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Ordensklinikum Linz

Der Weg der Niere: Vom Spender zum Empfänger

Zwischen 60 und 70 Patienten erhalten jedes Jahr am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, dem größten Nierentransplantationszentrum Österreichs, eine Niere von einem verstorbenen oder lebenden Spender. Die Prozesse, die dabei im Hintergrund ablaufen sind vielschichtig und meist wenig bekannt. Wir haben den Weg, der hinter einer Organspende steckt, für Sie nachgezeichnet...

Eine wichtige Rolle spielt Eurotransplant. Die Organisation mit Sitz in Leiden (Holland), organisiert seit über 50 Jahren die Vermittlung von Organspenden und garantiert durch ihre Arbeit eine transparente, effiziente und gerechte Zuteilung von jährlich zirka 7000 Spenderorganen in ihren Mitgliedländern. Ein Algorithmus bestimmt, welcher Patient ein verfügbares Organ zugewiesen bekommt. Auch die Patientinnen und Patienten des Ordensklinikums Linz Elisabethinen, mit seinem Nieren-Transplantationszentrum, profitieren von diesem Modell.

Eurotransplant

Eurotransplant wurde 1967 als Stiftung gegründet, um als Serviceeinrichtung die Vergabe von Spenderorganen innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten zu organisieren. Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien und Slowenien bilden jene Region, aus der jedes Spenderorgan und jeder Patient, der ein solches benötigt, gemeldet wird um eine optimale Übereinstimmung zwischen Implantat und Empfänger zu gewährleisten. Die große Anzahl von wartenden Patienten macht es möglich, dass für fast jedes Organ ein passender Empfänger gefunden werden kann.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Eurotransplant-Region, in der zirka 136 Millionen Menschen leben, ermöglicht ein zentrales Organregister und eine gemeinsame Warteliste. Beides sind Voraussetzungen für einen möglichst effizienten Einsatz verfügbarer Spendenorgane.

Die Aufgabe von Eurotransplant

  1. Durch Austausch innerhalb der Eurotransplant-Mitgliedsländer eine bestmögliche Verträglichkeit zwischen Spenderorganen und Empfängern herzustellen. Die bestmögliche Verträglichkeit wird vor allem durch eine große immunologische Übereinstimmung zwischen Spenderorgan und Empfänger gewährleistet (HLA Faktoren).
  2. Eurotransplant arbeitet transparent nach dem EU-Gesetz und den nationalen Gesetzgebungen der Mitgliedsländer.
  3. Eurotransplant beteiligt sich aktiv an der Entwicklung der Transplantationsmedizin mit Empfehlungen für bestmögliche medizinische Behandlung sowie an der Verbesserung der Organzuteilung und Transplantationsergebnisse durch wissenschaftliche Auswertung und Aufarbeitung von Daten.


„Eurotransplant feierte 2017 sein 50 Jahre-Jubiläum. In diesem Zeitraum wurden ca. 117.000 Nieren, 37.000 Lebern, 20.000 Herzen und 11.000 Lungen im Eurotransplantbereich transplantiert“, zieht Prof. Dr. med. Bruno Meiser, Leiter des Transplantationszentrums München der LMU und Präsident von Eurotransplant, positive Bilanz.

Die Zuteilung von Spenderorganen

81 Transplantationszentren sind im Netzwerk Eurotransplant zusammengefasst und übermitteln alle wichtigen Daten der Patienten, die auf eine Transplantation warten an das zentrale Register in Leiden. Wird ein Spender gefunden, werden auch dessen Werte in die Datenbank eingegeben. Um den jetzt folgenden Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen, und das Spenderorgan an die richtige Adresse zu transportieren, ist die Zentrale von Eurotransplant 7 Tage die Woche und 24 Stunden am Tag besetzt.

Die Zuteilung eines Organes an einen Patienten erfolgt mit Hilfe eines Computerprogrammes, wobei vier Prinzipien von Bedeutung sind:

1) Der zu erwartende Erfolg der Transplantation, der unter anderem an der Übereinstimmung von Merkmalen von Spender und Empfänger festgestellt wird.
2) Die von Experten festgelegte Dringlichkeit. Diese ist bei Nierentransplantationen meist niedrig, weil es Alternativbehandlungen bei Nierenversagen gibt.
3) Die Wartezeit
4) Das nationale Spende-Empfängerverhältnis.

Dem Transplantationszentrum, des nach diesem Algorithmus höchstgereihten Patienten, wird das Spenderorgan zuerst angeboten, zur Sicherheit auch dem zweitgereihten Patienten, logischerweise nur unverbindlich.

 

Woher kommen die Organe?

Organe, die transplantiert werden, stammen von Verstorbenen oder - z. B. bei der Nierentransplantation - auch von Lebendspendern. Österreichweit beträgt die Rate an Lebendspenden 16% der Nierentransplantationen, in Linz 22%.
„Wir haben im Ordensklinikum Linz bei den Elisabethinen eine sehr hohe Rate an Lebendspenden, die unseren Patienten direkt zu Gute kommt, weil damit die üblichen langen Wartezeiten nicht gegeben sind“, erklärt Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhold Függer, Leiter des Nierentransplantationszentrums am Ordensklinikum Linz.

„Sowohl der Spender als auch der Empfänger einer Niere werden bei der Lebendspende von uns sehr intensiv medizinisch und psychologisch betreut - sowohl vor der Transplantation als auch danach. Dadurch können wir mögliche Risiken für den Spender weitestgehend ausschließen." Prim. Priv.-Doz. Dr. Daniel Cejka, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Transplantationsmedizin

Die Organentnahme ist durch das Transplantationsgesetz geregelt. In Österreich gilt die Widerspruchslösung. Das heißt, dass bei allen Verstorbenen, die dafür geeignet sind, die Organe entnommen werden können, wenn der Verstorbene nicht zu Lebzeiten einen Widerspruch im Widerspruchsregister geäußert hat. Eine Widerspruchslösung für die Organspende besteht in Eurotransplant auch in Belgien, Ungarn, Slowenien und Kroatien.

Davon zu unterscheiden ist die Zustimmungslösung. Dabei müssen die Angehörigen nach dem Tod eines Patienten um Erlaubnis für die Organentnahme gefragt werden. Diese Regelung besteht in Holland und Deutschland. Der internationale Vergleich zeigt, dass die Organspendezahlen in Ländern mit Widerspruchslösung deutlich größer sind.

 

Nähere Informationen:

Nephrologie