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Ordensklinikum Linz

Ösophaguszentrum: erweiterte minimalinvasive Speisenröhrenchirurgie

Datum: 11.08.2022

In Österreich erfolgt die Diagnosestellung Ösophaguskarzinom oft erst in fortgeschrittenen Stadien, was mit einer schlechten Prognose verbunden ist. Grund dafür ist, dass die Erkrankung häufig lange symptomlos verläuft. „Die wichtigsten Symptome sind Dysphagie und Appetitlosigkeit, verbunden mit ungewolltem Gewichtsverlust, häufige Nausea und postprandiale Emesis sowie ein allgemeiner Leistungsknick als indirekter Hinweis auf eine Tumorerkrankung“, erklärt OA Dr. Jürgen Huber, Leiter des Ösophaguszentrums am Ordensklinikum Linz. Bei diesen Symptomen ist eine Überweisung in eine Spezialambulanz ratsam. „Bei Verdacht auf eine Erkrankung mit Speiseröhrenkrebs bieten wir eine sofortige vollumfängliche stationäre Abklärung an und können den Patient*innen somit die Zeit der Ungewissheit wesentlich verkürzen“, erläutert OA Huber.

 

Therapie des Ösophaguskarzinoms

Bei Frühkarzinomen (meist Zufallsbefunde) ist es häufig noch möglich, den Tumor mittels endoskopischer Methoden, bspw. via endoskopischer Submukosadissektion (ESD), zu entfernen und eine Operation zu vermeiden. Ist die Behandlung erfolgreich, so ist dies das schonendste Verfahren. In weiter fortgeschrittenen Stadien ist fast immer eine Kombination aus Bestrahlung, Chemotherapie und Operation notwendig. „Welche neoadjuvanten strahlen- bzw. chemotherapeutischen Methoden vor einer Operation zum Einsatz kommen, hängt vom histologischen Tumortyp und vom Krankheitsstadium ab. Die neoadjuvante Radiochemotherapie gilt mittlerweile als Standard in der multimodalen Therapie des lokal fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinoms. Beim Adenokarzinom, sofern es kein Frühkarzinom und somit lokal sanierbar ist, wird eine perioperative Chemotherapie im Rahmen der multimodalen Therapie durchgeführt“, erläutert Prim. Prof. Dr. Matthias Biebl, Vorstand der Chirurgie-Abteilungen an den Standorten Barmherzige Schwestern und Elisabethinen des Ordensklinikum Linz.

 

Schonende, minimalinvasive Operation

Bei der chirurgischen Resektion wird stets versucht, das chirurgische Zugangstrauma so gering wie möglich zu halten. „In den letzten beiden Jahren wurde bereits der abdominelle Part standardmäßig in laparoskopischer Technik ausgeführt, der thorakale Part aber noch konventionell offen operiert. Um das Trauma noch weiter zu verringern, führen wir ab heuer die gesamte Operation komplett minimalinvasiv durch. Im Moment wird zunehmend auch ein komplett robotischer Zugang für die Speiseröhrenoperation propagiert. Durch meinen Wechsel aus Berlin, wo ich diese Technik seit vier Jahren durchgeführt habe, wird dieser Zugang zukünftig auch hier im Ordensklinikum Linz angeboten“, kündigt Prof. Biebl an. Die Reduktion des Zugangstraumas verringert immer die postoperativen Schmerzen und ermöglicht so eine frühzeitige Mobilisierung. Dadurch werden Probleme reduziert, die durch die Bettlägerigkeit nach langen operativen Eingriffen entstehen können. Speziell beim Speiseröhrenkarzinom ist der wichtigste Unterschied zwischen minimalinvasiver Ösophagektomie und offener OP, dass bei minimalinvasiver Operationstechnik die Rate der postoperativen Lungenentzündungen um zwei Drittel gesenkt werden kann. In Kombination mit weiteren Maßnahmen im Rahmen sogenannter ERAS-Konzepte (Enhanced Recovery After Surgery) sind eine schnellere Erholung, eine Senkung der Morbiditäts- und Mortalitätsrate und eine frühere Entlassung möglich. „Wenn man die Lebenserwartung der Betroffenen betrachtet, so kann man die heutzutage als Standard geltende multimodale Therapie – also nicht mehr nur die Operation allein – als ‚Gamechanger‘ bezeichnen. Die Langzeitprognose hat sich dadurch wesentlich verbessert“, so OA Huber.

