Bauch

Spitzenmedizinischer Schwerpunkt

Laktoseintoleranz

Ätiologie

Angeborener oder erworbener Laktasemangel der Dünndarmepithelzellen. Angeborene Formen sind regional sehr unterschiedlich verteilt, in Skandinavien selten (< 2%), in Südeuropa häufig (> 50%), in Afrika praktisch bei allen Einwohnern nachweisbar. In Österreich muß man mit etwa 15% Laktoseintoleranten unter der erwachsenen Bevölkerung rechnen. Erworbene Laktoseintoleranz tritt nach Enteritiden auf (reversibel nach Wochen), kann auch Teilsymptom eines Malabsorptionssyndroms, z.B. einer Coeliakie sein.

Pathogenese

Die in Milch, Milchprodukten wie Joghurt, Käse, Schokolade, Mehlspeisen, Saucen etc. enthaltene Laktose wird im Dünndarm nicht aufgenommen, gelangt in den Dickdarm und wird von den dort lebenden Darmbakterien in kurzkettige Fettsäuren und Gase wie Co2, Methan, H2 u.a. zerlegt. Die Gase führen zu Meteorismus und die kurzkettigen Fettsäuren wirken abführend (osmotische Diarrhoe; sistiert beim Fasten). Das Ausmaß des Enzymmangels variiert von Mensch zu Mensch.

Symptomatik

Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen 1 - 3 Stunden nach Genuß mehr oder weniger großer Mengen laktosehaltiger Nahrung. Die Schwere der Symptomatik hängt von der Menge der zugeführten Laktose und der individuellen Restaktivität an Laktase ab. Es kommt zu keiner Gewichtsabnahme oder Mangelzuständen.

Diagnose

Schon durch eine genaue Anamnese kann oft eine Vermutungsdiagnose gestellt werden. Der Beweis kann durch den Laktose-H2-Atemtest oder durch einen Laktosebelastungstest mit Blutzuckermessung erbracht werden. Beim Laktose-H2-Atemtest wird nach Gabe einer standardisierten Menge Laktose (z.B. 50g in Wasser) der H2-Gehalt der Ausatmungsluft bestimmt. Ein signifikanter Anstieg beweist eine Laktosemalabsorption. Es ist allerdings notwendig, einen isolierten Enzymmangel von einer generellen Malabsorption, wie z.B. bei Coeliakie oder eine bakterielle Überwucherung durch weitere Untersuchungen zu differenzieren. Der Laktosebelastungstest über Blutzuckermessung nutzt die Tatsache, dass Laktose aus je einem Molekül Galaktose und Glukose besteht und durch die Laktase in diese beiden Bestandteile zerlegt wird. Beide Anteile werden resorbiert und die Glukose führt zu einem Anstieg des Serumblutzuckerspiegels, der nachgewiesen wird. Bleibt der Anstieg aus, kann auf eine Laktosemalabsorption rückgeschlossen werden.

Differentialdiagnose

Durchfall und Meteorismus anderer Ursache, v.a. Reizdarmsyndrom (Colon Irritabile).

Seltener osmotische Diarrhoen bei bakterieller Überwucherung, Coeliakie, exokriner Pankreasinsuffizienz, Fructose- oder Sorbitintoleranz (Differenzierung durch spezifische Atemtests, Elastasebestimmung im Stuhl, Ema-Bestimmung, Dünndarmbiopsie etc.).

Therapie

Die Behandlung ist rein diätetisch. Es gibt ein Laktasepräparat, das zu laktosehältigen Mahlzeiten eingenommen werden kann, sich aber im Unterschied zu den Usa bei uns nicht etabliert hat und wohl auch nicht notwendig ist.

Darm

 

Diät

Reduktion oder Verzicht auf laktosehaltige Nahrungsmittel, wie Milch, Milchprodukte, Schokolade und Speisen, die mit nennenswerten Mengen davon zubereitet werden. Weiters werden im Handel laktosefreie Nahrungsmittel angeboten.

Prognose

Die Erkrankung schränkt die Lebenserwartung nicht ein. Die Lebensqualität ist nach Einhalten einer entsprechenden Diät nicht vermindert. Diätsünden sind lediglich unangenehm, stellen aber kein Risiko dar. Auf das Entstehen einer Osteoporose bei langjähriger laktosefreier Diät sollte geachtet werden.

 

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