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Ordensklinikum Linz

Leben mit dem Tod

Der würdevolle Umgang mit Toten ist sein tägliches Geschäft. Schon seit seiner Kindheit ist der gebürtige Mühlviertler – eine Forschernatur – fasziniert vom Innenleben tierischer und menschlicher Körper.

Aufgewachsen auf einem Bauernhof in St. Peter am Wimberg mit einer Milch- und Viehwirtschaft von über 40 Rindern durfte er völlig wertfrei und neutral lernen, wie Tiere getötet und für den Fleischverkauf zerlegt werden. Berührungsängste mit toten Körpern kennt er daher keine. Im Gegenteil: die Faszination für das Innenleben tierischer Organismen wuchs weiter. „Wenn ich tote Tiere gefunden habe, hab ich sie oft auf meinem Gepäckträger am Fahrrad mitgenommen, zuhause aufgeschnitten und reingeschaut. Es hat mich immer schon sehr interessiert, was sich hinter den Dingen verbirgt und warum die Sachen so sind, wie sie sind. Darüber hinaus verbrachte ich viel Zeit bei einem Großonkel, der im Ort ein Bestattungsinstitut führte. Auch der Umgang mit dem Tod von Menschen ist daher für mich nichts Ungewöhnliches.

Als Erwin älter wurde, begann er eine Lehre als Fleischer. Denn vielleicht, so der Hintergedanke der Eltern, würde er ja einmal den Hof übernehmen und dann käme ihm dieses Know-how zugute. Doch schon während der Lehrzeit erkannte er, dass ihm diese Tätigkeit zu einseitig ist. "Deshalb habe ich dann acht Jahre lang bei der Linz AG als Bestatter gearbeitet. Dort bin ich auch mit dem Beruf des Pathologie-Assistenten in Berührung gekommen. Hier schloss sich für mich der Kreis. 2004 begann ich daher noch eine Ausbildung zum Prosekturgehilfen (heute Obduktions-Assistenten), um in diesem Bereich zu arbeiten.

„Die Arbeit als Obduktions-Assistent ist für viele Menschen sehr belastend, aber ich kann gut damit umgehen, auch wenn die Geruchsbelastung nicht immer ganz ohne ist“. Ich leide weder an Albträumen noch an Ekel. Wichtig ist, dass man einen gesunden emotionalen Abstand zu den Verstorbenen und den Angehörigen behält. Dass man sich nicht zu sehr mit den Lebensgeschichten bzw. Schicksalen der Menschen beschäftigt. Denn dann beginnt man mitzufühlen und dann wird der Beruf sehr belastend.“

Erwin K. ist deshalb sehr froh, dass die Verabschiedungen am Ordensklinikum noch von den Ordensschwestern gemacht werden. „In anderen Krankenhäusern müssen das die Obduktionsassistenten mitmachen. Das ist eine immense Herausforderung, vor allem wenn zum Beispiel zehn Menschen gleichzeitig in Tränen ausbrechen.“

Obduktions-AssistentInnen sind zuständig für die Öffnung menschlicher Körper und der Organentnahme, damit die PathologInnen Klarheit über die Todesursache des verstorbenen Menschen gewinnen können. Nach der Obduktion werden alle Organe wieder zurück in den Körper gelegt und zugenäht und die Verstorbenen für die Übernahme durch einen Bestatter oder die Aufbahrung im Nebenraum angezogen. Erwin K.: „Zum Schluss wasche ich den Toten noch das Gesicht und bürste die Haare. Denn auch für den letzten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“

Erwin K. hat am Ordensklinikum Linz Elisabethinen in der Prosektur, einem Teil der pathologischen Abteilung, seinen idealen Arbeitsplatz gefunden. Er arbeitet hier seit 2009. „Meine durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 30 Stunden. Im Vergleich zur Bestattung kann ich sie mir hier sehr gut selber einteilen und muss nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken. Die Zusammenarbeit mit den Pathologinnen und Pathologen ist sehr unkompliziert und funktioniert sehr gut. Wir sind ein sehr gutes Team.“

Erwin K.

Auch privat sucht die Forscher- und Frohnatur das Abenteuer im Großen, meist in Form von tagelangen kilometerweiten Wanderungen mit Freunden in den Bergen. Auch hier gerät er ins Staunen über die Vielfalt und Fülle des Lebens, die diese Welt hervorgebracht hat.

 

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Pathologie