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Ordensklinikum Linz

Hinter Gelenkschmerzen bei Kindern kann Rheuma stecken

Datum: 21.10.2020

Wenn Kinder über Gelenksschmerzen oder -schwellungen klagen, sollten Eltern am besten schnell einen Arzt kontaktieren.

Die ersten Anzeichen können ganz unterschiedlich sein. Ein Kleinkind möchte plötzlich wieder getragen werden, hinkt gelegentlich oder bewegt sich nur noch ungern. Eine Volksschülerin klagt über Schmerzen in den Fingern oder Knien. Manchmal sind auch die Augen entzündet. Ein typischer Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung sind geschwollene, gerötete und überwärmte Gelenke mit eingeschränkter Beweglichkeit.

"Je kleiner die Kinder sind, desto unspezifischer können die Symptome sein", sagt Kinderärztin Hildrun Jarz-Lackner, die sich im Ordensklinikum Barmherzige Schwestern in Linz auf kindliches Rheuma spezialisiert hat und in einer eigenen Ambulanz betroffene Kinder und Jugendliche betreut.

"Rheuma im Kindesalter kann genetisch veranlagt sein. Aber auch verschiedene Umweltfaktoren wie Infektionen oder Verletzungen können eine Fehlreaktion des Immunsystems auslösen. Dabei richtet sich dann die Abwehr gegen körpereigenes Gewebe", erklärt die Medizinerin, die immer wieder erlebt, dass Menschen meinen, dass "Rheuma doch nur etwas ist, was die Oma hat".

Dass das nicht so ist, beweist die Statistik: Ein bis zwei von 1000 Kindern erkranken daran. Mädchen sind häufiger betroffen als Buben. Am häufigsten tritt Gelenkrheuma auf, eine chronische Gelenkentzündung, in der Fachsprache bezeichnet als "juvenile idiopathische Arthritis" – kurz "JIA".

"Wenn Kinder über Gelenksschmerzen oder -schwellungen klagen, sollten Eltern immer einen Arzt aufsuchen. Dieser wird beim geringsten Verdacht in die Rheuma-Ambulanz überweisen. Die Diagnose ergibt sich aus Laborwerten und Ultraschalluntersuchungen. "Ziel der Therapie ist es dann, Gelenkentzündungen und Bewegungseinschränkungen schnellstmöglich zu beheben, damit es nicht zu bleibenden Schäden an Gelenken oder Organen kommt", sagt Kinderärztin Hildrun Jarz-Lackner.

Hilfreiche Physiotherapie

Wichtig dabei sei die medikamentöse Behandlung. "Es werden anfangs antientzündliche Substanzen verabreicht. Manchmal hilft es auch, Cortison in die Gelenke einzuspritzen", sagt die Medizinerin. Ist das nicht ausreichend, gebe es weitere wirksame Medikamente. "Sehr hilfreich können Physiotherapie und Behelfsmittel wie Schuheinlagen oder Handschienen sein", erklärt sie. Auch eine Reha bringe oftmals große Erfolge.

Nicht zu vergessen: Bei Rheumakindern sollten die Augen regelmäßig untersucht werden, da sich diese Erkrankung auch hier negativ auswirken kann.

 

Quelle: OÖN

 

Kinder- & Jugendheilkunde

Jarz-Lackner
Dr. Hildrun Jarz-Lackner von der Kinderstation im Ordensklinikum Linz BHS