Aktuelles

Ordensklinikum Linz

Fallbericht: Elektrochemotherapie

Datum: 10.08.2022

Am Ordensklinikum Linz steht eine große Bandbreite an onkologischen Verfahren mit entsprechender ärztlicher Expertise zur Verfügung. Die Elektrochemotherapie (ECT) ist eine seit Langem etablierte locoregionäre Methode. „Sie wird primär im palliativen Setting angewandt und kann bei fast allen Hauttumoren und Hautmetastasen von anderen Tumoren, wie Mamma-, Lungen- und Nierenzellkarzinom, in Erwägung gezogen werden. Sie kommt vor allem bei jenen Tumoren zum Einsatz, die nicht operabel sind bzw. bei welchen andere Therapien nicht sinnvoll erscheinen“, erklärt OA Dr. Helmut Kehrer, Leiter des Hautkrebszentrums, Abteilung für Dermatologie, Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Außerdem ist die ECT eine gute Ergänzung zu anderen Tumortherapien. „In vielen Fällen führt die zusätzliche Behandlung von Hautmetastasen zu einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen“, macht OA Kehrer aufmerksam.

 

Zielgerichtete Tumornekrose

Bei der ECT handelt es sich um eine Kombination aus einem niedrig dosierten Zytostatikum (Bleomycin oder Cisplatin) und einer Elektroporation. Durch kurze pulsierende elektrische Gleichstromfelder öffnet die Elektroporation mittels Cliniporator reversibel Zellporen. Dadurch können kaum zellpenetrierende Substanzen, z. B. Medikamente, DNA oder Vakzine, in das Zytosol gelangen und ihre Wirkung entfalten . Da Bleomycin sehr lipophil ist, reichert sich das Chemotherapeutikum im Tumor in einer hohen Konzentration an und wirkt nur in Tumorzellen zytotoxisch. Folglich tritt eine Tumornekrose ein, womit die Metastase schrumpft und eine Aktivierung von dendritischen Zellen des Immunsystems angeregt wird.

„Der Tumor wird mit Elektroden punktiert, die maximal drei Zentimeter lang sind. Somit ist die Elektrochemotherapie nur für oberflächliche Haut- und Lymphknotenmetastasen geeignet. Da das Verfahren in Narkose durchgeführt wird, muss der Patient in einem stabilen Allgemeinzustand sein. Das Lebensalter des Patienten spielt allerdings keine Rolle. Ein Ausschlussgrund ist eine eingeschränkte Nierenfunktion als Nebenwirkung einer Chemotherapie“, gibt OA Kehrer zu bedenken.

 

Sehr effektive Therapie

Mit einem klinischen Ansprechen nach ECT ist nach zwei bis vier Wochen zu rechnen. Je nach Ausdehnung des Tumors und dem Therapieansprechen sind meist ein bis drei Sitzungen notwendig – es können nach Bedarf aber auch weitere Behandlungen durchgeführt werden. Nach der ECT werden die Patienten zwei bis drei Tage stationär betreut. „Wir achten auf eine suffiziente Schmerztherapie und auf mögliche Entzündungen, die durch das Chemotherapeutikum induziert werden“, beschreibt OA Kehrer. Oft liegt der Fokus der Nachsorge – auch für den niedergelassenen Bereich – darauf, Nekrosen wundtechnisch zu versorgen, insbesondere exulzerierte Läsionen, welche die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen können.

 

Status bei Erstbegutachtung     

Bild 1: Status bei Erstbegutachtung

.kdlihwraiuhgraoiuhte     

Bild 2: Status bei Erstbegutachtung

.kdlihwraiuhgraoiuhte     

Bild 3: Zustand nach der Elektrochemotherapie

.kdlihwraiuhgraoiuhte     

Bild 4: Zustand nach Elektrochemotherapie

.kdlihwraiuhgraoiuhte     

Bild 5: Vollständige Abheilung des Tumors

 

OA Dr. Helmut Kehrer
 

Elektrochemotherapie im Überblick:

 

Wirkungen:

  • zytotoxisch
  • verminderte Durchblutung, Hypoxie
  • Aktivierung von dendritischen Zellen (fehlende Denaturierung von Tumorzellen)

Indikationen in der Dermatoonkologie:

  • Lokalrezidive
  • Behandlung von inoperablen Hauttumoren
  • (palliative) Behandlung von Hautmetastasen
  • Tumorreduktion vor Operation oder Strahlentherapie
  • Behandlung in vorbestrahlten Arealen

Nebenwirkungen:

  • Hyperpigmentierungen
  • Fieber
  • Infektionen
  • Schmerzen
  • Krämpfe
  • Nekrosen
  • Blutungen

 

Fallpräsentation: Herr Mustermann, 63 Jahre, Melanom-Rezidiv

 

Vorgeschichte:

  • 05/2018: Erstdiagnose: noduläres malignes Melanom am Unterlid links; Clark-Level IV, Tumordicke: 8 mm
  • Nachweis einer BRAF-Genmutation (Chromosom 7, Exon 15,D594N), Stadium pT4b pNx Mx R0 L0 V0 Pn0
  • bisherige tumorspezifische Therapie: zweizeitige Exzision des linken Unterlids, Defektdeckung mit Schwenklappen

Untersuchungsergebnisse:

  • 08/2021: Melanom-Rezidiv linke Wange (histologisch gesichert),exulzeriert, Durchmesser: etwa 7,5 x 7,5 x 4,5 cm, ECOG: 1
  • mutmaßliche Infiltration des M. masseter: Inoperabilität

Problemstellung:

Der Patient hatte einen Erwachsenenvertreter. Dieser versuchte, den Patienten lange Zeit ins Spital zu bringen. Die Therapie wurde etwa ein halbes Jahr lang verschleppt, da der Patient auf Anraten seines Bruders (Arzt) eine TCM-Behandlung durchführte. Aufgrund des stark blutenden Tumors entschloss sich der Patient doch dazu, das Ordensklinikum Linz aufzusuchen. Bei der Durchuntersuchung zeigte sich oben genanntes Melanom-Rezidiv, aber keine weitere Metastasierung. Der Tumor war jedoch nicht resezierbar.

Therapie am Ordensklinikum Linz (09/2021):

  • einmalige Elektrochemotherapie mit Bleomycin • neoadjuvante Immuntherapie mit Ipilimumab/Nivolumab flipdose (erster Zyklus 09/2021 – vierter Zyklus 11/2021)

Outcome:

  • Vollständige Abheilung der Metastase. Eine kleine Narbe ist zurückgeblieben. Der Patient ist weitgehend beschwerdefrei.
 

 

Hinweis für Zuweiser*innen

Die Zuweisung von Patient*innen erfolgt über die Dermatoonkologische Ambulanz. Sprechstunde immer am Donnerstag- und Freitagvormittag ab 07.45 Uhr

Terminvereinbarung: 0732 7676 – 4500 (Mo – Fr, 07.30 – 12.00 Uhr & 14.00 – 15.30 Uhr)

 

Mehr zum Thema

Nähere Informationen zum zertifizierten Hautkrebszentrum finden Sie hier