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Ordensklinikum Linz

Müdigkeit, Schwäche, Despression: Schilddrüsen-Untersuchung kann helfen

Datum: 15.06.2018

"Bei Patienten, die über Müdigkeit, allgemeine Schwäche, depressive Verstimmung, Konzentrationsstörung und Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund klagen, an eine Unterfunktion der Schilddrüse denken“, sagt die Fachärztin für Nuklearmedizin Dr. Larisa Imamovic vom Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.

Eine Unterfunktion der Schilddrüse, die so genannte Hypothyreose, wird bei Frauen zehn bis fünfzehn Mal häufiger diagnostiziert. Die Nuklearmedizinerin Imamovic sagt: „Sechs bis acht Prozent der Erwachsenen, mit zunehmendem Alter mehr, leiden daran. Ein bis zwei Prozent davon haben eine Autoimmunerkrankung, genannt Hashimoto Thyreoiditis, eine langsame Zerstörung von Schilddrüsengewebe, die durch eine Entzündung verursacht ist, und zur Unterfunktion führt.“

Das schmetterlingsförmige Organ in unserem Hals ist der Motor unseres Stoffwechsels. Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodtyronin (T3), welche diverse Stoffwechsel-, Wachstums- und Entwicklungsprozesse beeinflussen. Die Regulation der Ausschüttung dieser Hormone passiert im Hypothalamus und der Hypophyse über das Hormon TSH (schilddrüsenstimulierendes Hormon). Werden viele Schilddrüsenhormone gebraucht, steigt das TSH an. Man spricht von euthyreoten Stoffwechsellage, wenn sich genügend T4 und T3 im Blut befinden, und der TSH-Wert im Normbereich liegt.

Labor und Ultraschall zur Diagnose

Wenn das TSH über den Normwert ansteigt, werden von der Schilddrüse zu wenige Hormone gebildet. Daher zeigt der überhöhte TSH-Wert eine sich entwickelnde Schilddrüsenunter- funktion an. Sind die Werte für T4 und T3 noch in der Norm und ist lediglich der TSH-Wert erhöht, spricht man von einer subklinischen oder latenten Unterfunktion. Wenn auch diese Werte sinken, hat man es mit einer manifesten Hypothyreose zu tun.

Besteht der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung, helfen die Werte der zwei Antikörper TAK und TPO, diese zu bestimmen. „Neben Labor und Ultraschall ist die Szintigraphie-Untersuchung ein Diagnoseinstrument. Mit letzterer Methode lassen sich heiße oder kalte Knoten in der Schilddrüse differenzieren“, erklärt Dr. Imamovic.

Schilddrüsenzentrum

Eine Unterfunktion kann angeboren sein, etwa wenn die Schulddrüse verkümmert angelegt ist oder sich nicht weiterentwickelt hat (Schilddrüsenhypoplasie) oder wenn zum Beispiel durch einen Jodmangel, eine unbehandelte Unterfunktion der Mutter in der Schwangerschaft oder durch eine thyreostatische Medikation die Schilddrüse des Ungeborenen geschädigt wird. Im überwiegenden Fall ist die Hypothyreose aber erworben.

Therapie

Mitentscheidend für die Therapie ist neben den Untersuchungsergebnissen der subjektive Leidensdruck. „Auch wenn noch genügend Hormone produziert werden, man im Ultraschall und laborchemisch aber schon eine Entzündung zu erkennen ist, und der Patient, die Patientin in ihrem Alltag beeinträchtigt und müde ist, werden schon Medikamente verordnet. Bald fühlen sich die Betroffenen den Anforderungen wieder gewachsen und leistungsstark“, sagt Oberärztin Imamovic.

Die Behandlung ist eine Substitutionstherapie, das heißt, dass fehlende Schilddrüsenhormone medikamentös ersetzt werden. Die Einnahme erfolgt unter Kontrolle meist ein Leben lang. Meist wird Levothyroxin, das wie körpereigenes T4 wirkt, gegeben. Der Körper kann es in T3 umwandeln. Hat er diese Fähigkeit nicht, werden Kombipräparate verordnet, die T4 und T3 ersetzen. Die Therapie ist nebenwirkungsarm. „Manche Patienten berichten über Heißhungerattacken, vornehmlich bei der Einnahme eines Kombimedikamentes“, sagt die Fachärztin.

Bei guter Einstellung wird ein Mal jährlich kontrolliert, ob die Dosierung noch passt. Bei einer Hashimoto thyreoiditis soll zusätzlich kein Jod zugeführt werden, weil das die Situation eher verschlimmert.

Zum Beitrag von Mag. Christine Radmayr, OÖN vom 15.06.2018