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Ordensklinikum Linz

Unser Mikrobiom - Nutzen und Risiko

Datum: 03.07.2020

Unsere Darmflora hat beträchtlichen Einfluss auf unsere Gesundheit und auf unser Wohlbefinden. Das Mikrobiom im Darm wirkt sich auf Stoffwechsel und Immunsystem aus,   es kann aber auch zu Entzündungen führen und das Krebsrisiko erhöhen.

In unserem Darm befinden sich drei Kilogramm an Bakterien. Sind diese in Balance, so gilt dies heutzutage für viele als Allheilmittel gegen viele Zivilisationskrankheiten  wie Diabetes, Übergewicht, Allergien, Darmkrebs, Nierensteine, Reizdarm, aber auch Depressionen. Unserem Mikrobiom wird hier immer wieder eine besonders wichtige Rolle als „Gesundmacher“ zugeschrieben. Doch es gibt nicht „DAS“ gute Bakterium für unsere Gesundheit.

Ein zweischneidiges Schwert

Die Wirkung der Darmbakterien kann mitunter sehr unterschiedlich sein. Gut sieht man das etwa am Beispiel von Helicobacter pylori, einem Bakterium, das den menschlichen Magen besiedeln  kann und bei der Hälfte der Bevölkerung vorkommt. Einerseits sei Helicobacter pylori mit den meisten Fällen des Magenkarzinoms assoziierbar, erklärt Dr. Holger Rumpold, Leiter des Viszeralonkologischen Zentrumsam Ordensklinikum Linz, fehle es aber, komme es vermehrt zu saurem Reflux und Speiseröhrenkrebs. „Man kann also nicht sagen, du musst jetzt das Bakterium schlucken, dann geht es dir gut“, so Rumpold.

Direkte und indirekte Effekte

Allein unser Mikrobiom im Darm beeinflusst die unterschiedlichsten Bereiche unseres Körpers. Die Bakterien in unserem Darm verstoffwechseln Teile der Nahrung, die wir zu uns nehmen. Die       daraus entstehenden Stoffwechselprodukte können unter bestimmten Umständen im Darm Entzündungen auslösen, die die Entstehung von Krebs bedingen können. Es kann jedoch auch sein, dass die Stoffwechselprodukte der Bakterien über den Blutkreislauf im Körper verteilt werden. „So kann es sein, dass Östrogene, die man zu sich genommen hat, von bestimmten Bakterien verstoffwechselt werden und schließlich Brustkrebs verursachen“, erklärt Dr. Rumpold. Habe man aber jenen Bakterienstamm nicht, der das Östrogen umwandle, so könne man auch ein          geringeres Brustkrebsrisiko haben“, so Rumpold weiter.

Anwendungen

Auch wenn technische Fortschritte bei den Analyseverfahren der Medizin derzeit neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen, vollständig erforscht ist das Mikrobiom noch nicht. Dennoch gibt es bereits Behandlungsmethoden, von denen Patienten profitieren. „Die Mutter des Bakterientransfers ist die Stuhltransplantation“, so Rumpold. Kommt es etwa durch die Gabe von Antibiotika zu schweren Darmentzündungen, kann man diese – unter speziellen Umständen – durch eine Stuhltransplantation behandeln. Dabei wird mittels einer Magensonde der Stuhl eines gesunden Menschen verdünnt übertragen. Es laufen auch Studien zu diesem Verfahren, wenn Patienten nicht auf eine Immuntherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung ansprechen. Hier kann man das Mikrobiom eines Menschen, der sensibel auf eine solche Therapie reagiert hat, übertragen.

Ernährung als Schlüssel

Um das Mikrobiom im Gleichgewicht zu halten, empfiehlt der Experte eine vielfältige und diverse Ernährung. Zurückhaltend sollte man bei tierischen Proteinen, Fetten und einfachen Zuckern (Fruchtsäfte, Schokolade) sein. Gut sind ballaststoffreiche Lebensmittel (Kohl, Karotten, Hülsenfrüchte), die als Präbiotika den guten Bakterien im Darm als Nahrung dienen. „Wenn man sich unwohl fühlt, dann kann man das ganz einfach probieren. Ein guter Tipp ist auch, einfach mal das Abendessen wegzulassen oder nur etwas Leichtes zu essen, und abends auf Kohlehydrate zu verzichten“, rät Rumpold. Aber auch hier gilt, dass generelle Ratschläge nicht für alle passen und eine individuelle Beratung nicht ersetzen.

Mikrobiom

"Man kann nicht sagen, du musst jetzt das Bakterium schlucken, dann geht es dir gut."
PD Dr. Holger Rumpold