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Onlinekongress: Alternsmedizin trifft Infektiologie 2020

Datum: 04.09. - 05.09.2020.

FREITAG, 4. SEPTEMBER 2020
 

SYMPOSIUM 1

ÄRZTE/APOTHEKER: POPULÄRE IRRTÜMER IN DER INFEKTIOLOGIE
 

OA Dr. Rainer Hartl, Stv. Leiter des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Ordensklinik Linz Elisabethinen startete mit einem Vortrag über „neue Resistenzen“ in den Kongress. Diese können in der Regel am mikrobiologischen Befund zuverlässig identifiziert werden wie der Mediziner erläuterte: „Einerseits, weil die gesuchte bzw. getestete Substanz mit der Kategorie R ausgewiesen wird. Es gibt jedoch auch Erreger, bei denen der Befundkommentar unbedingt ins Kalkül gezogen werden muss. In der Regel wird auch auf die krankenhaushygienische Relevanz hingewiesen. Letztlich erfordern diese neuen Resistenzen eine enge Zusammenarbeit zwischen dem mikrobiologischen Labor und den klinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen.“

Laut Univ.-Prof. Dr. Dr. Wolfgang Graninger, Leiter des Instituts für Infektiologie der Karl Landsteiner Gesellschaft mbH in Wien, leben wir „in einer Gemeinschaft mit den Bakterien. Wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, dann wird der Patient echt krank“. In seinem Vortrag ging er auf die Geschichte und die Vermarktung von Antibiotika ein – mit durchaus kritischen Bemerkungen. Inzwischen werden viele der Präparate in Indien und China produziert, mit teilweise „verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Umwelt“, so Graninger. Er wandte sich auch gegen die unkritische Verschreibung von Antibiotika im niedergelassenen Bereich. „Wer die Darmflora ruiniert, darf sich nicht wundern, dass Patienten die unglaublichsten Symptome entwickeln – und zwar nicht unmittelbar danach, sondern vielleicht erst später“, mahnte Graninger, der im Zuge seines Vortrags zudem eine „Antibiotikasteuer“ zur Diskussion stellte.

Eine Bewertung von Nutzen und Risiko der Influenza-Impfung und ein Vergleich von Grippe und Covid-19 - diesen Themen widmete sich Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch vom der Klinik Favoriten in Wien im Rahmen einer im Vorfeld aufgezeichneten Präsentation. Laut den präsentierten Daten kann die Influenza-Impfung bei Herzversagen für 18 % weniger Sterblichkeit sorgen, bei Myokardinfarkt sinkt die Sterblichkeit hingegen sogar um 41-66 %. Wenisch räumte auch mit dem Irrtum auf, dass Covid-19 eh „nur eine Grippe“ sei. Er untermauerte dies unter anderem mit Zahlen aus seiner Abteilung, bei denen mehr als 700 Influenza (aus 2019)- und Covid-19 (aus 2020)- erkrankte Patienten verglichen wurden. „Hinsichtlich der Komplikationen gibt es einen deutlichen Unterschied. Der Alterseffekt auf die Sterblichkeitsrate ist bei Covid-19 ebenso höher als bei der Influenza“, informierte Wenisch.

 

PFLEGE/THERAPEUTEN: POPULÄRE IRRTÜMER IN DER INFEKTIOLOGIE

Mit einem Vortrag über Irrtümer in Händehygiene eröffnete DGKP Norbert Denkmayr, leitende Hygienefachkraft am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, den Onlinekongress für Pflege und Therapeuten. Er hob die Bedeutung einer fundierten Ausbildung hervor und beschäftigte sich mit einigen weitverbreiteten Irrtümern. „Aussagen wie: Ich wasche mir lieber die Hände, weil das sanfter zu meiner Haut ist. Ich vertrage den Alkohol nicht“, sind ein oft gehörter Vorwand gegen Händedesinfektionsmittel. Doch das Gegenteil sei der Fall. „Häufiges Händewaschen strapaziert Ihre Haut“, betonte Denkmayr. „Das wird Ihnen jeder Dermatologe bestätigen. Waschen Sie sich nur die Hände, wenn Sie sichtbar verschmutzt sind.“ Stattdessen sollten Hände regelmäßig desinfiziert werden. Moderne Desinfektionsmittel kommen ohne Duft- und Farbstoffe aus, Hautprobleme treten sehr selten auf. Auch das Tragen von Untersuchungshandschuhen ersetze die Händedesinfektion nicht, so Denkmayr.

