Kammerrhythmusstörungen

Schwerpunkt Herz

Unter „ventrikulären Tachykardien“ werden Herzrhythmusstörungen aus dem Bereich der rechten oder linken Herzkammer verstanden, welche potentiell lebensbedrohlich sein können (Gefahr des plötzlichen Herztodes). Die meisten diese Rhythmusstörungen treten bei vorbestehenden Herzerkrankungen auf (z. B. Koronarer Herzerkrankung, Zustand nach Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche, Herzmuskelentzündungen, etc.).

Oft haben diese Patienten diesbezüglich bereits einen implantierten Kardioverter-Defibrillator (ICD) zum Schutz vor dem plötzlichen Herztod. Um bei wiederholten Kammerrhythmusstörungen schmerzhafte Schockabgaben durch den ICD zu vermeiden, wird die Ablationstherapie eingesetzt. Die Erfolgsaussichten bei vorbestehender Herzerkrankung werden aktuell mit 50-75 % angegeben.

Gelegentlich treten auch ventrikuläre Tachykardien bei Patienten ohne zugrundeliegende Herzerkrankung auf (idiopathische Kammertachykardie). Die Heilungschance bei dieser Form liegt um 90%.

 

Symptome

Herzrasen, Herzstolpern, Herzschwäche, Bewusstlosigkeit, plötzlicher Herztod

 

Therapie

Ablationstherapie von Kammerrhythmusstörungen

Die Ablationstherapie stellt für die oben genannten Herzrhythmusstörungen eine Behandlungsmöglichkeit mit guten Aussichten auf eine dauerhafte Heilung oder Reduzierung der Rhythmusstörungen dar. Die Behandlung wird entweder in Vollnarkose oder Analgosedierung (schlafähnlicher Zustand) durchgeführt. Die Dauer des Eingriffes ist von der Art der Rhythmusstörung abhängig und liegt meist bei 3-4 Stunden.

Über die Punktionen in der Leiste (sehr selten ist eine zusätzliche Punktion im Bereich des Schlüsselbeins notwendig) werden mehrere Sonden (Elektrophysiologiekatheter) in das Herz vorgebracht. Mittels Stimulation über die Sonden wird im nächsten Schritt versucht, die betreffende Rhythmusstörung auszulösen, um deren genauen Ursprung lokalisieren zu können. Nach der Diagnosestellung wird im gleichen Eingriff auch noch notwendige Ablation durchgeführt. Nach Ende der Prozedur werden die Sonden entfernt und ein Druckverband in der Leiste angelegt. Der Patient muss danach noch 6 Stunden liegen, um Nachblutungen zu vermeiden. Die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt meist nach 2-3 Tage. Über 7 Tage sollte die Leiste geschont werden (kein Sport, kein Heben > 5kg, kein Vollbad).

 

Allgemeine Risiken der Ablationstherapie von Kammerrhythmusstörungen

  • Blutergüsse, örtliche Gewebsschäden oder Nervenschädigungen an der Punktionsstelle
  • Infektionen, Endokarditis
  • Gefäßaussackungen (Aneurysma spurium) oder arteriellvenöse Verbindungen (Arteriovenöse Fistel) nach Punktion
  • Perforationen der Herzwand und Einblutung in der Herzbeutel (Perikarderguß / Perikardtamponade)
  • Thrombosen, Embolien, Schlaganfälle
  • Allergien


Bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung ist naturgemäß das Risiko schwerer Komplikationen gegenüber Patienten ohne zugrundeliegende Herzerkrankung deutlich erhöht.