Aktuelles

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Ordensklinikum Linz

Meine Brust nach dem Krebs

Datum: 10.10.2018

Die Diagnose Brustkrebs ist ein schwerer Einschnitt in die Lebenssituation einer Frau und ihres gesamten Umfeldes. Derzeit erkrankt eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens daran. Diese Diagnose und der damit einhergehende teilweise oder vollständige Verlust einer Brust ist neben der nötigen Akuttherapie dieser heimtückischen Krankheit eine traumatische Erfahrung. 

Individuelle Beratung

Obwohl bei der operativen Entfernung des Tumors Großteils brusterhaltend operiert werden kann, bedeutet das nicht, dass keine Narben oder Formveränderungen der Brust auftreten. Das kann für die Patientinnen sehr belastend sein. In den meisten Fällen ist nach einer brusterhaltenden Operation auch eine Bestrahlung notwendig, die ebenfalls zu einer Veränderung der Brustform führen kann. Daher sind Spezialisten der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie bei der interdisziplinären Therapie im Brustkompetenzzentrum des Ordensklinikum Linz von Anfang an bei den sogenannten Tumorboards mit dabei, um schon in der Planungsphase der Behandlung die nötigen Vorabmaßnahmen für die pastische Brustrekonstruktion zu vereinbaren. "Einer der Schwerpunkte unserer Abteilung liegt auf der Mitbehandlung von Brustkrebs. Die Plastische Chirurgie ist auf die Rekonstruktion der weiblichen Brust nach einer Krebsoperation spezialisiert und jede Patientin wird von uns individuell in unserem Zentrm beraten", sagt OÖ Dr. Klaudia Knerl, stellvertretende Vorständin der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. 

Je nach Krankheitsbild und gewählter Therapie erfolgt bei der Tumoroperation eine Sofortrekonstruktion oder erst nach Beendigung aller Maßnahmen wie Chemotherapie oder Bestrahlung eine Sekundärrekonstruktion. 

Planung im Tumorboard

Um jede Patientin bestmöglich zu behandeln, wird in Tumorboards individuell das optimale Prozedere diskuktiert und so die Entscheidungsfindung intensiv unterstützt. Onkoplastische Operationen bewähren sich zur Wiederherstellung einer optisch ansprechenden Brust bei Teilamputationen, um Deformierungen und Dellen sowie narbige Verziehungen zu vermeiden. Bei vollständiger Brustentfernung werden Implantate, körpereigenes Gewebe oder beides kombiniert eingesetzt. 

Ansprechende Ergebnisse

Oft wird mithilfe von Haut- bzw. Unterfettgewebe, das an unauffälligen Stellen an Unterbauch, Oberschenkel oder Gesäß entnommen wird, eine sehr ansprechende Brust aufgebaut. Mikrochirurgische Techniken gewährleisten die Gewebedurchblutung im Empfängerareal. Alternativ gelingt der Wiederaufau auch mit einer Kombination aus flächigem Rückenmuskel und Implantat oder einem alleinigen Implantat. Die lokalen Gegebenheiten müssen aber eine ausreichende Haut- bzw. Weichteilbedeckung ermöglichen. Verbliebene kleinere kosmetische Probleme werden später gemeinsam mit der Rekonstruktion des Warzenhofkomplexes mittels Lipofilling korrigiert. 

Brustrekonstrution

Etablierte Verfahren der Brustrekonstruktion:

Wiederherstellung durch Gewebe vom Rücken mit/ohne Implantat:

Bei dieser Methode wird der Latissimus dorsi Rückenmuskel nach vorne geschwenkt. Je nach gewünschter Größe der Brust kann der Muskel alleine oder in Kombination mit einem Implantat verwendet werden.

Vorteil:

  • relativ kurze Operationsdauer
  • sicherer Eingriff (keine Gefährdung der Gefäßversorgung)
  • bei einer kleinen Brust ist kein Implantat erforderlich

Nachteil:

  • Narbe am Rücken (Hebedefekt)

 

Wiederherstellung  mit Implantat:

Nach Entfernen der Brust wird das Implantat als Füllmaterial unter den Brustmuskel gelegt. Ist zu wenig Haut vorhanden (wie z.B. bei einer Spätrekonstruktion) kann die Haut durch eine befüllbare Prothese bis zur gewünschten Größe gedehnt werden.

Vorteil:

  • Kurzer Eingriff
  • Keine zusätzlichen Narben
  • Rasche Rehabilitation

Nachteil:

  • Fremdkörperreaktion mit Kapselverhärtung
  • Prothesenaustausch, Folgeoperationen

 

Wiederherstellung mit Eigengewebe:

Hier wird Gewebe vom Bauch oder Oberschenkel frei transferiert und an Gefäßen des Brustkorbs mikrochirurgisch angeschlossen. Der Hebedefekt wird im Sinne einer Straffungsoperation verschlossen.

Vorteil:

  • Verwendung von Eigengewebe
  • Bauch bzw. Oberschenkelstraffung

Nachteil:

  • technisch schwieriger Eingriff (lange Operationsdauer)
  • durch Durchtrennung der Durchblutung zum freien Transfer des Gewebes kann es zu einem Absterben desselben kommen.