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Ordensklinikum Linz

Erste Schwangere mit einer künstlichen Blase

Passend zum 25-Jahr-Jubiläum der Kinderurologie berührte eine besonders schöne Hilfeleistung über Generationen und Spitäler hinweg.

"Als Emir geboren wurde, war ich dabei und habe sofort eine tiefe Verbundenheit zu ihm gespürt, umso mehr als ich auch schon seine Mutter von klein auf betreue", erzählt OA Dr. Mark Koen. Emir ist ein mittlerweile dreijähriger quicklebendiger Knirps. Mit einer leichten Nierenbeckenerweiterung ist er ebenfalls Patient an der Abteilung, wenn auch primär nur zur Beobachtung. Vor allem aber ist er der ganze Stolz seiner Mama Seyda Türk (25), in deren Bauch er sich mit einer komplizierten urologischen Konstruktion den Platz teilen musste.

Blase aus Dünndarm geformt

Die junge Frau – sie kam als Kind nach Österreich - wurde in der Türkei mit offenem Rückenmark geboren, ihre Harnblase war nur zum Teil ausgebildet. Seyda konnte als Kind nicht rein werden, da sie keinen Harndrang spürte. Dadurch nahm ihre Blase schweren Schaden, dazu kamen viele Infektionen, die medikamentösen Behandlungen versagten sukzessive. Das Team der Kinderurologie war schließlich Retter in der Not. „Mit einer bei uns perfektionierten Technik haben wir in einer achtstündigen Operation aus einem 25 Zentimeter langen Dünndarmstück eine künstliche Blase geformt und mit dem Boden des bestehenden Organs verbunden. Das hat Seyda eine fast normale Jugend geschenkt, die nötige Selbstkatheterisierung kann sie einfach und unauffällig selbst vornehmen“, freut sich Koen.

Erste Schwangere mit künstlicher Blase

Kompliziert wurde die Angelegenheit, als die junge Sattledterin mit 21 Jahren ihre große Liebe heiratete und schwanger wurde. „Für uns war es die erste Schwangere mit einer künstlichen Blase, es gab keine Erfahrungen im Haus. Man muss sich vorstellen, dass diese künstliche Blasenkonstruktion ja weiterhin vom Dünndarm her mit Blut versorgt wird. Mit wachsendem Baby wird es da sehr eng im Bauch!“ Zeit, zusätzliche Fachleute in Person der Gynäkologen der Barmherzigen Brüder, wo Emir auf die Welt kommen sollte, mit ins Boot zu holen. Beide Teams arbeiteten in der Folge eng zusammen und hatten das Glück der Tüchtigen. Ein MRT von Bauch und Baby ergab, dass die Blase günstig lag und von der Schwangerschaft unbeeinträchtigt bleibt. Einzig zur Welt kam Emir völlig komplikationslos per Kaiserschnitt – das Risiko einer natürlichen Geburt wäre hier zu groß gewesen. Mark Koen konnte mit allen Helferinnen und Helfern so auf gleich zwei besondere Patienten anstoßen und gesteht mit einer gewissen Emotion in der Stimme: „Irgendwie habe mich ein wenig wie ein stolzer Großvater gefühlt!“


Zum Beitrag in den OÖN vom 16.12.2017

Dr Koen & Emir