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Ordensklinikum Linz

Power-Nephrologin mit internationaler wissenschaftlicher Vernetzung

Um PatientInnen mit komplexen oder ungewöhnlichen Erkrankungen bestmöglich behandeln zu können, braucht es auch Ärztinnen und Ärzte, die wissenschaftlich tätig sind. Dr. Maria Haller, MSc, MBA ist eine davon.

Die Fachärztin arbeitet an der nephrologischen Abteilung im Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Sie hat nicht nur Medizin studiert, sondern auch einen Master in Epidemiologie an der renommierten US-amerikanischen Elite-Universität in Harvard sowie einen Master of Business Administration an der Wirtschaftsuniversität Wien gemacht. Seit 7 Jahren arbeitet sie an der Erstellung von medizinischen Leitlinien für Patientinnen und Patienten mit Nierenerkrankungen mit. Außerdem leitet sie ein internationales Mentorship-Programm für Jung-NephrologInnen und forscht an der Risikovorhersage zu Lebendnierentransplantationen.

Aufgewachsen im Innviertel zog es Maria Haller schon bald in die Welt hinaus. Zuerst nach Wien, wo sie 2006 ihr Medizinstudium absolvierte. Es folgten 1 ½ Jahre Turnus bei den Barmherzigen Schwestern in Ried sowie seit April 2008 eine Anstellung im Ordensklinikum Linz Elisabethinen. 2010 forschte sie an der Universität Zürich über die Mechanismen von Immusuppressiva und renalem Phosphatverlust, um eine Antwort darauf zu finden, warum über frisch transplantierte Nieren oftmals sehr viel Phosphat verloren geht.
 

Wirtschaftsuni Wien

2012 schloss sie dann ihren Master of Business Adminsitration (MBA)an der Wirtschaftsuniversität Wien in„Health Care Management“ ab und wurde Mitglied bei European Renal Best Practice, jener Arbeitsgruppe, die für die Europäische Nierengesellschaft (ERA) Behandlungsleitlinien für Nierenerkrankungen erstellt. Mit Hilfe dieser wichtigen nephrologischen Gesellschaft machte sie schließlich noch einen Master of Science (MSc) an der School of Public Health der Harvard Universität und hat ein berufsbegleitendes PhD-Studium in Biostatistik an der Medizinischen Universität Wien begonnen, wo sie zu Risikovorhersage bei Lebendnierentransplantationen forscht.

Dr. Haller: „Es ist mir nie um Titel gegangen. Ich war einfach immer schon neugierig, hab immer schon gern gelernt und wollte unbedingt auch eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung. Die Europäische Nierengesellschaft hat damals junge NephrologInnen gesucht, die bereit waren, neben ihrer klinischen Ausbildung, zusätzlich wissenschaftliche Methoden zur systematischen Zusammenfassung und kritischen Bewertung von medizinischen Studien für evidenz-basierte Leitlinien zu erlernen. Und das war genau das, wonach ich gesucht hatte. Ich musste mich für ein Fellowship bei der Europäischen Nierengesellschaft bewerben – das ist ein Stipendium für Akademiker und nachdem ich dieses Stipendium als eine von vielen BewerberInnen aus Europa erhalten habe, habe ich dann über einen Zeitraum von vier Jahren neben meinen beiden Baby-Karenzen, einen  Master in Epidemiologie an der Harvard Universität gemacht und an mehreren europäischen Leitlinien für Nierenerkrankungen mitgewirkt.