Arbeitsmedizinerin Dr.in Maria Metzler-Rintersbacher vom Ordensklinikum Linz Elisabethinen sprach über arbeitsbedingte (Infektions-)Krankheiten. Denn Mitarbeiter im Gesundheitsbereich können von Infektionen wie Hepatitis, HIV, Masern-Mumps-Röteln, aber auch Diphterie, Tetanus, Pertussis und die Poliomyelitis – ein „schlafender Löwe“, wie sie betonte – betroffen sein. Gegen viele dieser Krankheiten existiert ein Impfschutz. Gerade im Erwachsenenalter können bei Infektionskrankheiten Komplikationen auftreten. „Bei Pertussis ist die Dunkelziffer beispielsweise sehr hoch. Im Erwachsenenalter ist sie sehr untypisch“, erinnerte Metzler-Rintersbacher. Speziell im Herbst sind Pneumokokken verbreitet. Allen Personen über 50, in Gesundheitseinrichtungen tätig sind, wird eine Impfung empfohlen. Metzler-Rintersbacher ging auch kritisch auf den Begriff „Work-Life-Balance“ ein: „Das ist ein Widerspruch in sich. Die Arbeit gehört zum Leben, also brauche ich eine Life-Balance, die alles bedenkt.“ Auch der Begriff „Workaholic“ müsse hinterfragt werden, weil viele aufgrund von Existenzängsten so viel arbeiten.

Mag. Dr. Alexander Weigl, Leiter der Apotheke am Kepler Universitätsklinikum Linz, referierte zu den besonderen Fragestellungen, die sich bei der Anwendung von Antiinfektiva ergeben. Er informierte, dass in Österreich pro Jahr über 70 Tonnen Antibiotika verbraucht werden – ein Drittel davon im Spitalsbereich, hier vor allem Betalactamantibiotika. Im Vortag ging Weigl im Speziellen auf die i.v. Gabe von Amoxicillin/Clavulansäure ein. Diese Lösung muss innerhalb von zwei Stunden nach der Zubereitung gegeben werden, da die Abbauprodukte Proteine binden können. „Dieser Proteinkomplex ist einer der Gründe für das allergische Potenzial der Betalactameantibiotika“, gab Weigl zu bedenken. Sein Rat: Betalactamantibiotika sollten stets frisch zubereitet werden. Zudem ging er auf die richtige Entsorgung der Infusionsflüssigkeiten ein. „Bitte nicht über das Abwasser, sondern über den infektiösen Krankenhausabfall.“

 

SYMPOSIUM 2

ÄRZTE/APOTHEKER: DER VERMEINTLICH BANALE INFEKT

OA Dr. Harry Fuchssteiner, Stv. Leiter der Abteilung IV am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, widmete sich dem Mikrobiom im Alter. „Auch bei alten Menschen ist ein diverses Darmmikrobiom ein protektives und homöostatisches System“, erklärte Fuchssteiner. Er wies darauf hin, dass im Alter eine Mangel- bzw. eine faserstoffarme Ernährung vermieden werden sollte. Positiv bewertete er die „mediterrane Diät“, die das Darmmikrobiom unterstützt und zudem antiflammatorisch zu wirken scheint. „Protonenpumpen-Inhibitoren und Antibiotika verändern das Darmmikrobiom ganz wesentlich. Vor allem, wenn ein NSAR dazu verabreicht wird – das ist der Feind des Gastroenterologen. Probiotika können jedoch das Risiko für eine Clostridium difficile Infektion reduzieren“, hebte Fuchssteiner hervor.

Auf die Rolle von schnellen PCR-basierten Tests in der infektionsmedizinischen Diagnostik ging OÄ Dr.in Heidrun Kerschner vom Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Ordensklinikum Linz Elisabethinen ein. „Diese Tests sind einfach durchzuführen. Zudem kommen immer mehr Systeme auf den Markt. Jedoch bleiben die richtige Testauswahl und Interpretation entscheidend“, unterstrich Kerschner.

