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Der 99-Jährige, der ins Fitnessstudio geht, um 100 zu werden

Josef Mayr aus Linz ist gestern unglaubliche 99 Jahre alt geworden. Zur „Feier des Tages“ wurde er von seiner Tochter und seinem Enkerl zum Training ins Fitnesszentrum „health“, dem medizinischen Fitness-Studio der Elisabethinen Linz begleitet.

„Ich komm’ zweimal pro Woche hierher, um ein bisserl fit zu bleiben“, sagt der Mann, der sehr viel zu erzählen hat. Darüber, dass er vorgestern mit 92 Freunden und Bekannten in der Pfarre Christkönig in Urfahr seinen Geburtstag gefeiert und sogar eine Rede geschwungen hat.

Seine Tochter kümmert sich um ihren Vater, der noch alleine lebt. Seine geliebte Ehefrau, mit der er 62 Jahre lang verheiratet war, ist vor zehn Jahren gestorben. Einsam ist er trotzdem nicht. „Ich hab’ ja meine Familie. Das ist das Wichtigste“, sagt der Regierungsrat, der im Jahr 1940 im Gymnasium auf der Spittelwiese maturiert und nach dem Krieg im Landesinvalidenamt gearbeitet hat.

Zehn Aufgaben halten ihn fit

„Wenn er zum Training kommt, absolviert er sein Programm völlig selbstständig“, loben die jungen Fitnesstrainer. „Zehn Aufgaben hab’ ich jedes Mal zu absolvieren. Das schaff ich.“ Josef Mayr stellt seinen Rollator zur Seite und beginnt mit den Übungen. Das macht er seit genau neun Jahren. Nach einem Halswirbelbruch hat er mit 90 Jahren damit begonnen. „Wenn man sich bewegt, spürt man eine enorme Verbesserung“, sagt der Botschafter für Bewegung im Alter.

Josef Mayr wurde in Niederneukirchen geboren und lebt seit vielen Jahrzehnten in Linz. „Der Papa war immer freundlich und gut aufgelegt. Er hat niemals aufgegeben oder schlechte Laune gehabt“, sagt seine Tochter, die er als „mein Engel“ vorstellt. Der Alltag des Mannes, der sich seit gestern im 100. Lebensjahr befindet, läuft sehr geregelt ab. Jeden Sonntag geht er in die Kirche und dann zum Stammtisch ins Pfarrheim. Den Nachmittag verbringt er bei der Familie seiner Tochter. Die Verbundenheit ist groß. „Der Opa war immer ein Lustiger. Wenn wir mit Barbie-Puppen gespielt haben, war er der Ken. Er hat sich sogar mit uns verkleidet“, erzählt seine Enkeltochter.

Bananen für die Damen

Nach dem Fitnesstraining wird er von seiner Tochter abgeholt.„Dann führe ich ihn ins Hillinger Seniorenheim, wo er seine Damen besucht. Als Geschenk bringt er immer jeder eine Banane mit“, sagt sie. Dort redet der 99-Jährige auch über Zeiten, die längst vorbei sind. Zum Beispiel über den Zweiten Weltkrieg, in dem er in Russland gleich dreimal verletzt wurde.

Die Geburtstagswünsche im „health-Fitness-Studio“ kommen von Herzen. Barbara Lehner, Generaloberin der Elisabethinen-Holding Linz–Wien, ist höchstpersönlich vorbeigekommen, um zu gratulieren. „Happy Birthday, Herr Mayr“, sagen seine Sportkollegen und werden nicht müde, ihm die Hand zu schütteln. „health“-Chefin Ulrike Neuner überreicht dem ältesten Mitglied ein gerahmtes Bild von ihm und verspricht, dass ab sofort alle Menschen, die das 99. Lebensjahr vollendet haben, gratis trainieren können. Die Stimmung ist feierlich, Josef Mayr freut sich sehr, muss aber wieder weiter: Im Altenheim in Urfahr warten seine Kolleginnen auf ihn.

Josef Mayr

Ob es ein Geheimnis dafür gibt, dass er körperlich und geistig noch so außerordentlich fit ist? „Ich bin einfach immer zufrieden“, sagt er, schlüpft in sein Sakko und erzählt noch kurz von unzähligen Auszeichnungen, die er schon bekommen hat und davon, dass sie beim letzten Klassentreffen vor fünf Jahren noch zu fünft waren. „Mittlerweile bin ich als einziger übriggeblieben“, sagt er. „Aber ich hab’ ja meine Familie.“

Text: OÖN/Barbara Rohrhofer

 

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health - medizinisches Training