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Ordensklinikum Linz

Antikörper-Therapien: Die neuen Waffen gegen fortgeschrittene Melanome

Bis 2011 standen in Österreich nur Chemotherapeutika zur Verfügung, die zwar das Tumorwachstum von schwarzen Hautkrebszellen verlang samen konnten, aber nur in wenigen Fällen dabei halfen die Krebszellen auch zu beseitigen. Die mittlere Lebenserwartung betrug bei Patienten mit metastasierenden Melanomen circa sechs  bis neun Monate. Doch dann folgten neue Therapien mit gezielten und immunstimulierenden Substanzen, die das Leben der Patienten plötzlich auf mehrere Jahre anhoben und vielleicht in Zukunft sogar eine Heilung ermöglichen.

 

Aufklärungs und Pioniertruppen des Immunsystems

Die erfolgreichsten Behandlungsmittel stammen aus der Gruppe der Immuntherapien und heißen Antikörpertherapien. Dabei werden mittels Infusionen alle zwei bis drei Wochen spezielle Antikörper in den Körper eingebracht. Diese Antikörper lagern sich an die Tumorzellen an und aktivieren das körpereigene Immunsystem, damit es die Krebszellen erkennen und beseitigen kann.
OA Dr. Helmut Kehrer, Spezialist für Melanomerkrankungen an der Abteilung für Dermatologie: „Viele Patienten, die wir mithilfe der ersten Immuntherapie-Generation behandelt haben, leben seit sieben oder acht Jahren. Das ist ein Riesenerfolg!
Bis jetzt gab es noch keine Melanom-Therapie, auf die die Patienten so gut angesprochen haben. Mit der Tumore oder Metastasen völlig verschwunden sind. Oder mit der so viele Patienten nach drei oder fünf Jahren noch gelebt haben.“

 

Neue Generation noch vielversprechender

Noch größere Erfolge erhofft sich der Dermato-Onkologe aber von der neuen Generation der therapeutischen Antikörper. Sie sind seit 2016 in Europa zugelassen und werden von ihm und Dr. Michael Wipplinger bereits bei mehr als 100 Patienten angewendet. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Dr. Kehrer: „Bei ca. 50 bis 60 Prozent konnten wir damit das Fortschreiten der Erkrankung kontrollieren bzw. aufhalten. Beim überwiegenden Teil dieser Patienten verkleinerten sich die Metastasen oder verschwanden völlig.

In konkreten Zahlen bedeutet das, dass 50 Patienten damit bisher erfolgreich therapiert wurden. 15 brauchen überhaupt keine Behandlung mehr, weil sie tumorfrei sind bzw. keinerlei Metastasen mehr nachgewiesen werden konnten. Hier konnten
wir die Antikörper-Therapie sogar schon beenden. 35 Patienten sind noch in Therapie und rund 50 haben leider nicht auf die Antikörpertherapie angesprochen. 30 sind verstorben. 10 erhalten eine andere Therapie und 10 werden mit palliativen Melanom-Therapien behandelt.“

 

Auch in Kombinationen möglich

Alte Antikörpertherapien werden von den Hautkrebsspezialisten kaum mehr alleine, sondern immer in Kombination mit den neuen angewendet.

Patient mit Dr. Wipplinger und OA Dr. Kehrer
OA Dr. Kehrer und Dr. Wipplinger bei der Infusionstherapie in einem der tagesklinischen Behandlungsräume.

 

Dr. Wipplinger: „Diese Kombinationstherapien wirken besser, haben aber häufig auch mehr Nebenwirkungen. Wir wenden Sie daher in erster Linie bei jungen Patienten an, die in einem guten Allgemeinzustand sind, möglichst keine Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen ihrer Tumorerkrankung haben.“ Bei 70-jährigen Patienten, die neben einem metastasierenden Melanom zum Beispiel auch unter Diabetes oder Herzbeschwerden leiden, ist das Risiko an lebensbedrohlichen Nebenwirkungen zu sterben wesentlich höher als bei ei nem 40- oder 20-jährigen. Sie erhalten die Antikörper-Infusionen als Einzeltherapie (Stand 29.3.2019)

 

Nähere Informationen:

Dermatologie