Apotheker Mag. pharm. Gregor Schöffl vom Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern bot Einblicke zu zwei Themenkomplexen: Penicillinallergie sowie gefährliche Wechselwirkungen von Antibiotika. „Die Häufigkeit von Penicillinallergien wird oft überschätzt“, betonte Schöffl und ergänzte, dass eine echte allergische Reaktion nur bei etwa 1 % der Bevölkerung tatsächlich vorliege. Neben der Penicillinallergie treten auch Kreuzallergien zwischen Penicillinen und Cephalosporinen nur selten auf und ist in der Regel durch strukturelle Ähnlichkeiten der Wirkstoffe bedingt. Gleichzeitig würden Patienten mit einem Penicillin-Allergievermerk in der Krankenakte „schlechter im klinischen Alltag aussteigen“. Dazu zählen unter anderem ein verlängerter Krankenhausaufenthalt, eine höhere Infektionsgefahr mit resistenten Erregern, sowie erhöhte Komplikationsraten und Mortalität. Erytheme auf Antibiotika können nicht nur durch (pseudo-)allergische Reaktionen ausgelöst werden, sondern auch durch Wechselwirkungen beziehungsweise virale Infekte. Besondere Vorsicht ist bei einigen Antibiotika geboten – diese können teils lebensbedrohliche Wechselwirkungen hervorrufen. Dazu zählen Linezolid (Kombination mit serotoninergen/dopaminergen/noradrenalinergen Medikamenten (zb. SSRI): Gefahr eines Serotoninsyndroms), Rifampicin (hebt die Wirkung von vielen Arzneimitteln auf (via CYP450-Induktion)), Chinolonen, Makroliden und Azol-Antimykotika (können die Wirkung/Toxizität vieler Arzneimittel verstärken (via CYP450-Hemmung) und Herzarrhythmien verursachen (durch Verlängerung der QT-Zeit)).

 

PFLEGE/THERAPEUTEN: INFEKTIOLOGIE IM VERDAUUNGSTRAKT

DGKP Denise Schäfer BSc von der Abteilung Interne IV am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern zeigte in ihrem Vortrag, dass Durchfallerkrankungen im Alter alles andere als banal sind. Unterschieden wird zwischen akuten und chronischen Durchfallerkrankungen: Akute werden unter anderem von Viren (wie Rotaviren oder Noroviren), Bakterien (Salmonellen, verkeimte Lebensmittel oder durch Arzneimittel) ausgelöst. Chronischer Durchfall kann mit einem Reizdarmsyndrom, einer Colitis, einer Divertikulitis, aber auch mit Darmkrebs zusammenhängen. Die vermeintlich „harmlosen“ Durchfälle können in weiterer Folge für eine Dehydration (bis zur Exsikkose) und eine Elektrolytstörung sorgen. Daneben schränken Durchfälle aufgrund von Scham, Schmerzen und anderen Faktoren die Lebensqualität ein. Dauern diese bei älteren Patienten länger als drei Tage an, sollte unbedingt eine medizinische Betreuung in Anspruch genommen werden.

Welche Interaktionen zwischen Antiinfektiva und anderen Arzneimitteln auftreten können, war Thema des Vortrages von Dr. Theodora Steindl-Schönhuber, aHPh von der Apotheke des Konventhospitals der Barmherzigen Brüder Linz. Klinisch relevante pharmakodynamische Wechselwirkungen sind unter anderem Herzrhythmusstörungen (QT-Zeitverlängerung) bei Markolide- oder Chinolone-Antibiotika, Blutgerinnungsstörungen, Nephrotoxizität und immunologische (Haut-)Reaktionen bei Betalactamen. Zu den pharmakokinetischen Wechselwirkungen zählen eine beeinträchtigte Resorption aus dem Gastrointestinaltrakt (unter anderem bei Chinolone oder Tetrazykline), die zu niedrigeren Wirkspiegeln oder gar einem Therapieversagen führt. Penicilline sowie Ciprofloxacin mit Methotrexat können die tubuläre Sekretion vermindern. Wichtig ist auch das Cytochrom-System. Azole und Proteasehemmer gelten als starke CYP-Inhibitoren, Rifampicin als starker P-Glycoprotein- und CYP3A4-Induktor.

