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Ordensklinikum Linz

Der Schutz vor Infektionen ist unser oberstes Ziel

Datum: 05.05.2020

#teamordensklinikum

Marieluise Einfalt und Klaus Panholzer arbeiten jeweils in einem der Hygieneteams am Ordensklinikum Linz. Sie haben sich nach vielen Jahren in der Gesundheits- und Krankenpflege entschieden, die Sonderausbildung zum akademischen Experten/zur Expertin in der Krankenhaushygiene zu machen. Im Interview erzählen sie über die Notwendigkeit der Krankenhaushygiene, ihren Beitrag während der COVID-19 Pandemie und warum sie sich auf diesen Bereich spezialisiert haben.

Warum ist die Krankenhaushygiene so wichtig?

Einfalt: Ganz einfach: Um Patienten, Mitarbeiter und deren Familien vor Infektionen und Erkrankungen zu schützen. Unsere Kernaufgabe ist es, Infektionen rechtzeitig zu erkennen, sie zu verhüten und zu bekämpfen. Das beginnt im Eingangsbereich mit den Desinfektionsmittelspendern und endet in der Prosektur.

Panholzer: Der Patient soll kein zusätzliches Problem bekommen, das er vor seinem Krankenhausaufenthalt nicht hatte.

Einfalt: Prinzipiell sind die meisten Keime wichtig und gut. Wir brauchen sie, um ordentlich leben zu können. Zum Beispiel die Darmbakterien für die Verdauung. Problematisch wird es nur, wenn sie durch einen Eingriff oder mangelnde Hygiene in Körperregionen verschleppt werden, wo sie nicht hingehören. Also zum Beispiel vom Darm in den Harn. Denn dort können sie Harnwegsinfekte verursachen. Oder von der Haut ins Blut, wo sie schlimmsten Falls zu einer Blutvergiftung führen.

Panholzer: Deshalb ist Hygiene und Desinfektion vor allem im klinischen Bereich so wichtig! Wobei man auch sagen muss, dass es physiologische Keime im Körper gibt, die bei abwehrgeschwächten Patienten Infektionen hervorrufen, die auch durch die besten Hygienemaßnahmen nicht zu verhindern sind.

Was macht ihr konkret, um Infektionen vorzubeugen?

Einfalt: Wir schulen unser Fachpersonal regelmäßig, um eine korrekte hygienische Grundversorgung aller Patienten in jeder Situation gewährleisten zu können. Dazu gehört als wichtigste Maßnahme, die hygienische Händedesinfektion und zum Beispiel der korrekte Umgang mit Pflege- und Medizinprodukten. Genauso der Umgang mit speziellen Erregern – wie gerade aktuell Covid-19. Ebenso beraten wir Stationen, wie sie Strukturen anpassen und Arbeitsabläufe verbessern können, um zum Beispiel nosokomiale Infektionen – das sind Infektionen, die im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes entstehen – zu vermeiden.

Panholzer: Wir erfassen auch Krankenhausinfektionen und werten diese über das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System der Charité in Berlin aus, wie etwa bei Operationen von Galle, Hüfte und Knie.

Einfalt: Wir führen aber auch Wasseruntersuchungen bei Patientenwaschbecken und Duschen durch und kontrollieren, ob die Wasserqualität in Ordnung ist und keine Legionellen enthalten sind. Die können nämlich Lungenentzündungen verursachen. In Risikobereichen werden dann zum Beispiel Bakterienfilter angebracht. Wir leiten aber auch Spül- und Sanierungsmaßnahmen ein, um Bakterienvorkommen in den Leitungen zu reduzieren oder sperren ganze Bereiche, bis das Problem behoben ist.

Panholzer: Wir erarbeiten auch Hygieneempfehlungen, die im ganzen Haus umgesetzt werden müssen. Das erfolgt über sogenannte SOPs, also Standard Operation Procedures. Das sind Arbeitsanweisungen, die im Hygieneteam sowie in Absprache mit den Abteilungen erarbeitet werden. Dazu benutzen wir hygienerelevante Literatur, um immer auf dem aktuellsten wissenschaftlichen Stand zu bleiben…wir recherchieren, ob es Neuerungen bzw. Veränderungen gibt und arbeiten diese dann in unsere Empfehlungen und Richtlinien ein.

Einfalt: Wir sind auch bei Baumaßnahmen oder der Anschaffung neuer Diagnose- und Therapiegeräte involviert, um sicher zu stellen, dass alles, womit hier gearbeitet wird, desinfiziert und aufbereitet werden kann und keine Materialien und Oberflächen von den Desinfektions- oder Sterilisationsverfahren zerstört werden.

Panholzer: Grundlage dafür ist der Hygieneplan, der gesetzlich vorgeschrieben ist. Dieser umfasst nicht nur die Wasserbeprobungen, sondern auch die Überprüfung der raumlufttechnischen Anlagen.Weiters sind darin sämtliche Desinfektionsmaßnahmen inklusive der verwendeten Desinfektionsmittel beschrieben.

Einfalt: Diese Richtlinien haben wir gemeinsam mit unseren Bereichen erstellt, indem wir ihre Arbeitsprozesse genau analysieren. Danach informieren wir unsere Mitarbeiter über die Ergebnisse und leiten entsprechende Maßnahmen ab.

Marieluise Einfalt und Klaus Panholzer

Was hat die Krankenhaus-Hygiene bei COVID-19 geleistet?

Einfalt: Wir haben auch hier wieder auf Basis von internationalen wissenschaftlichen Quellen wie dem Robert-Koch-Institut (RKI), dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) und der WHO fürs ganze Haus eine Hygienerichtlinie erstellt, die wir dann gemeinsam mit den verschiedenen Abteilungen entsprechend angepasst und in die jeweiligen Arbeitsanweisungen eingearbeitet haben.

Panholzer: Eine unserer Aufgaben war zum Beispiel die Beratung der ärztlichen Direktion sowie der Pflegedirektion bei der Planung und Ausstattung von COVID-Stationen. Genauso wie die Auswahl und Verwendung einer auf den Erreger abgestimmten Schutzkleidung sowie die Schulung des vorhandenen Personals, was wir zum Teil persönlich, aber auch mithilfe eines Videos gemacht haben.

Einfalt: Ein großer Brocken waren auch die Notfallszenarien, für die wir uns im Hintergrund vorbereitet haben, falls sich die Anzahl der Erkrankten rapide erhöhen sollte. Wir haben uns aber auch einen Prozess überlegt, wie bestimmte Schutzmasken im Notfall wieder aufbereitet und hygienisch einwandfrei wiederverwendet werden können, weil das ja von der Regierung gewünscht wurde.

Ihr habt beide vorher ziemlich lange als diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger (DGKP) auf einer Intensivstation gearbeitet. Warum habt ihr das Fachgebiet gewechselt?

Panholzer: Weil die Arbeit extrem abwechslungsreich und umfassend ist. Man hat mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, kommt im ganzen Haus herum und erhält einen großen Einblick in jedes Fachgebiet und auf jeder Station. Es gibt quasi nix, wo die Hygiene nicht involviert ist.

Einfalt: Ich habe 2014 im Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin in der Ambulanz begonnen und über die Jahre immer mehr Gefallen an der Hygiene gefunden. Das Thema Gesundheit und Gesunderhaltung hat mich immer schon sehr interessiert. Außerdem bin ich ein sehr neugieriger Mensch, der gerne erfährt, was es Neues gibt und wie man etwas zum Bessern verändern kann. Da ist die Hygiene genau das Richtige Aufgabengebiet.

 

Nähere Informationen:

Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin