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Ordensklinikum Linz

Die häufigsten Sonnenmythen: Eine Anleitung zum richtigen Umgang mit der Sommersonne

Gut ein Viertel der Österreicherinnen und Österreicher holt sich jeden Sommer einen Sonnenbrand. Meist, weil der Sonnenschutz zu niedrig gewählt oder gar nicht verwendet wurde. Oder vielleicht, weil man einem Mythos zum Thema Sonnenschutz aufgesessen ist. Was stimmt? Und was nicht? Hier ist ein Überblick, der helfen soll, sommerliche Spätschäden zu vermeiden.
 

Mythos eins:

„Im Solarium vorbräunen schützt die Haut vor Sonnenschäden.“

Wahr ist:

„Durch die Bestrahlung der Haut mit den UVA-Strahlen, die Solarien meist ausschließlich abgeben, wird zwar Pigment, also dunkler Farbstoff, in der Hautoberfläche abgelagert und bräunt die Haut“, erklärt Dr. Helmut Kehrer vom Ordensklinikum der Elisabethinen in Linz und ergänzt: „Dadurch wird aber kein ausreichender, länger anhaltender Lichtschutz aufgebaut. Deswegen ist die Haut durch Vorbräunen im Solarium auch nicht vor den Strahlen der Sonne geschützt.“ Die Lichtstrahlen der Sonne bestehen nicht nur aus UVA-, sondern auch aus UVB- und UVC-Strahlen, wobei die UVC-Strahlen nicht bis zur Erdoberfläche gelangen. Nur die UVB-Strahlen der Sonne führen dazu, dass die Haut einen adäquaten Schutz vor der Sonne aufbaut. Laut dem Dermatologen ist daher ein langsames Gewöhnen an die Sonne auf jeden Fall sinnvoll, allerdings sollten besonders Menschen mit einem sehr hellen Hauttyp auch dabei bereits eine Sonnencreme verwenden.

 

Mythos zwei:

„Nur wer häufig einen Sonnenbrand hatte, ist gefährdet, an Hautkrebs zu erkranken.“

Wahr ist:

„Das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, kann nicht nur daran gemessen werden, wie oft jemand einen Sonnenbrand hatte“, sagt Kehrer. „Relevant für die Gefahr der Entstehung eines malignen Melanoms, des schwarzen Hautkrebses oder von weißen Hauttumoren ist vielmehr, wie lang man in der Sonne war.“ Wird die Haut immer wieder über viele Stunden, etwa bei Arbeiten in der Sonne, bei Sport in der Sonne, beim Spielen in der Sonne oder beim Sonnenbaden, ungeschützt oder mangelhaft geschützt der Strahlen ausgesetzt, kommt es zu DNA-Schäden in den Hautzellen, die später nicht nur zu Anhäufungen von Pigmentflecken, besonders tiefen Falten und einer Haut wie Leder, sondern auch zu einer Erkrankung an Hautkrebs führen können.

 

Mythos drei:

„Tagescremen mit Lichtschutzfaktor 15 reichen als Schutz im Alltag aus.“

 Wahr ist:

„Der Lichtschutzfaktor 15, den viele der täglich verwendeten Kosmetika  enthalten, ist zwar kein Nachteil, bringt aber wenig“, betont Kehrer und führt aus, warum das so ist: „Meistens werden die Tagescreme, das  Make-up oder ein Kompaktpuder in der Früh aufgetragen, und bis man dann zum Beispiel in der Mittagspause in der Sonne ist, ist der Sonnenschutz schon lang nicht mehr wirksam.“ Wer frei hat und gleich nach dem morgendlichen Pflegen und Schminken in die Sonne geht, sollte bedenken, dass ein Produkt mit einem derart geringen Lichtschutzfaktor die Haut nicht lang schützt: Hellhäutige Menschen mit dem Hauttyp I, die eine Eigenschutzzeit von maximal zehn Minuten haben, kommen mit Faktor 15 auf eine Schutzzeit von zehn mal 15 Minuten, also 150 Minuten oder zweieinhalb Stunden.

 

Mythos 4:

„Helle Kleidung schützt am besten vor der Sonne.“

Wahr ist:

„Dass die Beduinen in der Wüste meist schwarze oder dunkelblaue Kleidung tragen, hat einen guten Grund“, sagt Kehrer und nennt diesen: „Dunkle Kleidung absorbiert die Strahlen der Sonne fast zur Gänze, saugt sie auf, während helle Kleidung zwar einen Teil der Strahlung reflektiert, aber auch einen erheblichen Teil durchlässt.“ Außerdem schützt Kleidung aus dichtem Gewebe besser vor Schäden durch die Sonne als oft grob gewebtes Leinengewand, das bei Hitze zwar angenehm zu tragen ist, wo aber mehr Strahlen durchdringen. Wenn es um die Wahl der richtigen Kleidung bei Aufenthalten oder Unternehmungen in der Sommersonne geht, sollte die Kleidung zudem empfindliche Hautstellen bedecken: Ein Ausflug auf den See, das Meer oder in die Berge im Shirt mit Spaghettiträgern oder kurzer Hose kann fatal enden – mit einem heftigen Sonnenbrand auf Schultern, im Nacken und an den Waden. Laut dem Dermatologen ebenfalls wichtig, besonders bei schütterem Haar oder einer Glatze: Ein Hut oder eine Kappe zum Schutz der Kopfhaut. Ein Muss ist freilich auch die Sonnenbrille.