Der Immunosenescence-Vortrag von Prim.a Univ.-Prof.in Dr.in Monika Lechleitner, Ärztliche Direktorin des Landeskrankenhauses Hochzirl in Tirol, wurde im Vorfeld aufgezeichnet. „Die zellulärer Senescence ist eine Arretierung des Zellzyklus, der dazu beiträgt, Schädigungen im Geweben, inflammatorische Veränderungen und auch das Tumorrisiko zu vermindern. Die Immunosenescence ist ein sehr komplexer Mechanismus, der über die zelluläre Senescence hinausgeht. Sie ist einerseits mit einer Beeinträchtigung der immunologischen Funktionen verbunden, im Maximalstadium jedoch mit einer Insuffizienz. Andererseits das alternde Immunsystem, das mit einer Überreaktion – der Inflammation – assoziiert ist“, erklärte Lechleitner. Die Senescence kann durch Erkrankungen oder Therapien verstärkt auftreten. Unter anderem können sich Genetik, Ernährung und das Geschlecht darauf auswirken.

 

SYMPOSIUM 3

ÄRZTE/APOTHEKER und PFLEGE/THERAPEUTEN: PSYCHO-NEURO-ENDOKRINO-IMMUNOLOGIE

OA Priv.-Doz. Dr. Markus Hutterer, Leiter des Spezialbereiches Neuroonkologie und Neuropalliative Care am Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz, bot eine Einführung in die Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie. „Psyche, Nerven-, Hormon- und Immunsystem wurden in der Fachliteratur immer in einzelnen Kapiteln abgehandelt. Aber die Frage, wo die Schnittstellen dieser Bereiche sind, ist etwas, das oft sehr schwer zu erkennen ist“, betonte Hutterer. Er skizzierte in seiner Präsentation eine „gemeinsame Sprache“, um diese vier Elemente abzubilden. Unter anderem ging Hutterer auf die negativen Auswirkungen der chronischen Stressreaktion – etwa bei einer Krebserkrankung – ein, die für einen langfristig erhöhten proinflammatorischen Zustand sorgt und mit Betablockern unterbrochen werden kann. Laut einer vorgestellten Studie sorgte der Einsatz von Betablockern bei Patienten mit einem Lymphom für eine Reduktion der Todesrate um 35 Prozent. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie, die sich mit dem Einsatz von Betablockern bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom auseinandersetzen.

Über Einsamkeit und deren gesundheitliche Auswirkungen sprach Mag. Christoph Arzt, Klinischer Psychologe am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern: „Soziale Beziehungen können als ernstzunehmender Risiko- und Resilienzfaktor verstanden werden – vergleichbar mit Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum etc.“ Gerade bei älteren Menschen entfalten jahrelange soziale Stressoren ihre Wirkung. „Man muss das individuelle „Geworden-Werden“ des Patienten berücksichtigen und wie er auf soziale Beziehungen reagiert“, so Arzt. Bei chronischen Erkrankungen sollte ein dyadischer Zugang verfolgt werden, das heißt, dass auch der Partner in die Therapie mit eingebunden wird.

Welche Bedeutung haben die Sinne im Leben? Diese Frage beantwortete Sportwissenschafter Mag. Andreas Altenhofer vom Healthquarter Linz. „Es gibt eine Außen- und eine Innenwahrnehmung der Sinne“, erklärte Altenhofer. Die fünf klassischen Sinne haben jeweils eine Bedeutung in der Psychoneuroimmunologie. Das visuelle System sorgt dank der Bildung von Melatonin für den circadianen Rhythmus. Über das olfaktorische System werden unter anderem Phytonzide, also antibiotisch wirksame Substanzen aus Pflanzen, aufgenommen. Ekel ist ein wichtiger Schutzmechanismus des gustatorischen Systems. Das auditive System kann mittels einer Musiktherapie auf die neuro-endokrino-immunologischen Netzwerke wirken, während das taktile System eine lokale und zentrale Stressregulierung ermöglicht.