Das Versorgungsangebot und die -qualität sollen noch weiter verbessert werden. Die Thoraxchirurgie ist bestrebt, immer minimalinvasiver zu agieren. Ein neuer Meilenstein in der minimalinvasiven Lungenchirurgie ist der Einsatz des da-Vinci-Roboters am Ordensklinikum Linz Elisabethinen. „Weiters verwenden wir digitale Drainagesysteme, um die Patient*innen möglichst früh zu entlasten und einer Rehabilitation zuführen zu können“, sagt OA Krause.

OA Dr. Jürgen Huber, Leiter des Ösophaguszentrums

 

OA Dr. Jürgen Huber, Leiter des Ösophaguszentrum

 

Wie sieht die Nachsorge aus?

Grundsätzlich existieren keine prospektiv-randomisierten Daten, welche eine standardisierte Nachsorge empfehlen. „Jedoch erachten wir regelmäßige klinische Verlaufskontrollen zur Überwachung therapiebedingter Beschwerden und vor allem zur frühzeitigen Diagnose eines Rezidivs für absolut sinnvoll und in einem ‚High-Volume-Zentrum‘ auch für notwendig“, erläutert OA Huber. Daher werden die Patienten insgesamt fünf Jahre lang nachkontrolliert. In den ersten zwei Jahren erfolgt alle drei Monate eine klinisch-physikalische Untersuchung, anschließend alle sechs Monate für weitere drei Jahre. Einmal pro Jahr ist zusätzlich eine CT des Körperstammes inklusive Gastroskopie vorgesehen.

 

Rezidive verhindern

Die Radiochemotherapie hat im adjuvanten Setting heutzutage keinen Stellenwert mehr, im Gegensatz zum neoadjuvanten. Hier gilt sie als Standard beim Plattenepithelkarzinom und kann auch in ausgewählten Situationen beim Adenokarzinom zum Einsatz kommen. „Die Immuntherapie ist beim Ösophaguskarzinom aktuell dann angezeigt, wenn das histologische Präparat nach neoadjuvanter Radiochemotherapie und anschließender Operation noch vitale Tumorzellen aufweist. Da die Immuntherapie eine sehr junge Behandlungsform darstellt, ist es noch nicht abzuschätzen, wie stark sie die Therapie und somit die Prognose des Ösophaguskarzinoms in Zukunft beeinflussen wird“, erklärt OA Huber abschließend. 

 

Das Ösophaguszentrum stellt sich vor:

Patient*innen mit Speiseröhrenkrebs benötigen in der Regel eine besonders ausgefeilte Spezialbehandlung, die sich vor allem nach dem Tumorstadium richtet. Dabei spielt die zeitliche Abfolge der Behandlungsschritte eine große Rolle. Für ein optimales Behandlungsergebnis sollte die Therapie daher nur an entsprechend qualifizierten Zentren erfolgen, die im Rahmen einer jährlichen Zertifizierung verpflichtet sind, einen definierten Qualitätsanspruch zu erfüllen. Diese geforderte Behandlungsqualität ist nur in einem gut funktionierenden interdisziplinären Setting mit optimierter medizinischer Infrastruktur wie im Ordensklinikum Linz zu schaffen.

 

Hinweis für Zuweiser*innen:

Die Zuweisung ist ganz einfach über die chirurgische Spezialambulanz im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern möglich:

Jeden Dienstag von 13.00 – 15.00 Uhr

Tel. Terminvereinbarung unter: 0732 7677 - 7250

Ansprechpartner: OA Dr. Jürgen Huber

(DW Barmherzige Schwestern: 4570, DW Elisabethinen: 4718)

 

Speiseröhrenzentrum Ordensklinikum Linz:

Seilerstätte 4, 4010 Linz

Tel. Terminvereinbarung: Mo – Fr, 10.00 – 12.00 Uhr

unter: 0732 7677 - 7250

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