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Ordensklinikum Linz

Vertiefende Informationen zum Artikel "Praxiswissen: Strahlentherapie" - Hausarzt 04/2019

Vier wichtige Fakten über die Strahlentherapie

1. Eine Strahlentherapie verursacht keine Verbrennungen. Bei einer Bestrahlung wird keine thermische Energie übertragen. Durch Schädigung der Basalzellen in der Haut und Auslösen einer Entzündungsreaktion kann es zu einer Rötung kommen, die an einen Sonnenbrand erinnert.


2. Die Strahlentherapie eignet sich auch für alte Patienten. Einer der hartnäckigsten Mythen lautet, dass die Strahlentherapie für ältere Patienten nicht geeignet sein soll. Genau das Gegenteil ist der Fall: im Allgemeinen ist die Strahlentherapie sogar die bestverträgliche onkologische Therapie.


3. Bestrahlungen finden in den allermeisten Fällen in mehreren Fraktionen statt. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten nur mit einer einzigen Bestrahlungseinheit rechnen. Es gibt bisher nur vereinzelt Situationen, bei denen dies der Fall ist, beispielsweise bei der stereotaktischen Strahlentherapie von Hirnmetastasen oder bei der Behandlung schmerzhafter Knochenmetastasen im sehr palliativen Setting.


4. Behandelte Patienten strahlen nicht! Dass Patienten nach der perkutanten Strahlentherapie „verstrahlt“ sind, ist ebenfalls ein populärer Irrglaube. Der Patient kann völlig bedenkenlos mit Menschen in Kontakt treten und sogar die (Enkel-)Kinder auf den Schoß nehmen.

 

Die Hochpräzisions-Strahlentherapie

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)
Bei der IMRT wird nicht mehr homogen über einzelne Bestrahlungsfelder behandelt, sondern über hunderte bis tausende kleiner Teilstrahlen bzw. Segmente. Der Dosisbeitrag für jeden Teilstrahl wir über komplexe Berechnungsalgorithmen und Optimierungsfunktionen festgelegt. Mit Hilfe der IMRT kann der Hochdosisbereich besser an irregulär geformte Tumorvolumina angepasst werden.

Inverse Bestrahlungsplanung
Die inverse Bestrahlungsplanung wird im Allgemeinen zur Planung der IMRT angewandt. Dem Bestrahlungsplanungsprogramm werden  hierfür Dosis-Volumen Vorgaben für bestimmte Tumorregionen und Normalgewebe gemacht. Für Tumorregionen sind das „Objectives“ (z.B. 95% des Tumorvolumens sollen mindestens 95% der verschriebenen Dosis erhalten). Für Normalgewebe und Risikoorgane sind das „Constraints“ (z.B. das Volumen der Lunge, das mehr als 20 Gy erhält, darf maximal 30% betragen). Anhand der vorgegebenen Costraints und Objectives errechnet das Programm die Dosisbeiträge der einzelnen Teilstrahlen. Die daraus resultierende Dosisverteilung wird grafisch in jeder Schicht der Planungscomputertomographie des Patienten angezeigt. Ist die/der Radioonkologin/Radioonkologe mit der Dosisverteilung nicht zufrieden, müssen die Constraints oder/und Objectives solange geändert werden, bis die gewünschte Dosisverteilung erzielt ist.

Bildgeführte Strahlentherapie (IGRT)
Bei der IGRT wird die Lage des Tumors oder der tumortragenden Region vor jeder Bestrahlungsfraktion visualisiert und elektronisch mit der Bestrahlungsplanungs-Bildgebung überlagert. Stimmt die aktuelle Lage des Tumors nicht mehr mit der Bestrahlungsplanungssituation überein, wird die Position des Patienten korrigiert. Die IGRT wird oft mit der IMRT kombiniert, um die Präzision der Strahlapplikation zu erhöhen.

Stereotaktische Strahlentherapie 
Bei der stereotaktischen Strahlentherapie werden hohe Einzeldosen (> 5 Gy pro Fraktion) mit hoher Genauigkeit eingestrahlt. Die Präzision, die je nach Körperregion im Submillimeterbereich liegen kann, wird durch speziell adaptierte Linearbeschleuniger sowie durch stereotaktische Lagerungs- und Positionierungssysteme erreicht. Das stereotaktische Koordinatensystem zur Tumorlokalisation wird durch am Patienten fixierte Marker Systeme oder durch Echtzeitbildgebung am Linearbeschleuniger aufgespannt. Mit Hilfe der stereotaktischen Bestrahlung können zum Beispiel einzelne Hirnmetastasen mit einer Dosis von 20 Gy in nur einer Sitzung abladiert werden.

strahlentherapie visualisierung biolution gmbh
Die moderne Strahlentherapie verwendet Geräte, welche Röntgenstrahlen fokussieren, um die Erbinformation im Tumorgewebe (dunkel) präzise zu schädigen, aber umliegendes Gewebe (hell) zu verschonen. Prinzipiell können gesunde Zellen DNA-Schäden in einem gewissen Umfang reparieren, während Krebszellen aufgrund ihrer unkontrollierten Teilungsrate oft einen programmierten Zelltod einleiten. In die bestrahlte Region wandern Immunzellen (weiß) ein, die das beschädigte Gewebe resorbieren und zum therapeutischen Erfolg beitragen. Visualisierung: biolution gmbh