Ich war in dieser Zeit über mehrere Jahre regelmäßig in den USA. Circa 3 bis 8 Wochen pro Jahr. Das Längste waren 2 ½ Monate am Stück. Ein Jahr nach der Geburt unserer ersten Tochter mit Baby und meinem Ehemann, gemeinsam im Studentenheim an der Harvard Uni. Mein Mann hat damals die Betreuung für unsere Tochter übernommen und die beiden haben einen wundervollen Sommer in Boston erlebt, während ich studiert hab. Es ist eine wundervolle Summerschool mit ausgezeichnetem Unterricht. Es war eine sehr intensive und arbeitsreiche Zeit, eine echte Knochenarbeit, aber es hat sich voll ausgezahlt und war eine tolle Erfahrung für uns alle.“

Im Rahmen ihres Stipendiums arbeitete Maria Haller dann auch noch sieben Monate in der Nieren und Transplant-Fachgruppe in Sydney bei Cochrane. „Cochrane ist ein weltweites unabhängiges Netzwerk von WissenschafterInnen, wo man von den Besten  lernt, wie man systematische Übersichtsarbeiten – sog. systematic reviews – zur kritischen Bewertung von medizinischen Therapien erstellt, aktuell hält, für die Leser verständlich aufbereitet und veröffentlicht“, so Haller.
 

Mitarbeit bei ERBP Leitlinien

Das Wissen, das sich die engagierte Jungmedizinerin dort aneignete, konnte sie auch unmittelbar bei zahlreichen  Leitlinien für die Europäische Nierengesellschaft bei ERBP einbringen. ERBP veröffentlicht evidenz-basierte Leitlinien für klinische Diagnosen und Behandlungen von PatientInnen mit Nierenerkrankungen. Diese Leitlinien bieten europäischen NierenfachärztInnen viele nützliche Empfehlungen im Umgang mit verschiedensten Diagnosen und Behandlungsformen sowie eine übersichtliche und kritische Darstellung aller Studien, die es zu den jeweiligen Themen gibt.

Dr. Maria Haller

Dr. Haller: „Bereits am Anfang meines Stipendiums, also 2012, habe ich gemeinsam mit einer speziellen Arbeitsgruppe intensiv daran mit gearbeitet. Wir haben zum Beispiel Patientinnen und Patienten, sowie health-care professionals – also ÄrztInnen, Schwestern und Pfleger, ChirurgInnen und RadiologInnen – in ganz Europa befragt, welche Themen als wichtig erachtet und daher in der Guideline abgebildet werden sollten. ERBP legt sehr viel Wert darauf, PatientInnen an der Erstellung von Leitlinien zu beteiligen und vor allem auf Themen Rücksicht zu nehmen, die für Betroffene entscheidend sind. Eine weitere wichtige und ebenso aufwendige Aufgabe von mir war es, dann das Grundgerüst für circa 20 Kapitel dieser Leitlinie, im Sinne eines systematischen Literaturüberblicks zu erstellen und diese dann strikten methodischen Richtlinien zu begleiten.“


Abschluss Harvard  Studium

2017 hat die Power-Nephrologin dann ihr Harvard-Studium abgeschlossen. Seither ist Maria Haller in doppelter Funktion für die Europäische Nierengesellschaft ERA-EDTA tätig. So arbeitet sie einerseits weiterhin für ERBP an den europäischen Leitlinien mit – mittlerweile als Mitglied des Advisory Boards (ein Fachbeirat von ERBP). In dieser Rolle plant sie auch zukünftige Projekte und hilft bei deren Umsetzung mit.

Zusätzlich setzt sich Dr. Maria Haller als Mitglied eines internationalen Teams der Young Nephrologists’s Platform (YMP) für die Interessen junger NephrologInnenein ein, indem sie z. B. Fortbildungskurse für ihre Mitglieder organisiert und ein Mentorship-Programm leitet, das junge, ambitionierte NephrologInnen mit erfahrenen KollegInnen zusammenbringt. Damit sollen diese ihre medizinische Fertigkeiten im Rahmen von Gastaufenthalten in anderen Krankenhäusern erwerben können, Hilfe bei der Formulierung von Forschungsfragen erhalten oder sich zu Vereinbarkeit von  Beruf und Familie  austauschen können.

 

Nähere Informationen:

Nephrologie