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Ordensklinikum Linz

Grippe-Schutzimpfung senkt Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in der ersten Woche nach einer Influenza-Infektion bis auf das Sechsfache(!) erhöht. Ein zusätzliches, möglicherweise lebensrettendes Motiv für ältere, Herz-Kreislauf-geschwächte Menschen – und deren Angehörige sowie für Betreuer -, sich jetzt durch eine Impfung zu schützen.

Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall und Influenza hängen zusammen. Hinweise darauf haben sich in den letzten Jahren bereits stark verdichtet. Dass aber gerade die ersten sieben Tage nach einer Influenza-Diagnose besonders kritisch sind, zeigt eine Studie auf, die heuer im renommierten ´New England Journal of Medicine´ veröffentlicht wurde. Ein Grund mehr für Personen mit vorbestehenden Herzkreislauf-Erkrankungen, besonders wenn sie älter sind, zur vorbeugenden Influenza-Impfung zu gehen.

Gründe noch nicht restlos geklärt

Warum eine Influenza zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle führt, ist noch nicht vollständig geklärt. Grundsätzlich führen zwar alle Infektionen zu einem gesteigerten Risiko für Herzkreislauferkrankungen, bei der Influenza dürften aber weitere Faktoren erschwerend dazukommen. Eine Hypothese ist, dass das Virus zu einem Gerinnsel führt und dadurch eine Verstopfung der Herzkranzgefäße auslöst.

Die ersten sieben Tage sind entscheidend

In einer heuer publizierten Studie wurde erstmals gezeigt, dass speziell die ersten sieben Tage nach einer (laborbestätigten) Influenza-Infektion jene sind, in der die Gefahr für einen Herzinfarkt besonders groß ist. Nämlich sechs Mal so hoch wie im gesamten Jahr davor oder danach. Besonders groß war das Risiko für ältere Patienten, jenen, die eine Infektion mit dem B-Stamm des Virus hatten und für Patienten, die ihren ersten Infarkt erlitten. „Am Beginn der Erkrankung sollte man ganz besonders auf etwaige Herzinfarkt-Anzeichen bei Influenza-Patienten achten“, betont Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek, Ärztlicher Leiter der Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie im Ordensklinikum Linz Barmherzigen Schwestern.

Impfung auch als Prävention hoch wirksam

Bereits im Jahr 2015 konnte in einer anderen Analyse über mehrere Studien nicht nur gezeigt werden, dass Herzinfarkte häufiger bei Patienten mit Influenza auftreten, sondern auch, dass eine Impfung das Risiko dafür reduzieren kann. Die errechnete Wirksamkeit der Impfung lag demnach bei knapp 30 Prozent. Ihre Schutzwirkung hat damit eine ähnliche Größenordnung wie einige andere, deutlich akzeptiertere Präventionsmaßnahmen bei bereits vorbelasteten Personen. Auch die Todesfälle dürften sich durch Impfmaßnahmen reduzieren lassen. Die renommierte Cochrane Library hat analysiert, dass unter Personen mit Vorbelastung in der Gruppe der Geimpften 2,3 Prozent der Patienten verstorben sind, aber mehr als doppelt so viele – nämlich 5,1 Prozent – in der Gruppe der nicht Geimpften.

Primarius Siostrzonek
Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek ist Ärztlicher Leiter der Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie im Ordensklinikum Linz Barmherzigen Schwestern.

 

Niedrige Durchimpfungsrate in Österreich 

Die Influenza-Impfung wird von allen relevanten nationalen und internationalen Organisationen für Personen mit chronischen Erkrankungen – und dazu gehören Personen mit Herzkreislauferkrankungen – empfohlen. Sie ist auch im österreichischen Impfplan vorgesehen. Dennoch ist die Durchimpfungsrate gerade in Österreich äußerst niedrig.

„Herzkreislauferkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Österreich“ erklärt Primarius Peter Siostrzonek. „Viele Personen – gerade jene im höheren Lebensalter – haben auch schon Vorschäden. Die Influenza-Impfung wäre eine einfache, kostengünstige und effektive Vorbeugungsmaßnahme." (APA/OTS, 27.11.2018)