese viralen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters verlaufen bei Weitem nicht immer harmlos. "Vor allem bei den Masern kann es zu Komplikationen kommen", sagt die Virologin. Besonders für Babys ist es wichtig, dass es eine Herdenimmunität gibt, da Kinder erst ab einem Alter von einem Jahr gegen Masern geimpft werden können. Masern sind übrigens ganz enorm ansteckend und werden beim normalen Sprechen, Husten oder Niesen übertragen.

 

  • HIV: AIDS ist eine erworbene Immunschwächekrankheit. Sie ist das Endstadium einer HI-Virus-Infektion. Das Virus befällt bestimmte Zellen des Immunsystems. Eine Infektion mit diesem Virus ist noch nicht heilbar, aber mittlerweile gut behandelbar. Wichtig ist, dass man die Infektion bald erkennt. Dafür gibt es Tests. Übertragen wird das Virus vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr.

 

  • Hepatitis C: Diese Erkrankung wird durch Blut übertragen und galt lange Zeit als unheilbar. Heute ist Hepatitis C mit geeigneten Medikamentenkombinationen fast immer heilbar. Das ist der Entwicklung von neuartigen Medikamenten zu verdanken, die gezielt einzelne Schritte der Virenvermehrung in den Leberzellen unterbinden.

Für Heidrun Kerschner, Virologin und Mikrobiologin am Ordensklinikum Elisabethinen Linz, gehören Viren zu ihrem ganz normalen Arbeitsalltag.
OÄ Dr. Heidrun Kerschner