Im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, wurde mit der Einführung des Fast-Track-Programms periTRACK das perioperative Management im Bereich der Darmchirurgie optimiert. Das Programm stellt die patientenzentrierte Betreuung in den Mittelpunkt und fördert die rasche Rehabilitation nach einer Operation.
Im Dezember 2024 startete die Planungsphase des multimodalen Behandlungs- und Genesungsprogramms periTRACK im Bereich der kolorektalen Chirurgie. OÄ Dr.in Claudia Bartsch, Abteilung für Chirurgie, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, erklärt: „Ziel des evidenzbasierten Behandlungskonzepts ist es, dass Patient*innen nach Darmoperationen sich schneller erholen, weniger postoperative Komplikationen haben und kürzer im Krankenhaus sind.“ Mit externer Unterstützung hat das multiprofessionelle Team, bestehend aus Ärzt*innen und Pflegepersonal der Chirurgie, Pflegeexpert*innen, Anästhesie und Physikalischen Medizin sowie der Diätologie, maßgeschneiderte Behandlungspfade für Patient*innen mit geplanten kolorektalen Eingriffen entwickelt.
Zahlreiche Maßnahmen
OA Dr. Thomas Saini, Leiter des Darm-Gesundheitszentrums, erläutert: „Das Programm umfasst unterschiedliche Parameter zur Optimierung des Behandlungsverlaufs. Dazu gehören z. B. Maßnahmen zur Förderung der Mobilität und Selbstständigkeit, die Verbesserung des Ernährungsstatus, die frühzeitige Entfernung oder Vermeidung von medizinischen Zugängen sowie die orale anstelle von parenteraler Medikation. Zur Kontrolle der Adhärenz werden diese und andere Parameter systematisch in einer Datenbank erfasst und ausgewertet.“ In das periTRACK-Programm werden alle Patient*innen eingeschlossen, bei denen aufgrund einer Darmerkrankung ein operativer Eingriff vorgesehen ist – unabhängig davon, ob der Eingriff minimalinvasiv oder konventionell durchgeführt wird. OÄ Bartsch betont: „Das periTRACK-Programm ist auch für Patient*innen mit Komorbiditäten geeignet. Besonders ältere und vorerkrankte Patient*innen profitieren von der gezielten Vorbereitung auf die Operation.“ Das Durchschnittsalter der bisher behandelten Patient*innen beträgt derzeit 67 Jahre, die ältesten waren 87 Jahre alt.
Ablauf des periTRACK-Programms
Die Patient*innen kommen mit der (Verdachts-)Diagnose Kolon- oder Rektumkarzinom ins Darm-Gesundheitszentrum und werden – sofern erforderlich – weiter abgeklärt. Es folgen wie bisher Staginguntersuchungen und die Vorstellung im interdisziplinären Tumorboard. Sobald eine Therapieentscheidung getroffen wurde, und der operative Eingriff indiziert ist, bekommen die Patient*innen einen Ambulanztermin zur Besprechung der Tumorboard-Empfehlung und der geplanten operativen Therapie.
Neu ist nun die Planung eines All-in-one-Termins. Dieser findet derzeit dienstags im Rahmen der kolorektalen Spezialambulanz statt. Im Rahmen dieses Termins werden die Patient*innen zur präoperativen Vorbereitung bei allen involvierten Berufsgruppen wie Anästhesie, Chirurgie, Physikalische Medizin, Kontinenz- und Stomaberatung und der periTRACK-Pflege vorgestellt. Die Patient*innen werden über den operativen Eingriff aufgeklärt und ausführlich über das periTRACK-Programm informiert. Weiters erlernen die Patient*innen Atem- und Bewegungsübungen und werden mit dem Thema „Stoma“ vertraut gemacht. OÄ Bartsch erklärt: „Ein Stoma ist nur in speziellen Situationen indiziert. Besteht jedoch diese Notwendigkeit, stellt es einen erheblichen Eingriff in den Lebensalltag der Patient*innen dar. Eine frühzeitige Aufklärung über das Stoma und die Beschäftigung mit der möglichen Notwendigkeit haben einen positiven Einfluss auf den postoperativen Umgang der Patient*innen mit dem Stoma. Sie können die Situation besser akzeptieren, dies unterstützt das schnellere Erlernen der Stomaversorgung und fördert die Selbstständigkeit.“

periTRACK-Nurse APN Lisa Katharina Goldschwendt, MSc APN Abteilung für Chirurgie, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, begleitet die Patient*innen durch die Therapie.

