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Ordensklinikum Linz

Darmkrebs: Vorsorge kann Leben retten

Datum: 04.03.2021

Quelle: OÖN

Niemals zuvor wurde so so viel und offen über Verdauungsprobleme gesprochen wie heute: Der Darm ist modern. Doch ist er auch gesünder?

Noch vor wenigen Jahren war es undenkbar, über Durchfall, Blähungen und Fürze zu sprechen. "Heute sind das längst keine Tabuthemen mehr", sagt Primar Rainer Schöfl, Abteilungsleiter der Gastroenterologie im Ordensklinikum Linz. Und das ist auch gut so. "Der Darm wurde lange Zeit unterschätzt. Er spielt nicht nur die Hauptrolle bei der Verdauung, sondern auch beim Immunsystem. Dazu kommt die Rolle des Mikrobioms - also der mehr als 1000 verschiedenen Darmbakterien -, die noch lange nicht erforscht ist. Aber man weiß bereits, dass es eine große Rolle bei der Entstehung von Diabetes spielt", sagt der Mediziner.

Längst bekannt ist, wie man sich vorDarmkrebs schützen kann. "Ab 50 sollte man in einem Abstand von sieben bis zehn Jahren eine Darmspiegelung durchführen lassen."

Wie wir unseren Darm schützen können und warum eine Untersuchung Leben rettet

Am häufigsten bereitet unser Darm aufgrund von Nahrungsmittelunverträglichkeiten Probleme. "Diese sind bei immerhin 50 Prozent der Menschen feststellbar. Das war schon immer so, heutzutage wird es aber eindeutig mehr beachtet und auch als ,Krankheit' wahrgenommen. Diese Unverträglichkeiten entstehen, wenn aufgrund mangelnder oder fehlender Verdauungsenzyme Milch, Obst, Zucker oder Gluten nicht richtig verdaut werden können", sagt Primar Rainer Schöfl. Symptome wie Durchfall, Blähungen und Schmerzen könnten aber auch auf ein Reizdarmsyndrom hinweisen, an dem rund 15 Prozent aller Erwachsenen leiden.

"Wer die erwähnten Symptome bei sich feststellt, sollte sich auf jeden Fall einmal ordentlich untersuchen lassen, inklusive Darmspiegelung, Blutabnahme und Ultraschall, um eine Erkrankung wie Morbus Crohn oder Darmkrebs auszuschließen", rät Schöfl. "Wenn wir 200 Koloskopien - also Darmspiegelungen - machen, diagnostizieren wir einen Krebs und rund 50 Reizdarmsyndrome."

Die Diagnose Dickdarmkrebs wird in Österreich rund 5000 Mal pro Jahr gestellt. In sehr vielen Fällen wäre das verhinderbar, weil bei regelmäßigen Darmspiegelungen sogenannte Polypen entfernt werden, die sich im Laufe der Jahre bösartig verändern können. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung können alle Österreicherinnen und Österreicher ab 50 Jahren alle sieben bis zehn Jahre eine Koloskopie durchführen lassen, bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird ein Stuhlbluttest angeboten.

Wenig rotes Fleisch

"Die halbe Miete bei der Darmgesundheit ist die Genetik, die andere der Lebensstil der vergangenen Jahrzehnte", sagt der Mediziner. Am besten sollte man daher schon in jungen Jahren damit beginnen, sich ballaststoffreich zu ernähren und nicht zu kalorienreich zu essen. Auf dem Speiseplan sollte wenig rotes Fleisch stehen. Dazu: wenig Alkohol, kein Nikotin und regelmäßig Sport.

 

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Darmspiegelung Ordensklinikum Linz

"Die Diagnose Dickdarmkrebs wird in Österreich rund 5000 Mal gestellt, in vielen Fällen wäre dieser Krebs verhinderbar."
Primar Rainer Schöfl, Abteilungsleiter der Gastroenterologie im Ordensklinikum Linz