Aktuelles

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Ordensklinikum Linz

Neue Behandlungsmethode bei Knorpeldefekten

Datum: 31.01.2024

Am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern setzen die Expert*innen der Orthopädischen Abteilung bei Knorpeldefekten auf das AutoCartTM-Verfahren zur Knorpelregeneration. Nach guten Erfahrungen am Knie- und Ellbogengelenk wurde die Technik nun auch am Schultergelenk erfolgreich eingesetzt.

Die Schulterchirurgie und die Versorgung der oberen Extremitäten, zu denen Schulter, Ellenbogen und Hand gehören, ist einer der Schwerpunkte der orthopädischen Abteilung am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Die Abteilung zeichnet sich durch eine hohe Qualität in der Versorgung von Patient*innen aus und setzt auf innovative Therapien am letzten Stand der Wissenschaft. Erstmals wurde nun ein Knorpeldefekt am Glenoid mit dem AutoCartTM-Verfahren behoben. Dabei wird in den Knorpel autologes Knorpelgewebe transplantiert, das einwächst und die Funktion des betroffenen Gelenks wiederherstellt. Das Knorpelreparatur bzw. -regenerationsverfahren AutoCartTM gibt es seit ca. fünf Jahren am Markt. Prim. Prof. DDr. Reinhold Ortmaier, Leiter der Abteilung für Orthopädie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, berichtet: „Wir setzen diese Therapie seit drei Jahren bei defekten Knorpeln im Knie sehr erfolgreich ein und haben die Methode nun erstmals bei einem Knorpeldefekt im Schultergelenk angewendet. Ein großer Vorteil dieser Technik ist, dass Knorpeldefekte in nur einer einzigen arthroskopischen Operation behandelt werden können. Das ist ein großer Gewinn für die Patient*innen“. Bislang wurden jährlich zwischen 20 und 30 Eingriffe am Knie durchgeführt.


Die AutoCartTM-Methode

AutoCartTM ist eine Weiterentwicklung der sogenannten Knorpelchips- Technik, die es seit den 1980er Jahren gibt. Während des arthoskopischen Eingriffs wird den Patient*innen Blut abgenommen und aus dem Blut mittels ACP-Verfahren das Plasma abgetrennt. Bei der Arthroskopie wird mit einem Gewebekollektor Knorpel außerhalb der Belastungszone entnommen. Die Knorpelfragmente und das Plasma werden zusammengefügt und speziell aufgearbeitet. Der Defekt wird sauber präpariert und anschließend mit der Paste aufgefüllt. In Folge wird es mit Thrombin zum Stabilisieren abdeckt. Der Heilungsprozess setzt ein und die Knorpelmasse verschließt den Schaden.

Nachsorge der Patient*innen

Die ersten vier Wochen nach der Operation wird die Schulter mittels Reschbandage komplett ruhiggestellt. Weder aktive noch passive Bewegung ist in diesem Zeitraum erlaubt. Ab der fünften Woche können die Patient*innen mit Bewegung starten und ab der neunten Woche sollte langsam mit Gewichtsbelastung begonnen werden. Nach 13 Wochen ist der Knorpel so eingeheilt und stabil, dass eine volle sportliche Belastung erlaubt ist.

Indikation für AutoCartTM

Das Verfahren ist vor allem für junge, aktive Patient*innen geeignet. Eine altersbedingte generalisierte Arthrose kann damit nicht behandelt werden. FA Dr. Rittenschober betont: „Bei älteren Patient*innen kann ein Knorpelschaden in einem Gelenk sehr gut mit einer Endoprothese behandelt werden. Das ist ein etabliertes Verfahren mit gutem Outcome.“ Bei jungen Patient*innen ist eine Endoprothese hingegen kontraindiziert. Weiters muss bei der Therapiewahl die Art des Knorpelschadens berücksichtigt werden. FA Dr. Felix Rittenschober erläutert: „Das AutoCartTM-Verfahren eignet sich nicht für jeden Knorpeldefekt. Es kann nur bei einem klar umschriebenen Defekt angewandt werden, der seitlich durch den Knorpel gut stabilisiert ist.“ Diese Art von Knorpelschaden entsteht hauptsächlich bei Traumen oder auch zum Beispiel bei einem Mb. Ahlbäck oder einer Osteochondritis dissecans. Bei einer degenerativen Abnützung des Gelenks ist meist der gesamte Knorpel betroffen und es bildet sich eine Knorpelglatze. In diesen Fällen ist diese Methode nicht geeignet. Ebenso ungeeignet sind Fälle, in denen der Knorpelschaden durch nicht behebbare mechanische Ursachen entsteht, da auch der neu gezüchtete Knorpel schnell wieder verschleißen würde. Bei früheren Verfahren wurden an der Stelle, an der der Knorpel defekt war, kleine Löcher gebohrt, daraufhin kommt es zu Mikroblutungen und ein Regenerat-Gewebe bildet sich. Dieses entspricht aber nicht dem physiologischen Knorpel. FA Rittenschober gibt zu bedenken: „Diese Art von Therapie ist nicht von Dauer und es entwickelt sich eine Arthrose bzw. die bestehende Arthrose schreitet fort.“

 

  

FA Dr. Rittenschober und Primar Orthmaier

Dr. Rittenschober (li.) und Prim. Ortmaier mit dem Arthroskopietower.

 

Fallpräsentation: Frau K, 15 Jahre, Knorpelschaden an der Schulter

Vorgeschichte:
Patientin wird vorstellig mit einem Sportunfall vor einem halben Jahr. Die Patientin berichtet über Ruhe,- Belastungs- und Nachtschmerzen der Schulter. Die Schulter ist frei beweglich. Als Therapie wurde bisher lediglich eine Schmerztherapie mit NSAR etabliert.

Untersuchungsergebnisse:
Im MRT zeigt sich ein klar umschriebener Knorpeldefekt am Glenoid.

Problemstellung:
Bei der Größe des Knorpelschadens und der Klinik der Patientin ergab sich eine klare Behandlungsindikation. Das beschriebene AutoCartTM-Verfahren ist bei unterschiedlichen Indikationen erprobt. Eine Verwendung an der Schulter ist nicht dokumentiert.

Therapie am Ordensklinikum Linz:
•Die Indikation zur Schulterarthroskopie mit AutoCartTM wurde gestellt. Der Defekt wurde arthroskopisch dargestellt und debridiert. 
Körpereigener Knorpel wurde entnommen und analog dem oben beschriebenen AutoCartTM -Verfahren vorbereitet.
Der Defekt wurde getrocknet und dann das vorbereitete Gewebe in den Defekt eingebracht. Am Schluss wurde das Gewebe noch mit Thrombin stabilisiert.

Outcome:
Ein halbes Jahr nach der Operation präsentiert sich die Patientin beschwerdefrei.
 


Kontakt für Zuweiser*innen
Spezialambulanz für Erkrankungen der oberen Extremitäten
Ambulanzzeiten: DO 08.00 bis 15.00 Uhr
Terminvereinbarung von Mo – Fr 12.30 – 15.00 Uhr unter Tel.: 0732 7677-7252
Ansprechpartner: OA Dr. Martin Bischofreiter & FA Dr. Felix Rittenschober
Bitte Überweisung mit exakter Prädiagnostik sowie MRT-Bilder mitgeben.
www.ordensklinikum.at/orthopaedie