OÄ Dr.in Claudia Bartsch, Abteilung für Chirurgie, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern
Als letzter Termin steht ein einstündiges Gespräch mit der speziell ausgebildeten periTRACK-Nurse APN Lisa Katharina Goldschwendt, MSc APN Abteilung für Chirurgie, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, auf dem Programm.
periTRACK-Nurse begleitet die Therapie
APN Goldschwendt ist für die Patient*innen die zentrale Ansprechperson. Beim Erstgespräch am All-in-one-Termin führt sie das pflegerische Anamnesegespräch, erhebt den Ernährungsstatus und klärt die Patient*innen über die Maßnahmen rund um ihren bevorstehenden chirurgischen Eingriff auf. Ziel ist es, die Patient*innen durch gezielte Prähabilitationsmaßnahmen optimal auf die Operation vorzubereiten, sodass sie den Eingriff in bestmöglichem Allgemeinzustand antreten können. Zusätzlich zu persönlichen Gespräch wird eine detaillierte Informationsbroschüre ausgehändigt und erläutert. Diese dient als Wegweiser rund um die Operation. Enthalten sind vorbereitende Maßnahmen für zu Hause, der präoperative Ablauf, Informationen zum Aufenthalt im Aufwachraum, Hinweise über das Verhalten nach der Operation, die Entlassungsziele und Wissenswertes für die Zeit nach der Entlassung. Während des stationären Aufenthalts werden die Patient*innen regelmäßig im Rahmen der Fast-Track-Visite besucht und mitbetreut. 30 Tage nach der Entlassung erfolgt eine telefonische Kontaktaufnahme mit den Patient*innen. Bei diesem Follow-up-Gespräch werden das allgemeine Befinden, der Wundstatus, die Schmerzsituation, das Ess- und Trinkverhalten, das aktuelle Bewegungsausmaß und Details zur Verdauung erhoben. „Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen“, betont OÄ Bartsch. „Die periTRACK-Nurse gibt den Patient*innen viel Sicherheit.“
Rasche Selbstständigkeit gefördert
Peri- und postoperativ wird großer Wert auf rasche Mobilisierung gelegt. OA Saini nennt einige Beispiele: „Intraoperativ setzen wir den TAP- und Subcostal-Block zur Schmerzbehandlung ein.“ Außerdem werden Drainagen zum Flüssigkeitsablauf nur bei strenger Indikation verwendet. „Durch die orale Medikation und die definierten Mobilitätsziele sind die Patient*innen aktiver und verbringen weniger Zeit im Krankenbett“, betont OÄ Bartsch. „Dadurch lassen sich peri- und postoperative Komplikationen wie thromboembolische Ereignisse oder Pneumonie reduzieren und der Verlust von Muskelmasse kann verhindert werden.“ Die Patient*innen sind derzeit zwei Tage kürzer im Spital. Das Ziel ist ein Aufenthalt von vier bis sieben Tagen. OA Saini hält fest: „Es wurden für alle Patient*innen Entlassungsziele definiert. Wenn diese erfüllt sind, können die Patient*innen ab dem vierten postoperativen Tag nach Hause gehen.“ Zuvor war ein Spitalsaufenthalt von sieben bis zu zehn Tagen, mit Stomaanlage oft auch bis zu zwölf Tagen, üblich. OÄ Bartsch betont: „Neben einer kürzeren Aufenthaltsdauer erwarten wir uns eine Entlastung der Pflege und niedrige Komplikationsraten, etwa in Bezug auf einen paralytischen Ileus.“
Neben der Abteilung für Chirurgie läuft das periTRACK-Programm auch bereits an der Abteilung für Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.