 

Mythos 5:

„Wasserfeste Sonnencremen braucht man nach dem Baden nicht erneuern.“

 Wahr ist:

„Auch Sonnencremen, die als wasserfest bezeichnet werden, sind nicht ganz wasserfest“, weiß Kehrer. „Wenn man länger schwimmt oder sich auch nur länger im Wasser aufhält, schützen sie nicht mehr ausreichend vor der Sonne.“ Physikalische Cremen, die mikroskopisch kleine, die Sonne abweisende Partikel aus Titanoxid oder Zinkoxid enthalten, und als weiße Schicht auf der Haut sichtbar sind, lösen sich im Pool, See oder Meer im Übrigen noch leichter ab, als chemische Cremen, die wirken, indem sie in der Haut die UV-Strahlen absorbieren und in Wärmestrahlung umwandeln. Ob chemische Creme oder physikalische – so oder so gilt: „Nach dem Baden sollte man wie alle Cremen auch wasserfeste Cremen neu auftragen, und sich ansonsten neu einschmieren, sobald man bemerkt, dass sich die Creme verflüchtigt hat.“ Das kann, je nachdem wie stark man schwitzt, bei wasserfesten Cremen alle zwei bis drei Stunden nötig sein, bei anderen öfter.

Frau mit Kopf in der Sonne

Mythos 6:

„Sicherheitshalber sollte jeder gleich eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 verwenden.“

Wahr ist:

„In unseren Breitengraden ist das übertrieben“, sagt Kehrer und empfiehlt eine Creme mit dem Lichtschutzfaktor 30. Höhere Lichtschutzfaktoren sind laut dem Dermatologen nur bei sportlichen Unternehmungen auf den Seen und Bergen nötig – sowie für Kinder empfehlenswert, die einen hellen Hauttyp haben, oder für Erwachsene, deren Haut besonders empfindlich auf die Sonnenbestrahlung reagiert, etwa weil sie Medikamente nehmen, die die Haut sensibilisieren.

 

Mythos 7:

„Wer immer Sonnencreme verwendet, wird nicht nur nicht braun, sondern riskiert auch einen Vitamin D-Mangel.“

Wahr ist:

„Die Haut bräunt sich auch dann, wenn man bei Aufenthalten in der Sonne immer Sonnencreme auf die Haut aufträgt“, versichert Kehrer. „Der Prozess der Bräunung läuft dann zwar langsamer ab, dafür hält die Sonnenbräune aber auch länger an.“ Auf die Bildung von Vitamin D durch die Sonnenbestrahlung der Haut hat die Verwendung von Sonnencreme laut dem Dermatologen keinen relevanten Einfluss: „Wer im Sommer viel draußen ist, wird normalerweise trotz Sonnencreme, die wichtig für die Gesundheit der Haut ist, einen ausreichend hohen Vitamin D-Spiegel erreichen können.“

 

Mythos 8:

„Um einen Sonnenbrand wieder loszuwerden, reicht es, ein paar Tage nicht in die Sonne zu gehen.“

Wahr ist:

„Für die Haut ist es besser, wenn aktiv etwas gegen den Sonnenbrand unternommen wird“, sagt Kehrer. „Wichtig ist es viel Wasser zu trinken, da der Körper durch die Entzündung der Haut, die der Sonnenbrand darstellt, mehr Flüssigkeit verliert.“ Außerdem gut: Auf die geröteten Hautflächen kühlende Lotionen oder Gels auftragen, die zur Behandlung von Sonnenbrand gedacht sind. Haben sich auf der geröteten Haut auch Brandblasen gebildet, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn bleibt eine Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten aus, steigt die Gefahr für eine Infektion der Haut und Hauterkrankungen.

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Vorsicht bei Medikamenten

Bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten ist mehr Schutz vor der Sonne erforderlich – durch Meiden intensiver Sonnenbestrahlung, Kleidung, die gut vor der Sonne schützt, und Sonnencreme. Laut Dr. Helmut Kehrer können zum Beispiel folgende Mittel die Empfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonnenbestrahlung erhöhen:

  • Antibiotika
  • Vitamin A-haltige Präparate
  • Rhythmologika  
  • Immunsuppressiva

 

Risiko bei „Herpes-Lippen“

Auf einen guten Schutz der Lippen vor der Sonne sollte bei „Herpes-Lippen“ geachtet werden: Eine zu starke oder zu lange Sonnenbestrahlung erhöht bei Anfälligen das Risiko für Schäden, die wiederum die Reaktivierung von Herpes-simplex-Viren Typ 1 zur Folge haben – und die Bildung von Fieberblasen.

 

Risiko bei trockener Haut     

Sonnenschutz ist auch bei trockener Haut besonders wichtig, da sie meist empfindlich ist – und stärker auf die Sonne reagiert. Neben dem Risiko für einen Sonnenbrand ist durch die Einwirkung von Sonne und Hitze auch die Gefahr für weiteres Austrocknen erhöht: Betroffene sollten daher nach dem Sonnenbaden auf entsprechende Pflege achten.

Text: Sabine Stehrer | Medizin Populär (Ausgabe Mai 2019)

 

Nähere Informationen:

Dermatologie