 

FESTVORTRAG

Im Festvortrag führte Prim.a Univ.-Prof.in Dr.in Petra Apfalter, DTMH, Leiterin des Instituts für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, einen Streifzug durch die Infektionsmedizin mit besonderem Schwerpunkt auf ältere Patienten. Auch zu Covid-19 nahm die Referentin Stellung. Die Infektions- und Mortalitätsraten versuchte sie einzuordnen und mit anderen Infektionskrankheiten zu vergleichen. „Jeder Dritte über 65-Jährige stirbt an einer Infektionskrankheit, 15 % der Patienten an einer nosokomialen Virusinfektion“, gab Apfalter zu bedenken. Kritische Anmerkungen fand sie auch zu den Covid-19-Testungen.  Würden alle Schüler und Studenten in den USA dreimal wöchentlich getestet werden, ergäbe das 800.000 falsch positive Testergebnissen in der Woche. Auch der Begriff „aktiv infiziert“ wurde von Apfalter kritisch hinterfragt: „Ein positives PCR Ergebnis ist eine Momentaufnahme, aber alleinstehend nicht gleichbedeutend mit Infektiosität.“

 

SAMSTAG, 5. SEPTEMBER 2020
 

SYMPOSIUM 4

ÄRZTE/APOTHEKER: NEUROLOGISCHE INFEKTIOLOGIE

 

Über die Neuroborreliose referierte OA Dr. Klaus Böck von der Abteilung für Neurologie 1 am Kepler Universitätsklinikum Linz. Laut zweier rezenter Studien bestätigen sich nur etwa 10-15 Prozent aller Neuroborrelioseverdachtsfälle, wobei diese eine Überverschreibung von Antibiotika zur Folge haben.  „Die Neuroborreliose zeigt klinisch oft ein recht buntes Bild“, betonte er. „Wichtig ist neben dem erkennen der Schlüsselsymptome die Diagnostik und deren richtige Interpretation - gerade in Anbetracht der serologisch sehr geringen Spezifität und der hohen Durchseuchung in unseren Breiten“, erklärte Böck. Die Neuroborreliose könne nur mit einer Lumbalpunktion bestätigt werden. Die i.v. Therapie mit Cephalosporin und die orale Therapie mit Doxycyclin gelten als gleichwertig. „Die Behandlungsdauer sollte je nach klinischer Präsentation gestaltet werden“, schloss der Mediziner ab.

Der zweite Vortrag von OA Priv.-Doz. Dr. Markus Hutterer im Rahmen des Onlinekongresses „Alternsmedizin trifft Infektiologie“widmete sich den opportunistischen Infektionen, die verschiedene Patientengruppen betreffen können. Dazu zählen insbesondere HIV-AIDS-Patienten und Transplantations-Patienten. Opportunistische Infektionen treten jedoch auch bei Tumorerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, metabolischen Erkrankungen und angeborenen Immunschwächen auf. „Das Entscheidende ist, die neurologische Symptomatik frühzeitigst zu erkennen und zu behandeln“, betonte Hutterer. Die antivirale/antibiotische/antimykotische Therapie muss konsequent und sehr lange durchgeführt werden. „Eine ganz wichtige Rolle spielt auch die Infektionsprophylaxe, ein serologisches Monitoring und eine Risikostratifizierung.“

OA Dr. Stephan Iglseder von der Abteilung für Neurologie am Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz sprach über neurologische Erkrankungen bei Covid-19. „Diese sind relativ häufig, aber sehr unspezifisch“, schilderte Iglseder und ergänzte: „Das einzige „prominente“ Symptom ist die Geschmacks- und Geruchsstörung ohne Schnupfen bei eher milden Verläufen. Das Schlaganfallrisiko bei Covid-19-Infektionen ist deutlich erhöht, vor allem bei schweren Verläufen.“ Bei Schlaganfall und Multiple Sklerose seien diese schweren Verläufe der Covid-19-Infektionen eindeutig mit einem höheren Alter, Diabetes und kardiovaskulären Risikofaktoren assoziiert. Männer haben im Vergleich zu Frauen ein höheres Risiko.

