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Ordensklinikum Linz

Statt zur Zigarette greift die Jugend gern zu „Snus“

Datum: 30.05.2020

Studie der Krebshilfe OÖ: Jeder dritte Jugendliche konsumiert Nikotin – nicht immer wird dabei "geraucht".

Jeder dritte Jugendliche, der in Oberösterreich eine höhere Schule besucht, konsumiert regelmäßig Tabak- beziehungsweise Nikotinprodukte, besagt eine aktuelle Studie der Krebshilfe anlässlich des Weltnichtrauchertags am kommenden Sonntag.

Knapp zwei Drittel davon greifen zur konventionellen Zigarette, der Rest raucht Wasserpfeife, E-Zigarette oder führt sich das Nikotin neuerdings mittels "Snus" zu – das sind kleine Nikotinsäckcen, die zwischen Zähne und Oberlippe geschoben werden. Das Nikotin wird dann über die Mundschleimhäute aufgenommen.

"Wir beobachten derzeit einen echten Konsumwandel von Tabak-Nikotinprodukten. Der internationale Trend macht hier vor Österreich leider nicht Halt. Die genannten Innovationen der Tabakindustrie fördern natürlich den Einstieg in die Sucht", erklärt Studienautor Herwig Schinko, Lungenfacharzt und emeritierter Primar am früheren Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Linz.

Keine "gesunde" Alternative

"Die neuen Nikotinprodukte sind für viele Jugendliche ein Ausdruck eines Gruppen-Zugehörigkeitsgefühls. Der Konsum von Snus und Co beginnt als Sozialverhalten und endet mittelfristig in Nikotinabhängigkeit", sagt Schinko, der in den vergangenen Monaten in Kooperation mit dem Linzer Marktforschungsinstitut Spectra 1100 Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren befragt hat.

"Durch das gute Marketing der Unternehmen, die diese rauchlosen Nikotinprodukte vertreiben, entsteht häufig der Eindruck, dass es sich um ,gesunde' Alternativen handelt. Das ist aber nicht der Fall", sagt Matthias Stadler, HNO-Oberarzt am Ordensklinikum Barmherzige Schwestern Linz.

Schaut man sich die darin enthaltenen krebsauslösenden Stoffe – zum Beispiel Benzopyrene, Formaldehyde, Cadmium und Nickel – an, wird schnell klar, dass man nicht sagen kann, Snus sei ungefährlich.

Da die kleinen Nikotinpäckchen am Zahnfleisch platziert werden, könne es hier zu lokalen Reizungen und zur Freisetzung von schädigenden Stoffen kommen.

Als Folgen nennt Oberarzt Stadler Karies, Zahnfleischrückgang, Zahnverlust und im schlimmsten Fall Mundhöhlenkrebs. "Aber auch ein erhöhtes Risiko für Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs kann bestehen", sagt der Mediziner.

Erhöhter Blutdruck als Folge

Zudem könne "Snus-Konsum" zu erhöhtem Blutdruck führen. Auch ein erhöhtes Diabetes-Risiko werde diskutiert. "Hinzu kommen die Gefahren einer Frühgeburt und einer Schwangerschaftsvergiftung", sagt Matthias Stadler und warnt: "Finger weg von Snus – und natürlich auch von Zigaretten."

Quelle: OÖN / Barbara Rohrhofer

OA Dr. Matthias Stadler, HNO