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Ordensklinikum Linz

Mit Schnarchern im Bett - Was hilft gegen das Lärmdrama?

In der einen Betthälfte werden ganze Wälder zersägt, in der anderen sehnt jemand verzweifelt den Schlaf herbei. Schnarchen ist auch in den besten Beziehungen ein heftiger Stressfaktor für die betroffenen Partner. Wie entsteht es, ist es gefährlich und was kann man dagegen tun?  Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian, Leiter der HNO und des Kopf-Hals-Tumorzentrums am Ordensklinikum Linz, beantwortet häufig gestellte Fragen.

Prof. Burian, in wie vielen von zehn Betten spielt sich oben beschriebenes Szenario ab?

Die statistischen Angaben variieren stark. Unterm Strich könnte man sagen, dass etwa 60 % der Männer und 40 % der Frauen schnarchen.

Wie entsteht Schnarchen eigentlich und wodurch wird es beeinflusst?

Das Schnarchgeräusch entsteht durch einen Teil der Rachenwand, die durch das Ansaugen der Atemluft in Schwingungen versetzt wird. Lautstärke und Frequenz werden durch individuelle körperliche Voraussetzungen beeinflusst. So wirken ein enger Rachenschlauch, ein großer Zungengrund, ein kurzer Unterkieferknochen, aber auch Übergewicht schnarchfördernd.

Ist Schnarchen  schädlich oder ist es primär Terror für den Bettnachbarn?

Das sogenannte soziale Schnarchen stellt keine gesundheitliche Gefährdung für den Schnarcher, oft aber eine quälende Belästigung für den Bettnachbarn dar. Im Gegensatz dazu erleiden Menschen bei sogenannten obstruktiven Schlafapnoe Atemaussetzer im Schlaf. Kennzeichnend ist, dass das Schnarchen hier besonders laut und unregelmäßig ist. Schlafapnoe schränkt die  Lebensqualität durch Tagesmüdigkeit ein und kann langfristig zu gesundheitlichen Schäden führen.

Wie kann schnarchenden Erwachsenen geholfen werden?

Deutlich Übergewichtige sollten primär abnehmen. Konservativ gibt es viele Möglichkeiten positiver Beeinflussung. Etwa durch spezielle Kissen, die Rückenlage im Schlaf unterbinden. Das verhindert das Zurückfallen des Zungengrundes und reduziert so das Schnarchen an sich und das damit verbundene Geräusch. Verzicht auf Alkohol und große Speisemengen vor dem Schlafengehen wirken sich ebenfalls positiv aus. Operativ kann je nach HNO-Status und Patientenwunsch  die Korrektur einer Nasenscheidewandverkrümmung, die Entfernung noch vorhandener Gaumenmandeln, die Straffung des Gaumensegels oder die Reduktion des Zungengrundes zu einer Verbesserung des Schnarchens beitragen.

Was tun bei Schlafapnoe?

Über die Risiken einer unbehandelten Schlafapnoe muss unbedingt aufgeklärt werden. Hier bietet nächtliche Sauerstoffmaskenbeatmung eine adäquate Alternative. Ob diese nun vom Patienten toleriert wird oder dieser einen chirurgischer Eingriff vorzieht, muss im Einzelfall entschieden werden. Als Alternative für Patienten, die eine Sauerstoffmaske wegen Schlafapnoe benötigen, gibt es seit etwa drei Jahren die Zungennervstimulationselektrode. Das auch als Schnarchschrittmacher bezeichnete Gerät wird ähnlich einem Herzschrittmacher implantiert und führt zu minimalen, praktisch nicht bemerkbaren Kontraktionen des Zungengrundes, sodass der Atemweg offen bleibt und weniger Apnoephasen auftreten. Diese Technik ist aktuell noch nicht für das soziale Schnarchen gedacht, sondern nur für einen gewissen Teil von Schlafapnoepatienten.

HNO Burian

Müssen sich Eltern schnarchender Kinder Sorgen machen?

Schnarchen bei Kindern durch übergroße Rachendach- oder Gaumenmandeln ist an sich ungefährlich. Jedoch gibt es aufgrund dieser Befunde auch ein kindliches Schlafapnoesyndrom, das vermehrter Tagesmüdigkeit und Unkonzentriertheit bewirkt. Operationsindikationen sind Atemaussetzer während des Schlafes, Schluckschwierigkeiten aufgrund stark vergrößerter Gaumenmandeln sowie Sekundärkomplikationen, wie etwa ein Mittelohrerguss, der zu einer Hörstörung führt.  Eine ausführliche Abklärung beim HNO-Arzt ist beim Auftreten der genannten Symptome auf jeden Fall anzuraten.

Nähere Informationen:

 

Veranstaltungstipp: Tag des Schlafes

Vortrag Prim. Martin Burian & Prim. Josef Bolitschek "Hilfe, mein Partner schnarcht!"
 


"Schnarchen ist kein Schicksal, es gibt viele Therapiemöglichkeiten."
Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Burian