 

PFLEGE/THERAPEUTEN: INFEKTIONSPRÄVENTION IM RAHMEN VON PFLEGEHANDLUNGEN

Gleich zwei Vorträge zu pflegerelevanten Themen hielt DGKP Christian Pux von den geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz. Im ersten Teil stellte der akademische Experte in der Krankenhaushygiene sogenannte „Problemkeime“ vor. MRSA („Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“), welcher unter anderem gegenüber Betalactam-Antibiotika wie Penicillin resistent ist, verursacht Krankheitsbilder, die sich vom Staphylococcus aureus klinisch nicht unterscheiden – im Gegensatz zu diesem weisen sie jedoch eine erhöhte Sterblichkeit auf. In zahlreichen Einrichtungen, wie etwa der Albert-Schweitzer-Klinik, wird eine Search-and-destroy-Strategie verfolgt, um MRSA zu bekämpfen. „Alle Aufnahmen werden nach MRSA gescreent. Wenn jemand positiv ist, führen wir die Dekontamination durch“, erklärte Pux. MRGN („Multiresistente gramnegative Bakterien“) werden ebenfalls mit einem „Screening sowie einer strikten Basishygiene“ eingedämmt. Der zweite Vortrag widmete sich dem Antibiotikamanagement in Pflegeheimen. In Langzeitpflegeeinrichtungen würde laut Pux teilweise eine hohe Prävalenz an MRE („Multiresistente Erreger“), ein inadäquater Antibiotika-Einsatz und fehlende Diagnostik festgestellt. Zum Abschluss präsentierte Pux erfolgreiche Projekte in Pflegewohnheimen, dank denen der Antibiotika-Einsatz deutlich reduziert werden konnte.

 

SYMPOSIUM 5

ÄRZTE/APOTHEKER: INTERNISTISCHE INFEKTIOLOGIE

Der geschäftsführende Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Innsbruck, Dir. Univ.-Prof. Dr. Günther Weiss, ging auf die Rolle des Eisens bei bakteriellen Infektionen ein. „Es besteht ein Kampf um das Eisen zwischen den Bakterien und dem Menschen“, unterstrich Weiss. Darüber hinaus referierte er auch über die Anämie chronischer Erkrankungen: „Ein Benefit dieser Erkrankung ist die Limitierung von Eisen für extrazelluläre Pathogene. Eventuell kommt es zu einer besseren Immunantwort“, erklärte Weiss. Die zusätzliche Gabe von Eisen im östlichen Afrika oder in Pakistan habe, laut einer WHO-Studie, zu einer erhöhten Mortalität bei Kindern geführt. „In Regionen mit hoher Infektionsrate scheint ein leichter Eisenmangel protektiv zu sein“, betonte Weiss. Sein Fazit: „Was man auf keinen Fall machen soll, ist Eisen im Zuge einer akuten Infektion zu supplementieren. Denn dann steht es den Mikroben zur Verfügung.“

Prim. Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christopher Lambers, Leiter der Abteilung Pneumologie am Ordensklinikum Linz Elisabethinen, ging auf das Thema der nosokomialen Pneumonie ein – die dritthäufigste nosokomiale Infektionskrankheit. Bei der Diagnose sollte auf die richtige Bildgebung geachtet werden. Im Zuge dessen wies er insbesondere auf den Unterschied zwischen CT und einfachem Bettröntgen hin. Ebenso sei eine umfassende Diagnostik von Bedeutung: „Hier ist die Zusammenarbeit mit der Mikrobiologie wichtig.“ Eine möglichst frühe Therapie gilt als essentiell für die Prognose, doch auch Dosis und Dauer müssen ausreichend sein.

 

PFLEGE/THERAPEUTEN: IMMUNOLOGIE JENSEITS VON ANTIBIOTIKA UND VIROSTATIKA

Kongresspräsident Prim. ao Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl zeigte in seiner Präsentation welchen Einfluss Phytotherapeutika auf die Immunologie haben: „Phytopharmaka müssen therapeutisch wirksam sein, die Anwendung muss unbedenklich und vertretbar sein sowie eine konstante pharmazeutische Qualität aufweisen.“ Dies geschieht in Abgrenzung zu Homöopathika, Anthroposophika und isolierten Pflanzeninhaltsstoffen, denn „die Phytotherapie ist nicht zum komplementärmedizinischen Bereich zu rechnen“. Phytotherapeutika können wirksam sein – meistens im Sinne einer Entzündungshemmung, aber auch antioxidativ. Als Beispiele stellte Lampl unter anderem eine Studie vor, in der eine Linderung der rheumatoiden Arthritis durch zusätzliche Gabe von Katzenkralle zu einem Zyklin dokumentiert wurde.

Die Bedeutung von Sport und Ernährung im Alter wurde von Dr. Silke Kranz, Allgemein- und Sportmedizinerin aus Bad Zell, thematisiert. „Wir haben fünf motorische Grundeigenschaften: Kraft, Schnelligkeit, Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer. Jede von diesen Eigenschaften ist in jedem Alter trainierbar“, erklärte die Medizinerin. Studien belegen, dass Bewegung auch einen positiven Einfluss auf die kognitiven Funktionen hat: „Patienten, die sich mehr als zwei Stunden pro Woche bewegt haben, wurden um mindestens eine Altersklasse jünger.“ Neben der Bewegung ist auch die Ernährung älterer Menschen entscheidend. 12 % der älteren Menschen, die zuhause leben, gelten als mangelernährt. In Betreuung, zum Beispiel in einem Seniorenheim, steigt der Wert auf 23 % und stationär sogar auf bis zu 60 %. „Ein Eiweißmangel ist sehr häufig, dieser führt zu Sarkopenie, also zum Abbau von Muskelmasse“, so Dr. Kranz.

 

ÄRZTE/APOTHEKER sowie PFLEGE/THERAPEUTEN

ao. Univ.-Prof.in Dr.in Rosa Bellmann-Weiler, Stv. Direktorin der Universitätsklinik für Innere Medizin II in Innsbruck, hielt einen umfangreichen Vortrag zu Migration, Klimawandel und Antibiotikaresistenz. Sie sprach unter anderem über den mangelhaften Impfschutz syrischer Kinder, die Verbreitung von Infektionskrankheiten weltweit – 56 % der TBC-Fälle treten in Indien, Indonesien, China, Philippinen und Pakistan auf – sowie über Infektionen bei Menschen auf der Flucht (zum Beispiel Masern und Diphterie). Laut WHO gibt es jedoch keinen systemischen Zusammenhang zwischen Migration und der Einschleppung von Infektionskrankheiten. Einen weiteren Schwerpunkt legte sie auf Krankheiten, die indirekt durch den Klimawandel verursacht werden – etwa durch Zeckenarten oder Stechmücken. So wurden in Österreich die asiatische Tigermücke („Aedes albopictus“) und die asiatische Buschmücke („Aedes japonicus“) dokumentiert, die unter anderem das Dengue-Fieber übertragen können. „Wir haben vor Jahren am Gardasee bereits Dengue-Fieber nachgewiesen“, warnte Bellmann-Weiler.

Der Vorstand der Abteilung Innere Medizin am Konventhospital der Barmherzigen Brüder, Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi, schloss den Onlinekongress Alternsmedizin mit seinem Vortrag zu Covid-19 ab. „Es gibt noch viele Fragen, aber Covid-19 ist eine potenziell gefährliche System- bzw. Multiorganerkrankung“, gab Clodi zu bedenken. Zudem verursache Covid-19 auch vorwiegend echte Viruspneumonien. „Das heißt, das Virus ist das auslösende, wirklich schädigenden Agens“, betonte Clodi. Darüber hinaus sei Covid-19 auch nicht ganz mit der Influenza vergleichbar. Die Mortalität von Covid-19 liege im Vergleich zur Influenza etwa 3-10fach höher, bei etwa 0,3-1,0 %. Sein Fazit: „Ich möchte nicht daran erkranken.“

 

Hinweis: Die im Medium etwaig angegebenen Medikamentennamen sind als Beispiele für alle Produkte mit gleichem Wirkstoff zu verstehen.

Alternsmedizin trifft Infektiologie

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